Sinn, m.
Sinn, m.
I
Vernunft, Verstand; Denkfähigkeit, -vermögen; von dem Sinn kommen (uä.) den Verstand verlieren
bdv.:
Redlichkeit (VI),
Sinnlichkeit (I)
-
da he uf sueri sal, mi richi di hulde ..., disi stat zu bihaldini, ... mit sinin wizzin unde mit sinin sinnin, vor allir menlichimi, dan vor mi richi aleinium 1230 MühlhsnRb.² 163
-
geweltich seiner sinn vnd seiner witze vnd mit verdachtem mvet vnd mit gvetem willen ... hat [D.] gegeben [sein havs]1298 CorpAltdtOrUrk. IV 325
-
is en man oder en vruwe van ereme sinne komen, van svke, oder van anderen saken, de ne mogen nen gut en wech geuen, dat it stede siEnde 13. Jh. LübMndStR. Art. 134
-
iset dat en man van sineme sinne queme, de ne mach nen gůt enwech gheuen, des men ghewaret si, vnde sine naghesten vrůnt scŏln ene bewaren na bode des rades, dat he nenen scaden en doum 1300 RigaStR. 150 Faksimile
-
ne mi nen mon otheron ondwardia fon there nede and fon tha ongosta, hwande thenne is iahwelik mon thes sinnes birauad [niemand kann wegen der Not und der Angst dem andern antworten, denn ein jeder ist dann seines Verstandes beraubt]um 1300 RüstringerR. 92 Textarchiv: RüstringerR. 92
-
dat se scolen de penninghe bewaren na witte vnde sinne also ot deme lande vnde der stat to Honouere nvtte si1322 BrschwHzgUB. I 201 Faksimile
-
is dat en man van sineme sinne is ghecomen van suken eder van anderen saken, de mach nen gůt wech gheven, des he waret sium 1325 Nowgorod(7 Fassungen) 103 Faksimile
-
welche luyte habin zu sachen mit eime andir in clage wise offenbar vor gerichte, und in die ratluyte vindin uf dem rathuse eyn recht nach clage, und noch entworte uf ir beydir orteyl noch irim bestin sinne welchir im denne das gevundin recht nicht behagit und wil sin wisir werdin der mag is scheldin1343 CDPruss. III 65 Faksimile
-
wer da komen ist czu sinen rechten dagen vnd sine synne hat vnd inwendig landes ist, was dy eyn jair vorswigent, das sal he vmmer vorswigenum 1350 KlKaiserr.(Hs. Corvey) II 99 Textarchiv: KlKaiserr.(Hs. Corvey) II 99
-
selgeraͤt ... schaffen fuͤr die sel, daz mag ein iegleich mensch tůn der sein sinn vnd sein vernunft hat1390 (Hs.) BerthRechtssumme 1946
-
opdat hijt doet wetende zijnre zinnen1406 LeidenKb. 30 Faksimile
-
der statschreiber ... schweret den eydt, das ich ... getrewlich dienen wil, ... nach meinem besten sinne so ich beste kan vnd mag1408 (ed. 1574) Ekhardi,MagdebR. VIII 1, 9 Volltext (und Faksimile)
-
godes riucht is thio ewe, ther thes monnis sin lert hine self to biriuchtane and thet vnriucht to vnfruchtane [Gottes Recht ist das Gesetz, das des Menschen Sinn lehrt, ihn selbst in die richtige Bahn zu lenken und das Unrecht zu fürchten]1. Hälfte 15. Jh. FivelgoR. 22 Textarchiv: FivelgoR. 22
-
als die egenant C. ... solich kranckheit bestund und von iren sinnen keme, hab ir dann zemal P. ... ein pfründ darumb in dem spital gekoufft1452 FreiburgHlGeistUrk. II 186 Faksimile
-
[testament:] wal was he nicht starck van lyve, doch was he syner vorstantenisse, redelyckheit unde sinne, ... unde makede ... synen lesten willen1474 OstfriesUB. II 36 Faksimile
-
dat testament is in freescha alzofula als een tyuch des synnes off der herta1480/81 JurFris. II 80 Faksimile
-
vnverstaͤndige persohn, die gebrechlich were seiner sinne, alß die thoren oder gecken weren, vnd sein recht nicht wuͤsteEnde 15. Jh.? SaarbrückenLR. 978 Faksimile
-
[Bußtaxe van den hoeffde:] eeyn man witte vnd synne gekrencket vnd beroeft, eyn twede lijffAnf. 16. Jh. OstfriesRQ. 88
-
