Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): schnöde

schnöde

, adj., adv.


I arm, einem niederen Stand zugerechnet; übel beleumundet, in der Ehre bemakelt
  • hat ein man getrenk feil, unfuget da ein schnöde man mit bösen worten oder werken, zuschlegt ihn der wirth, darum bedarf er gegen niemand keine buse leiden
    1436 HofStR. 157
  • ende bijsundere aengaende snoeden ende scamelen armen partijen, die wetten ende richters kennisse mogen nemen ende dat gedinge beslichten sonder libel oft gescrifte ende sonder cost
    1496 CoutBrab. II 2 S. 71
  • wo ein iunger geselle begriffen wird in einem hause einer schnoͤden beruͤchtigeten frawen oder jungfrawen, da entspringet daraus eine vermutunge des ehebruchs oder iungfraw schwechung
    1541 König,Proz. 13r
  • sol in der scharffen fragen der richter ansehen die eigenschafft der personen, denn ... herter ist zu fragen eine schnoͤde person, denn ein ehrlicher man
    1541 König,Proz. 16r
  • [von der peen der jungfrawen und widwen schwecher:] ist er ... eine schnoͤde person, wenig habend, sol er am leibe gestrafft ... werden
    1561 Rotschitz 94v
  • wan drei umb den schutz bitten, so mögen die hern ein ziegen mit der gemein will, und die gemein ein, und der drit, der do verleibt stehn, der sol doch nicht desto schnöder sin
    16. Jh.? Pfalz/GrW. I 789
  • vom gemechte oder schoß, ob einer den andern daran beschedigett ... thuett man es einem freyen, vnnd der thäter ist auch frey, vnnd achtbar, so sendett man ihn ins elend. thuetts aber ein schnöder leichtfertiger mensch, so wirfft man ihn vor die wilden thiere
    1628 Apel,Collect. 93
II unverschämt, beleidigend
  • so welic ratman den anderen binnen den vere wenden des rathuses bedrouet mit snoden worden, alse: gi leget, eder gi segget vnrecht, eder dat en is nicht war; wert dat behort van twen ratmannen, dat scal he beteren mit iij mr. suluers
    um 1300 RigaStR. 151
  • were dat also dat eyn dem borghermester efthe dem rade sceldewort gheue al so dat he snode wart en gheue de en an ere ede nicht en ghingen de hedde ghebroken dem borghermester tve eymer wynes
    1310 Seibertz,UB. II 78
  • da haben wir gesehen, das es ein uberaus schnödes und ehrenrüriges schreiben gewesen
    1606 ActaBrandenb. II 637
III böswillig, niederträchtig
vgl. quat
  • dorch ... snoden mysslichen frefelen vnreynen handel [yst] dem ... cleger ... wedderuaren ... vorderfflich hinder vnde schaden
    1381 MittOsterland 3 (1850) 515
IV nichtswürdig, ehrenrührig
  • aber um frevel, gelt-schuld und um üppig schnöd und unzymlich sachen die nit den kosten tragen mögend noch der eren und arbeit werd sind, sol man fürter nit me ziechen by 5 pfd. d.
    1450 Burckhardt,Hofr. 73
  • vor ... den pütteln [söllent] gerechtvertiget werden alle hendele, die sich begebent zwischent ... hůren und bůben, ... damit das gerichte mit söllichen schnöden, schantlichen sachen nit beladen werde
    1493 TübStR.(Rau/Sydow) 7
  • ßo ist vil billicher, daz die gottes eer vnverklaint sey, so dann aus dem schnöden viehischen zuetrinckhen vnnder anndern lasstern, auch das gots lestern, vnd sweren entsteet
    1524 SalzbStPolO. 50
V
nachlässig, nicht ordnungsgemäß, unkorrekt
  • wir sullen unsirn willen kegin unsir herschafft wol behaldin, wenne wir sie sulchir sachen, dy von der snoden morgensproche dar kommen eygentlich undirwizen
    1385 CDPruss. IV 187
  • oft eyn becker snode bröt backet, de gene der stad ix. schillinge, vorsümet de olderman dat, dat he dat nicht straffet, de betale der stad iii. mark
    um 1400 SchleswStR. 37
  • als dat hospitaill ... durch vngetruwe snoide regiment der schulten knecht ... an des huses renthen ... verkomen was
    1502 Fahne,Dortm. II 1 S. 342
  • geschehe derhalben ein gewilkoͤrte entschichtung also schnoͤd vnd verkoͤrt, das jre vnbilligkeit so grob were, das sie jederman spuͤren vnnd tadelen moͤgte, sie kan durch des rechts raͤdlich erkentnuͤs, auch vrtheils weis gebessert werden
    1583 SiebbLR. III 8 § 2
VI geringwertig
  • nyemant en sall oick den ghemeynen wech besluten noch benauwen, noch dair in yet maeken of setten, dair omb die ghemeyn wech of gangh mede belettet of snoeder worde of mocht werden
    1426/40 KleveStR. Art. 444
  • ind were sache, dat emantz einche keute of bier mengde mit einchem anderen bier of drancke, die snoeder were, dan sulchen bier of keute, wae man des ain gewair wurde, der sall vunf marck zo boyssen gelden
    1453 QKölnHandel II 45
  • hier suldij weten dat in veele gevallen die condicie van den vrouwen minder oft snoeder ende arger is dan van den man; ierst in ... arbitragie
    1496 CoutBrab. II 2 S. 61
  • qweme yemant myt gevelscheden guede ... offt dat ys ondersteckenn were myt snoeden guede wem men dair mede befonde dye sall dat guedt verbrockt heben den burgermeyster ind den marckt meyster in behoeff der stadt
    1518 DuisburgStR. IV 8
VII von einem Preis: niedrig
  • ok en scolet se neyn swin duren kopen wen teyn scill. unde snoder 
    Mitte 14. Jh. HannovStR. 458
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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