Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): 1Schrift

1Schrift

, f., m., n.

ahd. glossiert scriphti (AhdGl. II 452)

I auf Papier, Pergament oder anderem geeignetem Material aufgebrachter Text; in Schrift(en) schriftlich, in schriftlicher Ausfertigung, insb. iU. zur mündlichen Ausdrucksweise
bdv.: 1Letter (I)

I 1 Schriftstück mit Normcharakter, etwa Gesetz oder Verordnung; auch kollekt.: Sammlung von Vorschriften
  • phleger ... der chinde vnd der vrawen ... haizzet ... etwa sichrær, etwa vogt, etwa vormunt ... in der schrift so sint si gesundert an ir recht, aver vor laienrecht so haben wir eines als daz ander
    um 1275 Dsp.(Eckh.1971) LR. Art. 55 § 1
  • alle dienstman die haizzent aigen an der schrift. da von mugen si niht eigener lævte gehaben
    um 1275 Dsp.(Eckh.1971) LR. Art. 61
  • uppe dhat dese settunghe stede bliue, so hebbe wi dhese scrift ghestedeget mit vnseme inghesegele
    1294 LübUB. I 6
  • vnser genedigen herschaft von Berne stat recht, friheit, satzung vnd gewonheit ... in schrift oder von munde verkunden
    1402 ZSchweizR. 9 (1861) RQ. 49
  • ordineren [wir] in craft dieser schrift: so wer eynich sijn erve oder erfrente ... in testamenten ... vergeven ... wilt, der sall ungehalden ind ungeleyt seven voisse lengden gain
    1437 KölnAkten I 641
  • dat ij sodaner der vurß ertzebischopen ordinerunge ind schrifte nicht achten sallen
    1445 Soest/Schulze,LandstMark 317
  • ende haet soe dio wrald haet scriftes iefta riochtes, deer nettelick ende eerlic is, dat bigont ende eyndghet oen disse tiaen werdem [und was immer die Welt an Geschriebenem oder Recht hat, das nützlich und angemessen ist, das beginnt und endet mit diesen zehn Geboten] 
    1464 (Hs.) WesterlauwersR. I 72
  • diser ordnung, leng und gröss des mess und der scheiter ist under iedes thor ains mit einer schrift angeschlagen, das es angan soll uf sambstag
    16. Jh. NördlingenStR. 498
I 2
Schriftstück, Niederschrift mit formalem Urkundscharakter (Urkunde, Bescheinigung, Zeugnis, auch Testament); oft in verstärkender Formel gezeuge und schrift; offene/offenbare Schrift Schreiben in notarieller Form; beschlossene Schrift amtlich hinterlegtes Schreiben
  • disse gegenwertig schrifft, die da veralt waiss, han wir bynne unssern zyten ... ernuwet
    1237 Böhmer-Ficker 269
  • swaz hie mit schrift gistætit ist, wird daz vber cil gilenget ane giværde, daz schadet inwedirm tæile, vnde svnz darnah mit allem vlizze vollevuͤren
    1251 FürstenbUB. V 113
  • alle die dise schrift iemer gelesent alder hoͤrent gelesen, die sún daz wizzen fúr eine wârheit, daz ... P. ... hat gekoͮfet sinre wirtinnun vron A. ... drie march geltes
    1266 Brugg/CorpAltdtOrUrk. I 148
  • ist daz ein man sinem frivnde gvͦt schaffen wil nach sinem tode, wil er im daz sicher machen, er sol im srift dar vber geben, mit endehaftn isigeln
    um 1275 Schwsp.(Langform Z) LR. Art. (L.) 22
  • to behaldene nuthaftige dinc vnde sake is des not, dat men sic mit scrift vnde mit ingesegeln moge ertivgen
    1290 ZHarz 5 (1872) 476
  • ist das billeich unde recht, swaz man mainhafter unde sachhafter dinge beget, das man dew bestaetige mit gezeuge und mit schrift 
    1292 SPöltenUB. I 178
  • babistliche adir geistliche ladunge, do sal man abir eyne offinbar schrifft machen. und der executor sal den brieff vorsegiln mit seinem ingesigil zu eynem czeichen, das her des richters gebot geton hat
    um 1400 LiegnitzStRb. 120
