Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): 1Schoß

1Schoß

, m., n., f., 1Schoße, f.


I aus Unterleib und Oberschenkeln bestehender Bereich des menschlichen Körpers; Mutterleib; bildlich auch Ort der Zeugung und Abstammung

I 1 häufig in Rechtsgesten; auf/in/über den Schoß auf die Oberschenkel (beim Sitzen)
  • wan dich sol ein biderbe man / müezeclîchen an gesehen: / sitze ûf sîn schôz, daz hab ze lêhen
    1215/16 Thomasin V. 14694
  • svenne die vrone bode von deme richtere ... gekoren wert ... so sal ine die richtere nemen bi der hant, unde setten in ... up enen stul jegen sik, unde sal ime die hilgen in den schot dun unde vrede werken to rechte
    1224/35 (Hs. 1369) SspLR. III 56 § 1
  • [bei peinlicher Klage:] wenne he [richtere] denne dat ding hegen wil, so sette he sic unde legge sin swert over sinen scot unde secge: [...]
    um 1335 RichtstLR. 29
  • [Ehegerichtsprotokoll:] F. sye über den seckel gangen und gseit: wer wil den seckel zur e? do redte niemant nüdt, da liesse er der A. den seckel in die schoss fallen
    1530/33 Bächtold,Verlobung 87
  • uf solichs nam ich der statthalter ain schwarze kappen mit dem zipfel in min hand und uf die schos ... griff ... an zipfel der kappen, daran er dis gemecht ... mit mund und hand bekannt ... wie dann solichs ... craft und macht zehaben ... mit ainhelliger urtel ertailt ward
    1556 StiftsarchSGallen Bd. 1076 fol. 134
  • [bei der Lehensreichung ist] ihro kayserl. majestaͤt ein evangelium-buch ... dargereicht worden, welches der obrist-hof-meister ... und der obriste-cammer-herr ... auf jeder seite einer kniend auf ihro majestaͤt schos aufgeschlagen gehalten
    um 1600 Lünig,CJFeud. I 91
I 2 von einem Erbteil: in den Schoß fallen/sterben an die Eltern fallen (statt an die Geschwister); auch rsprw. das Kind fällt wieder in der Mutter Schoß 
vgl. Schoßfall
Sachhinweis: HRG.1 IV 1485
  • das angevelle stirbit der muter in den schoz 
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 379
  • ist her in deme gute also ... ane alle bestendige beredunge gesessin unde ist bynnen des der kindere eynes gestorbin, so ist der vorstorbin kindesteyl der muther in den schoß gefallen
    1474 PössneckSchSpr. I 87
  • gybet ein man seynen kyndern und seinem weybe sein gut und iczlichem seynen bsundern teyl zu habin noch seyme tode und seyme weybe ein sunderlich teyl mit sotaner underscheydt, so das an die fraue der kynder angefelle nicht sterben sal yn die schos: stirbt sint der man und wirt ein iczlichs kynt gewaldiget des seynen und auch die frau noch deme, als sie begabt wart: stirbet sint der kynder eyns ane geerbin adir ane geburt, das gut, das des todin kyndes was, stirbet der frauen wider yn die schos. mag man abir die fraue mit eynem gehegten dinge, als sie sich anefalles vorczegin hat, obirczeugin, und hat ein gnugen dovor entpfangen, so stirbet das angefelle mit recht uf des todin geswisterde, wenne nu uf die frau, sint sie sich verlobet hat
    um 1490 RechterWeg I 216
  • seintmal die vier kinder nach ires vaters tode verstorben seint, was sie dan erbes und farender habe gelassen haben, das ine zu irem teil mocht gepuren, das haben sie ... geerbet auf ire muter und in irer muter schoß 
    vor 1524 LeipzigSchSpr. 110
  • de kinder können aver de ölderen schoet nicht gripen in erffdehlinge, de wyle de ölderen leven
    1568 Tondern/Mensing
  • das des kindes erbschafft den eltern, es sey vater oder mutter, inn die schoß fiele
    BreslauStat. 1588 Art. 2
