Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): 1Sieche

1Sieche

, m.

Kranker, Aussätziger, Insasse eines Siechenhauses; im Pl.: Gesamtheit der Insassen eines Siechenhauses bzw. das Siechenhaus selbst; Siecher an dem Feld wie Sondersieche 
  • is hit oen wetterlande, en scip ti habbane, deer hi [prester] mey om jn zijn ghae moeghe fara, toe fandiane dae sieka ende dae wondeda [ist es im Wasserland, so soll er [Priester] ein Schiff haben, mit dem er in seinem Kirchspiel herumfahren kann, um die Kranken und Verwundeten zu besuchen] 
    12. Jh.? (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 96
  • wie man die siechen in die spitâl entphâhe ... ob er iht gûtes hat, daz sal der brûder, der des spitâles pfliget, mit schrifte behalten ... und swaz der sîche von sînem gûte geordenet unde besezzet, daz sol man, alsô verre man mac, behalten
    1264 DOrdStat. 32
  • die commendûre sulen ouch des sorcveldich sîn, daz den siechen an ir kost unde ir nôtdurfte, swes sie sie bereiten sulen, iht gebreche
    1264 DOrdStat. 33
  • so sun si ... jærlich von dem selbin gůt gen den siechin an dem veldi ... ein pfunt pfeninge
    1273 Freiburg i.Br./CorpAltdtOrUrk. I 211
  • daz ich han den hof ze H. daz driteil geben den siechen an dem velde
    1276 CorpAltdtOrUrk. I 285
  • men schal ok en ghen gut von der were bringen also lange, wente dy sike genese odder ane der erven willekor
    um 1300 BurgLR.(Zimmer) 326
  • alle de sek latet an den spetal to unser vrowen, seken eder sunden, eder dar provende hebbet, ere gut scal tomale des spetales sin na ereme dode
    1318 BrschwUB. II 468
  • in die huben gehörent ... ein iauch akchers ... leit hinter den siechen hin auf und anewant auf einen hofakcher
    1. Viertel 14. Jh. SonnenburgUrb. 104
  • swenn di siehhen gesunt werdent und man si siben tag darnah behalt also, daz si ir leipnar auserhalbn dez spitals gesuehhen muegen, so mag in der maister wol urlaup gebm
    1328 MünchenStR.(Dirr) 114
  • daz euer [Spitalsinsassen] iegleihs, es sei frawͤ oder man ... di siehhen besorge bei tag und naht mit ezzen, trenchen, heven, petten
    1328 MünchenStR.(Dirr) 114
  • [Spitalordnung:] ez hat auch der maister vollen gewalt, ob daz geschaech, daz die siechen bůss und bessrung verdienten, den mach er deuselben bůzz vercheren und ringern, darnach und sein not ist
    1328 MünchenStR.(Dirr) 118
  • C.d.W., phleger und schafner des spitals der siechen ze R.
    1331 ZürichUB. XI 315
  • das niemant dehainerlai gewand noch ander ding vor dehainer liche nit fuͤren ... [soll], denn das er alles durch gots willen an unser frowen buw, den siechen oder den fuͥnden kinden geben wil
    1388/93 RavensburgStR. 224
  • beschede ick de twe marc rente ... den armen zeken tu gevende in dem zeeckhuse der ellenden
    1389 LivlUB. I3 Sp. 564
  • also ist ez auch vmb der siechen warter, ob si die siechen verwarlosent mit vnfleiz, so sint si manslaht
    1390 (Hs.) BerthRechtssumme 1632
  • wat zieke die eenen meinsche grieft daer mijnke of comt, verbuert xxxvj lib. par.
    14. Jh. CoutBruges I 370
  • habet 3 acker feldes, gelegen bey den siechen 
    1402 QHof II 469
  • siechtage sol man also beweisen, mag der sieche nicht fur komen, so sol er einen vorsprachen dahin senden, der sol schweren zu den heiligen, das er also kranck sey, das er mit nichte fuͤr gerichte komen moge
    1408 (ed. 1574) Ekhardi,MagdebR. IV 11, 3
  • man sol ... dehainen ußsetzigen siechen in das siech hus nemen ... man sie dann vor mit den siechen pflegern úberkomen
    1437 KonstanzRbfRotB. 124
  • dat we ghegeven hebben ... umme ... unser sele salicheyt eynen ewyghen swarten ferding geldes den armen seyken luden ... dar sek de armen zeken mede laven unde den leven god truͮweliken vor uns bidden
    1448 WernigerodeUB. 286
  • wenn ein s[iech] in dem hus [Sondersiechenhaus] krank wirt
    um 1450 SchweizId. VII 194
  • twey witte Hildensmesche laken ... to gevende alle jar benomptliken ... twen elenden seyken unde der husmaget vor der Nyenstad to H. in deme seykenhuse
    1471 HildeshUB. VII 436
  • wann sich ain priester ains siechn underwindt mit der heiligkait, so solle ihne niemants verbietn. auch solle ihne der pharrer ob er sturb des freithoffs nicht hindern oder irrn
    1493 NÖsterr./ÖW. VIII 987
  • es soͤllen och die siechen weder tegen noch messer tragen anders dann ein stumpf, abgebrochen scheidmesser, damit sy brot schnident
    Anf. 16. Jh. LuzernSTQ. IV 204
  • es sol ouch die groͤste sorg sin, nach inhalt unser [zisterziensischen] regel, über die siechen und krancken, das die allzit versorgt und versaͤchen werden
    1513 BernStR. VI 1 S. 98
  • waert dat yement quetste eenen ziecken, al waer ooc zonder dootwonde ende dat hy storve, de facteur zoude ghehouden zyn in de doot ghelyc of hy eenen ghesonden ghequetst hadde
    1515/16 Wielant,InstrCrim. 204
  • so ein frömbder siech siner notturft nach gen C. käm, so soll er in berürtes siechenhus inziegen
    1527 KonstanzStat. 30
  • soll man sölich krank siechen mit aller notturftiger pfläg versächen, alls lang, bis er widerum zuo gesontheit komen ist
    1528 SchweizId. VII 194
  • soll man alle frembte petler vnnd siechen auß dem landt schaffen vnd fürtterhin ... nit jns landt herein lassen, sonder wider zůrůckh weysen, auch die siechheuser durchsuchen
    1565 BairLandrichterInstr. 2r
  • die siechen sellent nit in das dorf gan oder si heigent dann die grauen mäntel an
    um 1612 SchweizId. IV 341
  • soll man in spittal auf- und annemmen kranke, siechen oder betthrisen, so unsere burgere [sind]
    1661 BaselRQ. I 2 S. 586
  • sie [Inspektoren des Feldlazaretts] müssen die kranken und verwundeten verpflegen ... so wie von den siechen und verwundeten selbst ... listen und rapporte zu allen zeiten anfertigen
    1783 HistBeitrPreuß. II 662
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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