  • alle geczewkbriefe und dy dy warheit bekennen, dy seyn genant fur hantfesten und offenbar schrift, daz ist eyn instrument, ... daz sal man crefftigen mit der unterschrifft czum mynsten czweier geczewgen und mit eym namhafftigen kentlichen ngesigele
    1407 BöhmBergR.(Gelnh.) 272
  • A. des officialen schryber, als her dy offenbar schrift schreyb, dy der kompthur vom E. mete furte
    1409 MarienburgTreßlerb. 584
  • senden wi juw vthscrift older waraftigen ... tuͤgenisse ener schrift, de vnse selige vader ... vns geeruet hebben
    1447 DithmUB. 52
  • was brief, register, schriften oder copien, die auch von mein herren oder ainem ratschriber ... zů deinen handen gegeben ..., dieselbigen ... wöllest in das rathus oder canzlei ... unverzogenlich legen
    um 1510 ÜberlingenStR. 223
  • wann ainer wasser hette dz ers mit gnůgsamer schrifft beweysen mag, das man das wasser in wyssenlych also erkaufft hette, begeren wir jms nit mit gewalt zů nemen
    1525 Artt.d.Bauern 12
  • daß eyn offne schrifft nit durch die lehenmann, sonder etlich andere bekrefftiget, zůbeweisung eyner newen belehnung gnůg sei
    1530 LibriFeud.(Weidm./HAB) 41
  • der testierer můß ... erbitten siben erber bidermaͤnner, jne die verfaßt offen oder beschlossen schrift fürlegen vnd anzaigen, wie dieselb sein testament vnnd lester will sey
    1544 Perneder,Summa 14r
  • bei absterben eines notarii ohne solcher profession ergebenen hinterlassenen erben [sollen] dessen erben die pflicht haben, ... einem andern notario ... die von ihrem abgestorbenen vatter gemachte schriften und acten einzuhändigen
    1696 ZSchweizR.2 29 (1910) 233
  • kanzley: ... ort, wo uͤberhaupt alle landesherrlichen kollegien versammelt sind, alle geschaͤfte ausgefertiget und die schriften aufbewahrt werden
    1785 Fischer,KamPolR. II 4
  • nach erhaltener quittung muß der verwalter dem principale alle bücher und schriften, welche mit der administration in verbindung stehen, ausantworten
    1794 PreußALR. I 14 § 160
  • ein erblasser, der zwar nicht sprechen, wohl aber schreiben kann, darf einen geheimen lezten willen errichten, unter der bedingung, daß es ganz von seiner hand geschrieben ... sey, daß er ihn dem staatsschreiber und den übrigen zeugen überreiche, und in ihrer gegenwart ... hinschreibe, daß die vorgezeigte schrift sein lezter wille sey
    BadLR. 1809 Satz 979
I 3 amtl. (Buch-)Eintrag mit besonderem Nachweischarakter; speziell in Halle: schriftliche Bestätigung einer vor Schöffen vorgenommenen Belehnung, Eintrag in die Lehnstafel (II 2) 
  • K.A. quam in gehet ding mit erfgeloue vnde begauet J.P. ... sinen hof to ener settinge vor dre pannen in deme dudischen bornen von eme vrien herren vnde to sceppen len vnde scrift 
    1319 HalleSchB. I 102
  • dat hie T. het vorkoft eyne pannen ... vnde het ome ghelouet, hie wille ome schicken leͤn vnde scrift vnde wolde on weren, als et eyn recht is
    1360/80 HalleSchB. I 217
  • enes ysliken bedderuen mannes name, syn toname vnde syn rechte merke, dat he vordegedingen wil, scal bi dessen scriften stan, de an vnsem ammete syn
    1362 MecklUB. XV 198
  • umme dat nedderste bok, ene schrift inthoschrivende 1 ß unde uththoschrivende ok 1 ß
    1406 LübChr. II 402
  • es soll auch hinfuͤrder keiner unser buͤrger ... pfannen in lehen und schrifft nehmen von ußwendiger leute wegen
    1482 Hondorff,HalleSalzw. Anh. 20
