Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): schützen

schützen

, v., auch in nd. Form schütten, v.


I in 1Schutz (II) nehmen, bewahren, behüten; befördern, unterstützen; etwa in Bezug auf Geistliche, Juden, Städte
  • wele die sin so dem gotzhus gehuldet und gesworn hant und ... in ander herschaften ane erloubung zichen ... dieselben sin verfallen dem gotzhus umb lib und umb guot ..., us der ursach, das die herren ... gefryget sin mit gar mengerley fryheiten, die dise lüte weder frygen, schirmen noch schützen söllen vor irer eygenschaft
    1271 FRBern. II 770
  • also das wir und unser nachkomen das alles getruwlichen schutzen, schirmen und handhaben [wollen]
    1290 WirtUB. IX 338
  • dat we [bisscop] den ... rad unde de borghere van H. unde de oͤre scuͤtten unde verdeghedinghen scullen unde willen ... vor aller malkeme
    1356 HildeshUB. II 72
  • were ouch, das in [unsern munczmeistern] ymand gewalt oder unrecht tun wolde, des sullen wir sie schuczen unde bie rechte behalten unde sie ouch zců rechte vormogin
    1360 FreibergUB. II 14
  • daz der burggreve, die burgmanne und die burger zu F. die egenante sache [Erhebung von wegegelt] nyt hindern dan schuczen und schuren sullen
    1364 FriedbergUB. I 237
  • [burgermeister, rat und burger moͤgen] in derselben stat von vnsern vnd des reichs wegen juden halten, empfahen, schuͤtzen vnd schirmen
    1371 DinkelsbühlPriv. 462
  • ir [súllent] deheinen lantmorder, lantrouber, gemeine und offenlich diebe, nahtbrenner oder echter nút schútzen, halten oder husen
    1373 SchlettstStR. 77
  • wir sullen vnd wollen sie auch vestiglich schuczen vnd vorteidingen zcu irem rechten glich andern vnsern mannen
    1378 HMeißenUB. II 170
  • de pande sin over langher tit upgheboden vor gherichte unde dar sy by ghevaren also recht sy. doch so hebbe we dat umme juwe leve gheschuttet wente an desse tit, dat de pande unvorkoft sin
    1403 HildeshUB. III 41
  • wollen wir in das obgenant perckwercke und die darûff wonen sîn, versprechen, schuczen und schirmen und schûren
    1405 LSchrP. 192
  • wir [sullen] dyselben zunfte vnd gesellschafte [kesseler] schuczen, beschirmen, sie gen meinclichen vortedigen vnd bey recht behalten
    1409 Fikenscher,Keßler 61
  • [wir habin] ym die voitie daselbis zcu D. beuolen ... vnde begern, ab yn daran ymand hindern wolde, daz ir yn darczu schuczczet 
    1419 DresdUB. 139
  • die fursten des erdtreichs [sein] dazw gesetzt ... das sy dy armen pawlewt ... von gedrang vnd vnrecht schutzen sollen
    1434 MBoica XIV 286
  • were, das die fursten und hern, von den sich solche leute ... geczogin hetten, den selbin leuten ir gut, das sie hinder ehn gelaßin hetten, bekommern ..., das denne unßer vorgnanter heuptman und stat mit dem rechten und gerechtickeyt solche leute und ir gut mogin an unßer stat schuczen und schirmen
    um 1490 RechterWeg II 823
  • szo wollen wir [graue] ine ... zcwgesagtt haben, sye, ire guther vnnd habe allezeit getrewlich zcw schutzen, zcw beschirmen vnde zw hanthaben vor aller vnrechtenn gewaltt, beschedigung vnnd beleydigung
    1526 IlsenburgUB. II 193
  • ab wir mit wortin vor uwir gnade bracht wordin, da wir von beschedigit möchtin werdin, so bitte wir uwir fürstliche gnade, das ir vns da schüczit vnde czu vnsir antwert lassit komen, vnd vns des eyne sichirheid schigkit, als wir von ön öbirfallen wordin
    1540 JenaStO. Beil. 64
  • die könige und fürsten sollen die kirchen als treue veter und nehrer schützen 
    1552 Mecklenburg/Sehling,EvKO. V 218
  • schutten: bewaeren custodire
    1599 Kilian3 477
  • wollen ihro hochfuͤrstl. durchl. alle und jede, so beruͤhrte manufacturen ... treiben ..., in dero special schutz nehmen und sie bey solchen privilegien schuͤtzen 
    1685 HessSamml. III 290
  • die ehre der stände, die man durch diese geseze vor kränkung und erniedrigung schüzen will, fodert auch, daß man sie vor der freyheit böswichter zu seyn, schüze 
    1780 Pestalozzi,Werke IX 76