  • hat auch die frau kinder und verstirbet deren eines oder mehr, deren angeerbtes väterl. guth, soll der mutter in den schoß fallen, doch also, daß die mutter solch ... guth ihren andern kindern ... nicht entfrembde
    1678 BautzenStat. 19
  • das kind faͤllet wieder in der mutter schooß: ... unter dem muͤtterlichen schooß werden hier uͤberhaupt eltern und großeltern verstanden
    1759 Eisenhart 256
I 3 übtr.: jm. etw. in den Schoß legen jm. etw. (zur Entscheidung) überantworten, anvertrauen
  • wil myn recht unde unrecht legen in juwer gnaden schot 
    1424 ZNdSachs. 1855 S. 157
I 4 ae.
in sceat bewyddod durch (den symbol. Akt der) Schoßsetzung verlobt?
Sachhinweis: GöttNachr. 1907 S. 305; A. Fischer, Engagement, Wedding and Marriage in Old English (Heidelberg 1986) 34
  • gif hio oþrum mæn in sceat bewyddod sy, xx scillinga gebete
    602/03 (Hs. um 1125) Liebermann,AgsG. Abt 83
II
auch Dim.
Kleidungszipfel, Saum; (unterer) Teil eines Gewands; den Unterleib bedeckender Rüstungsteil, Panzerschurz; auch für ein vollständiges Kleidungsstück, zB. eine Schürze
bdv.: Schlippe (I)
  • ief hit soedeen goed is, dat mect moege ... onder scate bihiella, soe schel di frana jngaen ende sauwen des koninges orkunden mey hem, al gripiande eermen ende oenghert ende berfoet, dat hia nen gued jndraga ne moeghe [wenn es (im Haus gesuchtes Diebesgut) solches Gut ist, dass man es ... unter dem Rockschoß verbergen kann, so sollen der Frana und sieben Königszeugen mit ihm hineingehen, mit offenen Armen und ungegürtet und barfuß, damit sie kein Gut hineintragen können] 
    2. Hälfte 11. Jh. (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 114
  • ief ma enen muntere bifucht ... mey falschede ... oen zijn scatte ... soe ne mey ma deeromme nen witheden bieda, mer sijn ferra hand op zijn staepele ofslaen [wenn man einen Münzer ... mit falschem Gelde ... in seinem Schoß ... ertappt, so darf dieser deswegen keine Unschuldseide auf die Reliquien anbieten, sondern man soll ihm die rechte Hand auf einem Münzblock abschlagen] 
    12. Jh. (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 200
  • ersten schal men geven dat beste bedde negest den besten, ... zinen ysern hod mit eyner slappen, zine platen grůsener schot und kragen; sint de dar nicht, zo scholet ze yo geven zin panserborst und iacken
    1349/1416 BremRQ. 118
  • [ferendy hab:] vi schessen 
    1464 TirolInv. 32
  • ain hinders vnd vorder teil von ainer schoß 
    1484 TirolInv. 130
  • [sie habe dem Teufel] ein stück von ihr schos zue einem phandt auch geben müesen
    1695 SchweizId. VIII 1452
  • neyermeitli, so nit burgerstöchteren sein, sollen ... an den brüsten keine schössli oder umbläuff ... antragen
    1696 SchweizId. VIII 1452
  • [beim Kirchbesuch sollen die haussarmen leute] wenigstens mit schwarzen sch[oss]en und schwarzen schlutten angetan sein
    1702 SchweizId. VIII 1453
  • [bei Frauenkleidung verboten:] durchsichtige materi ... an krägen, ärmlen und schoosen 
    1728 SchweizId. VIII 1453
  • skiöde: ... man [nimt] zweene zeugen dazu, denen legt der verkæuffer etwas erde in die hand, und wann er dem kæuffer den eigenthum ... vor gerichte ... übergetragen hat, so legen die beyden gezeugen dem kæuffer die erde in die hand oder auf den ... schoss des rockes
    1743 Westphalen,Mon. III 2001
III Geschlechtsteil
  • vom gemechte oder schoß, ob einer den andern daran beschedigett: obs einer mit willen nicht gethan, der muß es büßen mit einem halben wehrgelde, der es aber mit willen thäte, der hatt sein halb guett verlohren
    1628 Apel,Collect. 93
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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