  • wy borgermester unnde rattman der stadt S. bekennen apenbar in crafft jegenwardiger schrifft, dat ... M.v.H., barberer, ... im sittende stolls des rades vorgaddert allenthalven vorgedragen
    1522 SchwerinStB. 195
  • daß etzliche ... lehnleute, [die thalguͤter] ... in der lehntaffel uff ihre schrifft stehen haben, ... dieselbigen unterm falschen schein ... vor unserm verordenten zur lehntaffel oͤffentlich aufflassen und auff die schrifft geben, hierunter aber das dominium behalten
    1613 Hondorff,HalleSalzw. Anh. 40
  • diejenigen, welche ... pfannwergen wollen, sollen 3000. guͤlden ... werth ... erkaufftes thalguth an pfannen oder kothen auff seinen nahmen und schrifft oder zum wenigsten an so viel pfannen die mittbelehnschafft haben und in die lehntaffel geschrieben seyn
    1687 HalleRegO. 50
  • pfann-wercks recht. dieses recht saltz zu sieden, kan zu Hall in Sachsen niemand erlangen, er seye denn ein unbescholdener buͤrger, habe in der ring-mauer der stadt sein eigen hauß, darinnen er feuer und herd halten muß, seye verehliget, oder doch in ehelichen stande gewesen, mit eigenen auf seiner schrifft und nahmen stehenden pfannen besessen, oder stehe mit andern in der mit-belehnschafft, zahle bey ubergebung des besatz-zettuls 50. reichs-thaler in die pfanner-lade, und treibe sonst nebst diesem pfannen-wercke kein handwerck oder andere geringe nahrung
    1717 Hübner,ZtgLex.8 1305
I 4 gerichtliches Schreiben, Schriftstück, zB. Urteil, Gerichtsprotokoll, Bußenregister, Ladung
  • so lerit daz wiser livte rat, daz man die rihtunge, mit worten, vnde mit gezivgen, vnde mit schrift an hantveste legin sol
    1277 Sankt Gallen/CorpAltdtOrUrk. I 317
  • thiu forme lemethe ther scrift is mith fiftene merkum binna godfretha ti betane, mith achta ethem on ti ledane [die schwerste Lähmung, (die ins) Bußregister (einzutragen ist), soll während des Gottesfriedens mit fünfzehn Mark gebüßt (und) mit acht Eiden bewiesen werden] 
    um 1300 HunsingoR. 48
  • sa skelen alle deda, ther ma theron mei tella end reda, en riuchta scrifta stonda [alle Verwundungen, die man dabei zählen und beweisen kann, [sollen] ins Gerichtsregister eingetragen werden] 
    um 1300 HunsingoR. 96
  • [eid:] das ich in gerichtes schickunge myner schrift und min schryben umbe alle sachen aller lute getruwelich und erlich besorgen wil
    1357/87 MeißenRB.(Oppitz) III 1 Dist. 3
  • jef thet age al blind js and ansittande js, so scel alle, ther ma theron tella mey and rede, and riuchte scripte standa [wenn das Auge völlig blind ist und noch im Kopfe sitzt, so soll alles, was man dabei berechnen und beweisen kann, ins Gerichtsregister eingetragen werden] 
    2. Hälfte 14. Jh. (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 528
  • die selben vrteil, die die scheppen also aws dem gerichte yn die morgensprach schieben, die sollen sie offenleich ... lassen beschreiben, vnde nach derselben schrift in der morgensprach ein recht teilen
    2. Hälfte 14. Jh. IglauOberhof 358
  • söllent denne der obman vnd die schidlüt ... ir vrteilen ... fürderlich vß sprechen vnd in schrift versigelt geben
    1406 EidgAbsch. I 119
  • hot eyn gemelter erbar radtt vorgenommen, jre derwegen gesprochene sententien [jn den sachen, welche zcu erkentnis des gemeynen wasserrechts gehoren,] yn schriften lossen begreifen
    1425/36 Danzig(Hirsch) 79 Anm. 20
  • soll der richter die entlichen vrtheyl, so also inn schrifften verfasset ist, durch den geschwornen gericht schreiber inn beisein beder partheien offentlich verlesen lassen