von den partheien oder jemandts anders solcher sachen halben keyn gab, schenck oder eynichen nutzen durch sich selbst oder andere, wie das menschen sinn erdencken möchten, nemen1555 RKGO.(Laufs) III 53 § 9 Textarchiv: RKGO.(Laufs) III 53
-
beschreuen rechtes, wor na sick ein jder alse na einem richtsnor thoholdende wethe, vnde dorch sine sinne vnde vorstandes swackheit nicht vorleidet werdeEiderstLR. 1572 Vorrede Volltext (und Faksimile)
-
affsinnigheidt, raserie und wahnwidttigheidt, au[w]ise des houedes und der sinne, de scheden nene ehe und möth eines des anderen crutze tragen d[r]agen1595 Ekenberger,Eluc. 48
-
ob sich auch zuetrieg, das einer seiner sinne beraubt und mit schedlicher unsinnigkhait beladen wurde, soll es hienegst ... mit desselben person und güettern, solang sie in der unsinigkhait verharren, wie mit den prodigis gehalten ... worden1616/29 OÖLTfl.(Strätz) III 43 § 60
-
Augustus sag: ... trunckenheytt dem menschen nimmett hin vernunfft, verstand, vnd alle sinn1628 Apel,Collect. 133
-
daß man sie [Mörder aus Eifersucht] extra ordinem willkuͤhrlich strafen soll, dieweil ... die lieb einen rasend macht vnd die leut verblendet vnd aller jhrer sinnen beraubt1657 CJMilit.(Hermsdorff) 48 Faksimile
-
die jenigen [sind] mit curatoren zuversehen, welche umb ihrer bloͤden sinn und vernunfft, oder auch staͤter leibes schwach- und gebrechlichkeit willen, ihnen selbsten auch ihrem haab und gut nicht wohl vorstehen koͤnnen1669 ÖGerhabO. 414 Faksimile
-
wurde aber jemand, der ... wuͤssentlich seine sinn nicht haͤtte, ein ubelthat begangen, das soll ... nach raht der verstaͤndigen ... gestrafft werden1709 Mutach 153 Faksimile
II
Sinnesorgan; meton.: die Wahrnehmung damit; nach ihren fünf Sinnen nach bestem Erkunden und Wissen
-
wer nu die sin funff sinne hat, / der kennet recht und missetat; / der sol daz beste kiesen2. Viertel 13. Jh. Reinmar v. Zweter 307, 8
-
[tvee man] die dartoe ghesvoren hebben up den heylighen, die redene te voersiene, weder wi te broken hebben ..., na haren vijf zinnen alsi best connen ende moeghen1293 StUtrechtOorkB. V 110
-
thera fif sinna werden iahwelikes bote tuia fiardahalue merk, mith fiwer ethum on ti ledane [die Buße für die Schädigung eines jeden der fünf Sinne (ist) zweimal dreieinhalb Mark (und) mit vier Eiden (hat man) den Beweis zu führen]um 1300 HunsingoR. 78 Textarchiv: HunsingoR. 78
-
there waldewaxe bote xxxvj grate; ther sind hem fan werth sine fyf sen [die Buße (für die Verletzung) des Rückgrats (ist) sechsunddreißig Grote; durch diese sind einem die fünf Sinne verschlechtert]2. Hälfte 14. Jh. (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 530 Textarchiv: WesterlauwersR. I 530
-
der stat hemelicheyt, also lang als sij leven, helen soilen, als sij mit oiren vijf sinnen best verwaren konnen1426/40 KleveStR. Art. 10
-
dith send tha fiif sin: siune, here, rene, smaka, fele [dies sind die fünf Sinne: Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack (und) Gefühl]1. Hälfte 15. Jh. FivelgoR. 78 Textarchiv: FivelgoR. 78
-
der andern synnen halbe, als mit versuchen oder kosten mit tasten vnnd mit rychen oder schmecken ist nott, das die gezeügen vor jm [notarius] kosten ... oder rychen1512 RNotarO. A IIIr Volltext (und Faksimile)
-
die leiblichen gueter sein, die von natur durch die auswendig sinn begriffen werden mugen, als gründ, heuser, claider1528 ZeigerLRb. 254 Volltext
-
sollte aber jemand, es sey durch ... wundthat oder sonst, ... des gebrauchs seiner sinne und gliedmassen verluͤrstig werden [kann die straf schaͤrfer sein]1762 BernStR. VII 2 S. 1033 Faksimile
-