II (mit militärischen, rechtlichen oder anderen Mitteln) verteidigen, sich wehren
  • es mag sich ouch yglich partye uff yren ort wol schucczin unde befreden, wan daz waßer also groß were
    1434 JenaUB. II 117
  • was dazwischen heuser sind ... das sol alles in das vierambt vor Schottentor gehörn und in zirken, wachten, raisen und schützen mit einander leiden
    1444 Tomaschek,Wien I 52
  • hweerso datter nen syd is een libel toe jaen, deer toer me 't naet jaen, ende mey ma schudda mey riucht
    1480/81 JurFris. I 54
  • das eyn christen sol also geschickt seyn, das er alles vbel vnd vnrecht leyde, nicht sich selb reche, auch nicht fur gericht sich schuͤtze, sondernn, dz er aller ding nichts beduͤrffe der welltlichen gewalt vnd rechts fur sich selbs
    1523 Luther(Clemen) II 374
  • [Übschr.:] von gerade zu fordern, dargegen sich der man mit der stat wilkore schutzt 
    vor 1524 LeipzigSchSpr. 301
  • den [schade] soͤllen und woͤllen wir burgen zu gelden und zu erlegen schuldig und pflichtig sein, sich des selbigen an unsern guttern an alle gericht zu erhalen, darwider wyr unss keynerley wege eyffern, schuͤtzen noch behelfen woͤllen
    1527 FalkenauStB. 59
III etw. abwehren, abwenden
  • id were saeke, dat de oldern de kinder schlaen, so moegen de kinder den schlach woll schuͤtten, und so se dan de oldern ferigen in schuttent, so moegen de oldern de kinder nicht unterven
    um 1518 OstfriesLR.(Wicht) 357
  • schutten den slagh: ictum auertere, repellere, excipere, recipere, clypeo, gladio, &c.
    1599 Kilian3 477
  • [vormunderen sollen] enen behorlicken eedt doen, dat se der weesen nutte unde proffitt soeken und vorwenden, und eren schaden schutten und afwenden wollen
    1639 LingenLR. 78
IV eine Einrede vorbringen, etw. (durch rechtliches Vorbringen) aufhalten, aufschieben; das Gericht schützen die gerichtl. Verhandlung aufschieben
  • hat soe ioe ti sanne falt ... yenst dine hertoghe ief ienst enige hand, deer jnnor ws fresche riucht welle, dat iemma dat schutte mit rede ende mit dede [welcher Rechtsstreit Euch auch vorgelegt wird, ... gegen den Herzog oder gegen irgendwelche Person, die in unser friesisches Recht eingreifen will, so sollt Ihr letzteres mit Rat und Tat verhindern] 
    1464 (Hs.) WesterlauwersR. I 628
  • hwaso een jeffte off een testament meckket fan ... gueden, deer een orem to heert, ende dij ora ... deer bij is, ende dat naet schut off jenseyt, dat testament schel staen ende machtich blywa
    1480/81 JurFris. II 52
  • die ersten in dem verzog oder gedult deß gedinges seind sachen, die der beschuldigte fuͤr sich zu stellen hat, darumb er vermeynet daß er noch zur zeit nicht schuldig seye zu antworten, darbey daß gericht geschuͤtzt solle werden, biß zu rechter zeit
    Ende 15. Jh.? SaarbrückenLR. 977
  • [V.] heft de vorlatinge sins zeligen vaders ingewontligen huses, so dem erbarn R. ... von den bostedigten vormundern hern T.V. nhagelaten wedewen und lasten kindere ... vorlaten, tho rechte schutten willen
    1548 RevalRatsurtb. 163
V
jn. festnehmen, verhaften; einsperren
  • were dat wy ... yenich man an vnsen lantden yeneghen mysdeder venghe, de scal antwarden den heren edder den ammetluden edder den steden, in wes lantden se scůttet vnd vpholden sint
    1361 MecklUB. XV 100
  • were ok det en man enen rouer ... anqueme, de he schuͮten mochte, lete he den ryden, de scolde lif vnde gůd vorbroken hebben
    1366 MecklUB. XVI 119
  • weret aver ... dat desser vangenen yennech truwelos worde edder loflos, edder gevangen edder geschuttet worde, dat he nicht inqweme up de vorbenomede tiid ... so schole wii unde willen dat gheld also hoghe ... dar he vor geborghet ys
    1416 HanseRez. VI 184
  • so jemandts daruber in selbigen mantel befunden oder geschützt würde, das achten und erkennen die geschworen so hoich alss hät der etwas gestohlen und unter seinen mantel verborgen
    1555 BeitrNRh. 9 (1895) 125
  • schutten: sepire, intersepire, intercludere, occludere, claudere, serare, obserare: vallare, obstruere