    1532 CCC.(Schöffer) Art. 94
  • alle gerichtliche schriften und erkante processe, so von unters-hof-gerichts wegen ausgehen, als da sind ladung, mandat und appellation, ... gerichts-acten und dergleichen soll in der verodneten hof-richters nahmen ... gefertiget werden
    1747 CCBrandenbCulmb. II 1 S. 371
  • die klagen ... der gerichtsdiener auf den lohn fuͤr schriften, welche sie behändigen, und für aufträge, die sie vollziehen, ... werden in jahresfrist versessen
    BadLR. 1809 Satz 2272
I 5
von einer Streitpartei im Rahmen eines (Straf- oder Zivil-) Prozesses verfasstes Schreiben; insb. schriftliche Stellungnahme im Artikelprozess; in doppelter Schrift zweifach ausgefertigt, in zwei Exemplaren; ohne Schriften mündlich
  • darumme sede her E.C. na berade van aller schedesheren weghen deme heren koninghe unde den sweden, dat se geven scrifte over unde jeghenscrifte
    1436 NGL.2 I 1/2 S. 156
  • soll der verantwurtter ... seiner verstendigen antwurt ... in derselben ersten schrifft, vnd darauf der clager sein widerrede ... einbringen
    NürnbRef.(1479/84) V 3
  • nach dem articulierent beijd teil, und machen replicationes, widerred, exceptiones, außzug ... das sint schrifften oder reed da mit einer dem andern, sein allegation ... einred, oder anders brechen wil
    1490 Ordn.u.Underw. 13
  • [Klagen sollen geführt werden] nicht myt vorborgen unde twyferdigen, denn myt slichten apembaren schriften, daruth eynn idermann unse meninge unde andacht wol wert vernemen
    1492 OstfriesUB. II 359
  • vf einer iglichen parthey schrifft soll die ander czu jrem bedacht sein gegenschrifft ein czubringen achttag zugk vnd czil haben vnd nit lenger
    1495 BambHofGO. 11
  • twier part schriffte, alse se tho eyner averlutterunge unser vorigen rechtsproke gesath unde avergegheven hebben
    Ende 15. Jh. MagdebSchSpr.(Friese) 40
  • [wenn] der ancleger die geclagten vermeynten missetat beweysen woͤlte, so sol er seinen artickel ... ordenlich auffzeychen lassen vnd vnserm panrichter in schrifften vberantwortten
    BambHGO.(1507) Art. 81
  • ist N.B. umb sulcher sachen willen, als das J. in seiner schrift seczt und aufpringt, mit keinerlei geschreie, noch in handhaftiger tat nicht begriffen
    vor 1524 LeipzigSchSpr. 253
  • wo aber der partheien aine ... in iren lezten schriften oder muntlichen rechtsätzen ainiche neuerung einfuerten, dieselb newerung hat die widerparthei wol macht articl- und punctweiss ôn zuesätz muntlich anzuzaigen und zu verantworten
    1528 ZeigerLRb. 83f.
  • als nun der verantworter geantwortet undt die sach sunder erfernis nit zu urthaillen ist, ordnen die gericht den parthien ir thedung in schriften zu stellen
    1532 LuxembW. 23
  • der gegentail [soll] sein defension vnd aber der annder taill sein replicn in obbestimbter zeyt in doppelter schrifft einbringen
    1535 OÖLRO. B ijv
  • die clage ist eine kurtze schrifft oder auffzeichung, die in sich die bitte, die vrsach vnd die gerechtigkeit des clegers beschleust
    1541 König,Proz. 111v
  • woͤllen wir hiemit vnsern vnderthanen ..., so an vnsern vndern gerichten zehandlen haben werden, zůlassen: das sy von bey vnnd endurtailen ... mundtlich on schrifften appelliern moͤgen
    1552 AugsbHochstiftUGO. 15r
  • wa aber schrifftlich procediert, da soll von einer jeden gmeinen schrifft neün schilling heller erkennt vnd taxiert werden.
