Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): schwingen

schwingen

, v.


I jn. geißeln, züchtigen
vgl. Schwinger
  • gif man biscopes esne tihte oþþe cyninges, cænne hine an gerefan hand, oþþe hine gerefa clensie, oþþe selle to swinganne [wenn jemand einen Bischofs- oder Königsknecht verklagt, so reinige sich dieser in des Vogtes Hand, oder der Vogt reinige ihn oder liefere ihn (dem Kläger) zum Geißeln aus] 
    695 (Hs. um 1125) Liebermann,AgsG. Wi 22
  • so junge knaben ... in den swüren und flüchen, die den alten verbotten sind, schuldig wurdint, so söllent sy durch die eltern geswungen werden
    1531 Konstanz/Sehling,EvKO. XVII 1 S. 407
  • [die banwarten ... schwerent] die bättlerbůben und meytli in das loch zeleggen, da sy der bättelvogt mit růtten schwingen soll
    1545? BernStR. VII 1 S. 441
II
afries.: (jn. mit einer Flüssigkeit) begießen; gilt als niederträchtige Tat
  • hweer so ma wapeldranc deth iefta swerta swenghan iefta ma en man bint ... dera eelkerlikes boete is fyftene enza [wenn jemand (einen anderen) ins Wasser taucht oder böswillig mit einer Flüssigkeit übergießt oder einen Mann bindet ... so ist die Buße für jede dieser (Taten) fünfzehn Unzen] 
    um 1100 (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 160
  • sa hwasa otherum ene wepeldepene jefta anne swartene sweng deth jefta thene mon vnschildegis bint, sa is thera jhawelikis bote xv enza, iefta fiorasum to vntswerane and anne fiaeth [wenn jemand einen anderen ins Wasser taucht oder böswillig mit einer Flüssigkeit übergießt oder einen Mann ohne dessen Verschulden bindet, so ist die Buße für jede dieser (Taten) fünfzehn Unzen, oder er soll sich selbviert davon freischwören und einen Fahrniseid (leisten)] 
    1. Hälfte 15. Jh. FivelgoR. 48
  • thi hagheste suarta sueng, hwane sa ma mith hete sothe iefta mith eta pipermose swang, sogin skillingar [die schwerste Begießung, das heißt wenn man einen mit heißer Suppe oder mit heißer Pfefferbrühe beschüttet, (werde mit) 7 Schillingen (gebüßt)] 
    Mitte 15. Jh. EmsigerR. 124
III (Flachs I oder Hanf) ausschwingen; zur Trennung von den Schäben
  • swer bi liecht swinget, der git ze buosse i ß
    14. Jh. MittSGallen 1 (1862) 118
  • en sal nyemant hekelen, zwyngen vlas noch bueken by nachte noch by kaersen
    1445 Brielle(Jager) 84
  • ouch nymant sall swingen noch braken noch bocken noch derschen by kersen ... ock nymant sall des auendes swyngen, bocken noch braken vp der straten
    um 1489 ZWestf. 7 (1844) 203
  • das niemands kain werch noch hanf in der statt tächsen noch swingen soll
    15. Jh.? KonstanzWirtschR. 137
  • es soll niemant im mark haar aufstossen noch ... vor tags prechln lassen noch schwingen; und wellicher das nit thuet, der ist verfalen dem richter das wandl und sol gestrafft werden
    1570 NÖsterr./ÖW. IX 724
  • [Tax:] flachs zu schwingen bey voller zahl ... 2 gr.
    1654 SchaumbLippeLVerordn. II 33
IV (Getreide) mit der Kornschwinge von der Spreu trennen
  • man sol ainem hantknecht von ainem sheffel roggen den man swinget ainen helbling geben
    14. Jh. AugsbStR. Art. 88 Nachtr.
  • die müller vnd ir knaͤcht soͤllend ... kein nachkorn vs der wannen in die fůtter standen mer schwingen 
    um 1510 AarauStR. 160
V wie schütteln (II) 
  • es sol auch keiner eycheln in dem walde swingen 
    1434 Kraichgau/GrW. IV 520
  • ouch mag ein swein alle tag lesen ein fierling eicheln in sinen sag, und nit me, den swinen nach, und sol ouch nit schútten noch swingen 
    15. Jh. Schwarzwald/GrW. IV 510
  • so ein baum ... in einem gebauten gut stünde, der seinem nebenbegüteten überfällig were, so soll derselbige, dem der baum ist, ihn schwingen und seinem nebengeforchten ansagen, den überfall aufzulesen, der allein sein ist, und darf ihn nicht mit dem, so der baum ist, teilen
    1538 SchriesheimW. 13
  • soll auch niemant nit in die obs baum uff der heyden nhuhienfurt schwingen. who solichs uberfarnn, soll geruhet unnd gestrafft werden
    1550 RheingauLändlRQ. 143
  • wann eyner brieff und sygel habe, daß er sin eychlen schwingen dorffe
    1578 ZürichOffn. II 122
  • daß jenige so eicheln schwingen oder lesen, ... auff jeden uebertrettungsfall mit vier reichsthaler herrschafftl. straff ... angesehen werden solle
    1788 Moser,ForstArch. II 255
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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