    1599 Kilian3 477
VI (auf fremdem Grund unberechtigt weidendes, Feld- oder Waldschaden verursachendes Vieh) beschlagnahmen, einsperren; auch allg.: als Pfand zurückhalten
  • ita vel muniri vel custodiri faciat, quod pecora nostra non capiantur, quod dicunt scutten 
    1240 StUtrechtOorkB. II 339
  • de perde, de H.S. tho horen, minime knechte, de du gheschuttet hefft, vmme dat he sik werde an liues nood, de do em tho borghe vmme minen willen
    1370 LübUB. III 791
  • der darüber oder lenger treibt [auff der stadts weide] den vorgemelt ist, deß schaffe soll man schütten vor 16 ₰, die soll man reide bezahlen, und würden viell schaffe vor einer heerde geschüttet, allemalg soll die seine besonder loesen
    2. Hälfte 14. Jh. (Hs. 17. Jh.) DortmStat. 169
  • wye heeft landt, ... die mach op sijn landt scutten alle jaer omme gelijck oft waer indt beste van den jaere, oft zijn gewaerde boode, op alsulcken boeten als hiernae bescreven staen
    1504 Steenbergen 82
  • wanehe die vereidten schutzen einich vehe ... binnen der ... marck betretten und schutzen, so sullen deselbigen schutzen ... schuldich sein, solche vehe in des kirspels schutzstall inzudriven
    1555 HeisterbachUB. 623
  • [wirtt zu rechte erkandt,] daß gedachten appellaten nicht gezimbt, sulche 96 schaffe alle, furgenohmener gestalt zu schutzen 
    1594 Lappe,Lünen 116
  • schutten de beesten, int schut oft schot doen: pecus subsistere, sistere, in septum agere, includere & pignoris loco retinere: capere & detinere pecus alienum
    1599 Kilian3 477
  • dasz nach uralter observanz zu mastzeiten das mastvieh im Nortrupper bruche ungehütet gehe, und wann solches auszerhalb dem bruche verstreichet, ... solches keineswegs geschüttet werden dürfe
    1753 Möser,Phant. III 219
  • daß das fremde vieh nur in den fällen zu schütten erlaubt seyn solle, wenn fremde solches erweislich geflißentlich hineingetrieben haben
    1766 OldenbBauerschaften 623
  • dar ein nachbar dem anderen schaden thete in seinem koren, so mag er die bieste schütten und nehmen seine nachbarn to beiden seiten und lassen den schaden besichtigen und scheiden sich von dem schaden
    oJ. Westfalen/GrW. III 46
VII (ver-)sperren, dämmen, (Wasser, Blut) zum Stocken bringen, (Wasser) stauen, insb. bei Mühlen und im Bergbau
  • datter alle wettergonghen schelleth wessa schet etta bannena dike efter sinte benedietusmissa, ... dat ma deer moeghe vnder era ende vnder scara [dass alle Wassereinbrüche in den Banndeich nach Sankt-Benediktus-Tag abgedichtet ... sein sollen, damit man unterdessen pflügen und (das Vieh) weiden kann] 
    12. Jh. (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 218
  • weltu blod sketta, sa weth enne rer inna blode and scrif dit ord vmbe tha vnde: consummatum est [willst du Blut stillen, so tauche einen Rohrstengel ins Blut und schreibe um die Wunde dieses Wort: consummatum est] 
    14. Jh. EmsigerR. 82
  • de ghenne, de de groten sluse vorwaret, scal macht hebben, des vryen waters tho scuttende vnde lopen tho latende, dar na des not is
    1400 LübUB. IV 799
  • tweede needschijn: dat hem sijn finden den wey schet habbet [zweiter Verhinderungsgrund: Dass einem seine Feinde den Weg versperrt haben] 
    1464? WesterlauwersR. I 36
  • van wateren toe schutten: ... wel daer wateren schuttet, die dan schade doet enen anderen, die mach spreken up synen schade toe verbeteren, dat he bewysen kan
    1470 Richth. 264
  • schutten, das wasser stauen oder aufhalten
    1784 Jacobsson,TechnWB. IV 70
  • schuͤtzen: h. durch abdammung des aufschlagewassers bewirken, daß das kehrrad einer foͤrderungsmaschine stille stehe
    1805 Richter,BergLex. II 345
VIII Grundstücke (durch eine Wand uä.) voneinander abtrennen, abgrenzen
  • waer luyden zyn dye huysinghe te samen hebben ende dye eenen van den anderen schutten will, die sullen schutten by recht en raed
    BolswardStB. 1455 Kap. 68
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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