    WürtLR. 1555 S. 84
  • soll jeder tail ... mit ainer schrüft und ainem beschlussverfahren allweg ain schrüft umb die ander in dem ordentlichen termin des driten rechtstag gegen einander einlegen
    1570 WienSachwO. 123
  • das ein jeglicher doctor oder advocat, der ... den parteyen vmb geldt oder gaben rahten, schreiben, helffen oder beystehen wil, seine schrifft ... mit eigener hand vnterschreiben solle
    CoburgHofGO. 1598 I 9 § 1
  • wann dan khläger und beclagter gegeneinander im rechten erscheinen ..., so sollen sie ... mit drey schrifften bis zu einem interlocutori bey- oder endturtl gegeneinander zu verfahren zuegelassen werden
    1616/29 OÖLTfl.(Strätz) II 6 § 8
  • wann in des gegentheils letzten schriften etwas neues in facto vorgebracht worden, [haben die advocaten und procuratores] daßelbe ... mit moͤglichster kuͤrze ... vorzubringen
    1634 Lahner,Samml. 292
  • da jedoch der iudex vermeinen würde, daß die parteien ... noch mit einer schrift zu vernehmen, solle ihnen solches zu tun erlaubet, weitere schriftwechselung verboten ... werden
    1654 JRA.(Laufs) § 124
  • daß er [klaͤger] ein ordentlich-peinliche klag ... in doppelter schrift, aine zu handen deß richters, die andere zuhanden deß beklagten ... einreiche
    NÖLGO. 1656(CAustr.) 9 § 1
  • den procuratoren, deren beruf sich bloß auf das einreichen der schriften, auf reproductionen, bittschriften um ausdehnung der fristen, ... beschraͤnkt, ist ... verbothen, eine von keinem advocaten unterschriebene schrift in der hauptsache ... einzureichen
    1803 Bewer,Rechtsfälle VI 164
I 6 (einfache, nicht als Urkunde ausgefertigte) Vertragsniederschrift, schriftliche Vereinbarung
  • von den schlechten schrifften, was die beweisen, zusagen ... die schriffte, die ein schuͤldiger seinem gleuber gibt, zum andern die schriffte, welche die hendeler vnd handwerge machen
    1541 König,Proz. 215r
  • daß auch diejenige schrift oder khaufsnotl, welche des kaufer und verkhaufers willen, khaufguet werth und schermbung austruckhlich in sich begreift, ... für einen landßbräuchigen khauf- und schermbrief gehalten werde
    1654 NÖLO. II 10 § 17
  • in bekanndtlichen schuldsachen, auch auf helle schriften und briefe wird die zahlung auf 14 tage angesetzet
    1661 WursterLR. 72
  • daß die schrifft als ein wesentliches stuck des kauffs [gilt] und derselbe, so lang die schrifft nicht zum stand gebracht, vor unguͤltig und unvollkommen gehalten werden solle
    1730 Leu,EidgR. III 374
  • reversbrief ... ist eine schrift, wodurch einer sich zu einer gegenleistung oder schuldigkeit bekennet
    1755 Ludovici,KfmLex.1 IV 1067
  • mündliche verlängerungen eines nach den gesetzen in schriften abgefaßten vertrages gelten nur so weit, als die gesetze die zuläßigkeit einer stillschweigenden verlängerung ... ausdrücklich bestimmen
    1794 PreußALR. I 5 § 154
I 7 privates Schreiben, Brief oder Druckschrift, auch Flugschrift, ua. mit verleumderischem Inhalt
bdv.: Libell (I 2)
  • verleuͤmuͤttung, vnere ... zefuͤrkomen, so sol ... nyemant vber den andern eynich brief noch schrifft offenlich anschlahen an das rathaws, die kirchtuͤren ... noch anderswo
    NürnbRef.(1479/84) III 6
  • in sachen jn iürj vnd schmach betreffenndt, die mit wortten oder schrifften beschehen, ... mag der richter ... zůelassen, das derselb clager ... soͤllich schmach mit dem ayd bestätt
    1520 BairGO. 54v
  • schmeeschrifte up erlike lüde holden de olden vor eine peinlike halssake. entginge he sonst der lifliken straffe, moste he doch den hals lösen in dem richte, dar he de schrift gemaket
    vor 1531 RügenLR. Kap. 94 § 7
  • wann jemandts den anderen durch schrifften ... an synen ehren und gůten lümbden verletzt, so soll der schaͤlter an dem ort, da die schrifft geöffnet ... worden, dem gescholtnen am rechten zů antworten verbunden syn
    1615 BernStR. VII 2 S. 807
  • [wir] wollen ... allen unseren kirchendieneren und professoren ... by poen der entsatzung eingeschärpft haben, diesere quaestion [de moralitate sabbathi] ... weder in worten noch in schriften ... zů ruͤhren
    1680 BernStR. VI 1 S. 521
  • wer sich des verbrechens der beleidigten majestät durch ehrenrührige schmähungen ... mit worten, schriften, oder andern sinnlichen darstellungen, schuldig macht; der hat zwey- bis vierjährige zuchthaus- oder festungsstrafe verwirkt
    1794 PreußALR. II 20 § 199
  • drucker und verleger schriftlicher injurien ... sollen, nach den reichsgesetzen ausser der confiscation dieser schrift, ihre privilegien verlieren und ... zu einer geldstrafe verurtheilt werden ... 4) von schandgemaͤhlden gilt dasselbe
    1798 Grolman,KrimRWiss. 220
  • klagen uͤber injurien, die lediglich in beschimpfungen durch worte, schriften oder geberden bestehen, koͤnnen nach verlauf eines jahres nicht mehr erhoben werden
    1811 ÖstABGB. § 1490
I 8
Verzeichnis, (Inventur-)Liste
  • das dy pfuntheren sullen keynen schipheren lossen zegelen, der schiphere overgebe denne vor in schrifften, was gutis ... her czu der zee meynet czu furen
    1403 HanseRez. V 80
  • vortmer so hebbet se ... unze solvluchtege gud ... vorentholden, de wy en yn ener scrift ghenomet hebbet, de ze uns by eren breven wedder zecht hebben te ghevende, des noch nicht ghescheen is
    1404 BremUB. IV 404
  • wan de munter gheten wil, so schal he ... de ghewichte ... den munteheren geuen in schrift 
    1432 LübUB. VII 482
  • nachdem des verstorbnen verlassenschaft beschriben worden, sollen zwen des klainern oder groͤssern raths zur siglung derselben schrift oder inuentariums gepeten ... werden
    NürnbRef. 1564 XXXVIII 3
I 9 (eingemeißelte) Inschrift, (eingravierte) Umschrift
  • wenn es [sigel] vnbekant, oder das wapen oder die schrifft darumb vnkentlich vnd vnleslichen ist, so wird das nicht zugelassen
    1541 König,Proz. 201r
  • bewerung geschicht durch alte buͤcher vnd durch alte schrifft, so in den steynen vnd seulen gehawen sein
    TeutschForm. 1571 52r
I 10 kurze Notiz, Vermerk
  • wie man die siechen in die spitâl entphâhe ... ob er iht gûtes hat, daz sal der brûder, der des spitâles pfliget, mit schrifte behalten
    1264 DOrdStat. 32
  • ist, daz deme meistere almûsen gegeben wirt oder gut zu haldene, daz sal er deme trisêrere heizen geben, daz er entphâhen sule mit schrifte unde behalten
    1264 DOrdStat. 102
  • weme der kouff gevellit, der schrybe mit kryde eyne schrifft adir eynen strich vnd volfare
    1427 DresdUB. 147
  • notarien sollen ..., wenn sie in ... instrumenten radieren ... oder zwischen den linien ... etwas setzen, ... dauon meldung vnd beuestigung thůn, vnnd sonderlich, wenn solch interliniatur oder schrifft in spacio nit von der hand, die solch instrument ingrossiert, geschehen
    1576 Lettscher 10r
I 11 Anschreibung von Schulden (für die spätere Bezahlung)
  • ock enwil de rad nicht, dat me kerve maken late von des rades wegen oder schrifte in taverne von bere edder von wine, sunder was me so halen lete, dar schal me dat rede gelt vor geven
    1448 HildeshUB. IV 566
I 12 (größeres) eigenständiges, meist gedrucktes Werk, Buch; ua. im Hinblick auf Urheberrechte
  • alle schriften und büecher, so mehrberüert catholischen religion nit gemeß und an sectischen ortten und von glaubens sachen getruckht und außgegangen weren, ... [werden] verbotten
    1606 Wüst,Policey I 277
  • dem verfasser oder verleger [stehet] auch frey, die herauszugebende schrift bey der universität hiesiger lande censiren zu lassen
    1779 CSax. I 1071
  • [die] strafe trifft den schuldigen drucker oder verleger, wenn die schrift zwar die censur passirt ist, die ausgestrichenen stellen aber wieder aufgenommen, oder neue injurien eingerückt worden
    1794 PreußALR. II 20 § 623
  • das verlagsrecht besteht in der befugniß, eine schrift durch den druck zu vervielfältigen, und sie auf den messen ... und sonst ... abzusetzen
    1794 PreußALR. I 11 § 996
  • das schrifteigenthum gedruckter schriften erlöscht mit dem tod des eigenthümers, der sie in verlag gab; jeder besizer der schrift kann alsdann einen nachdruck veranstalten
    BadLR. 1809 Satz 577 dh
  • durch den vertrag uͤber den verlag einer schrift wird jemanden von dem verfasser das recht ertheilet, dieselbe durch den druck zu vervielfaͤltigen und abzusetzen
    1811 ÖstABGB. § 1164
I 13 Bibel, Bibeltext; oft: Heilige/Göttliche Schrift 
  • von gezeugnuͤzz der schrift pezzer sei ein guͤter nam denn teurleich salben
    1243 SPöltenUB. I 55
  • daz man dekeinen phaffen zu deme ordene enphâhe ..., der nicht ein êlich kint ist, ... ez enwêre dan ein hôchmeister von der schrift oder von rechte
    1292 DOrdStat. 143
  • daz er [lai] der schrift ... nicht chan, so mag er niht tůn, daz der priesterschaft zů gehort
    1390 BerthRechtssumme 1536
  • gelobt ein mensch etzwas ze halten, daz got in der heiligen schrift gepoten hat, daz selb geluͤbnuͤzz mag chain pabst noch chain pischolf noch chain mensch ... ab nemen
    1390 (Hs.) BerthRechtssumme 1224
  • soll niemandt das heilig euangelium vnd gottes wort, wie es nach goͤttlicher schrifft gepredigt würdt, schmehen oder lestern, bei einer schweren straff
    1552 WürtNLO. 2r
  • in der heiligen goetlichen schrifft, gemeynen kayserlichen rechten, vnd vil ergangenen reychs abschiden [ist] das vnchristlich gotslestern ... hoch verboten
    1554 AmbergGesatzB. 1r
  • in glaubens sachen ... sol die ... richts schnur seyn gottes wort, in heiliger goͤttlicher schrifft der kirchen geoffenbaret
    1570 MecklKirchGO. D IIIr
  • an wercktagen ... sol allewege ... ein capitel aus heiliger goͤttlichen canonischer schrifft ... von der cantzel ab dem volck fuͤrgelesen werden
    1657 HessSamml. II 474
  • daß von rechtswegen die heil. schrifft nicht nur als eine neben- sondern so gar als eine haupt-quelle, wie das staats-recht ... Teutschlandes, angesehen zu werden verdiene
    1738 Moser,StaatsR. II 187
  • eine mittelbare gotteslaͤsterung begehen diejenigen, welche mit der heiligen schrift ... ihr gespoͤtte treiben
    1801 RepRecht VIII 142
II Schriftbild, Abfolge grafischer Zeichen einer Sprache; auch: individuelle Handschrift, Schreibart eines Schreibers; insb. im Hinblick auf Fälschungen
  • do vunden se [boͤden to T.] in der scraa, dat dar etlike blade weren udghesneden, unde over etelke scrift was ghescreven
    1370 HanseRez. II 44
  • monigher honda wys mei ma spreka tojenest det instrument jef det breef ... tojenes da hond, det is diu scrift, toienest den bulla jef det sighel [auf mancherlei Weise kann man Einspruch gegen eine Urkunde oder ein Schriftstück erheben ... gegen die Hand, das heißt die Schrift, gegen das Petschaft oder das Siegel] 
    1457 (Hs.) EmsigerR. 256
  • hat diser vßzug nit stat, wann vff eigen handtschrifft einer erkentnuss vber etlich zit nachuolgt ein ander schrifft, die solich vorder erkentnuss der eigen handtschrifft bekrefftigt
    1498 WormsRef. III 2, 16, 5
  • wo die brieff radiert ... vnd an schrifft vnd dem bůchstabe ... mit eyner andern hand geaͤndert erfunden würde, dem soll keyn glaub zůgestelt ... werden
    1537 TrierUGO. 31v
  • alle vorgemeldte brieffe, ausserhalb der citation, denunctiation, compaß vnd remiß sollen auff gut pergamen mit einer schoͤnen laͤßlichen schrifft ingrossirt vnd geschrieben werden
    FrankfRef. 1578 I 41 § 12
  • wuͤrde aber die schrifft allein bewiesen durch zeugen, so die schrifft richtig kennen, oder aber durch vorgleichung der buchstaben, so wirds allein vor einen halben beweiß geachtet
    1591 BreslNGO. 56
  • bey vergleichung der buchstaben [sollen] die dazu genommene schreibmeister zwar die züge der ihnen vorgelegten buchstaben der ähnlichkeit nach ... vergleichen, hingegen auf die dreistigkeit des zuges und der ganzen schrift nicht achten
    um 1772 Pufendorf,HannovLREntw. Tit. 68 § 13
  • bey vergebung der kanzelistenstelle [sey] jenen der vorzug einzuraͤumen ..., die nebst einer tichtigen schrift mit ... besseren juridischen studien versehen sind
    1793 Kropatschek,KKGes. III 422
III
das Schreiben (als Handlung); auch: Schreibfertigkeit
  • falscherey geschicht in manch weg, als mit schrifft, es schreybt einer falsch oder dilget dz ware ab ... [oder] mit red, als wo ein zeüg wissentlich falsch sagt oder vnstete zeügnüß gibt
    1436 (ed. 1516) Klagsp.(Brant) 140v
  • de jenne de scrivelschole holden enschullen nemande holden, de latinsche bouke edder scrifte leren ... düt heeft de rad den scrivelmestern togesecht laten
    1478 Nyström,Schul. 150
  • [man will nur solche Personen] an die wal setzen, die der schrift bericht sigen
    1516 InvBadWürt. II 106
  • daß die jenigen, so ... weder schreiben noch lesen künnen, seien entschuldiget [vormuͤndtschafft] zunemen, wiewol der schrifft oder schreibkunst vnerfarne doch auch wol zu verwaltung der geschaͤfft tuͤglich ... sein künnen
    Gobler,Inst. 1552 Bl. 28r
IV Drucktype, (Satz von) Drucklettern
  • bey denen schrifft-giessern werden die formen, in welche die schrifften gegossen werden, matricen genennet
    1710 Nehring,Lex. 273
  • schrifftgiesser betruͤgen ... wenn sie zu dem zeug mehr bley als harte materie nehmen, und dadurch denselben zu weich machen, damit die schrifft desto ehender stumpf wird
    1761 Hönn,Betrugslex. 406
V auf Schrift sitzen schriftsässig sein
  • der dinst, so die erbar manschaft, welche auf des ampts schrift sitzen, thun, ist auf hufenzal angeschlagen ... und sein uf die hufenland, so der zeit die ampte sesshaftigen under sich gehapt ... siben pferde ... verordent
    1516 ErbbLangensalza 131
  • welche städte auff schrifft sitzen, daß sie von unsern amten, und männiglich darbey gelassen, und durch keinerley weise in die amt gezogen werden
    1550 CSax. I 32
  • vnsere graffen, freyherrn, ritter vnd edelleut, die den emptern nicht vnderworffen, sondern auff sonderliche schrifft vnserer cantzleyen sitzen, ... moͤgen vor diß vnser hofgericht geladen vnd daselbst gerechtfertiget werden
    CoburgHofGO. 1598 II 3 § 4
  • man druckt dieses vorrecht [nur dem landesherrn und seiner kanzellei unmittelbar unterworfen zu sein, also von keiner andern behoͤrde befehle annehmen zu duͤrfen] durch die r. a. auf schrift sitzen aus, weil dergleichen bevorrechtigten der wille des landesherrn nicht ander als schriftlich ... kungethan werden darf
    1813 Campe Erg.-Bd. 549
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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