koͤrperliche sachen sind diejenigen, welche in die sinne fallen; sonst heißen sie unkoͤrperliche; z.b. das recht zu jagen, zu fischen und alle andere rechte1811 ÖstABGB. § 292 Faksimile
III
Absicht, Entschluss; Zielsetzung, Bestreben; Plan, Ziel, Idee; des Sinnes werden sich entschließen
-
von der konniginne, we se vullen brachte ore dufliken sinne; ek wone, ... dat men ummer over se lantrecht dede, so de lude over duve plegen to donde1216/18 (Hs. 1484) EberhardRChr.(Wolff) V. 605
-
iz ist ein alt erteilet reht: swer der sinne weldet, daz er den dieb heldet, der ist wol wert der selben veme, die der dieb sal genemenum 1300 EvNic. 5063
-
swele ünser burger dem andern laget in dem sinne, das er im gerne übel taete, das er das besron sol ... mit eim lb.1300/1402 LuzernRatsbüchlein 42
-
wenn der mensch sein chlůkhait vnd all sein sinn alain chert auf er vnd auf wollust ... daz ist ein tot suͤnd1390 (Hs.) BerthRechtssumme 1504
-
dat de lenman in quaden edder vrewentliken sinne hant sloge an sinen lenhern14. Jh. Bunge,Rbb. 178 Faksimile
-
offte ick des synnes worde up myn vederlike angeborne erve wess dachte to buwende1481 OstfriesUB. II 154 Faksimile
-
N.W. und H.S. gefettern haben alle zwietracht ... mit worten, werken, sinn, muth und gedanken zwuschen in gewest durch voriowortunge ... geslicht1509 KahlaUB. 172 Faksimile
-
nochtanne eyst remitteerlick updat bleke dat hyt dede uut genouchten ende niet met quaden zinne1510 Wielant,InstrCrim. 112 Volltext
-
die weiber ... haben lange kleyder vnd kurtze sinn, jetzt sein sie deren, bald einer andern meinung1576 Damhouder,Patrocinium 25 Volltext (und Faksimile)
-
wo aber stattlich gut vorhanden und die rechner meer und lenger arbeit hettend dann sonst jnn gmeinen rechnungen, mag es den vögten ze sinn gelegt oder aber jnen heimgsetzt werden, jnen nach bescheidenheit wytters zelonen1595 LuzernSTQ. IV 284 Faksimile
-
daß man etwas anders, als man im sinne hat, vorgebe oder mit einem worte simulire1691 Pufendorf,Sittenlehre 256
-
bis endlich bey den so treflichen anwachs und vermehrungen des menschlichen geschlechtes ..., die zunaͤchst-aneinander wohnenden auf den sinn gekommen seynd, in buͤrgerliche gesellschafften mit einander zu treten1691 Pufendorf,Sittenlehre 391
-
[die] eydes-formul mit demjenigen, welcher den eyd leisten soll, durchzugehen ... und solchergestalt ... im sinne habenden vorbehaltungen des schwörenden zu begegnen1770 CSax. I 989 Faksimile
IV
Bedeutung, Sinngehalt, Inhalt
bdv.:
Sentenz (V)
-
[daz wir han] vlizzeclich beschawet ettelich brive ... noch an chaynem ir taile noch an vadem noch an ynsigelen zerbrochen, der sin vnd chvndevnge was also1279/97 Eichstätt/CorpAltdtOrUrk. I 360
-
dieselben briefe, in welhem sinne und wortern si begriffen weren, suͤllen in an der vorgenanten freyung und gnaden keinen schaden bringen1350 FriedbergUB. I 182 Faksimile
-
aller schrifftlicher sinn vnd buͤcher des rechten sind den leuten beschrieben gegeben, zu wissenschafft, vnd zur lehre1408 (ed. 1574) Ekhardi,MagdebR. IV 6, 4 Volltext (und Faksimile)
-
dieses argumentes sinn ist verkehret1647 Spee,Cautio 171
-
den sinn der fragen müssen schulhalter durch eine deutliche erklärung ... den kindern begreiflich [machen]1752 SchulO.(Vormbaum) III 479 Faksimile
-
unsere landesherrliche pflicht, die gesetze nach ihrem wahren sinn in kraft zu erhalten, ... bewegen uns ... eine vollguͤltige landes-gesetzmaͤßig interpretationem authenticam zu geben1769 Cramer,Neb. 95 S. 134 Faksimile
-
nach geendigtem peinlichen verhoͤr muß daher das abgehaltene protocoll dem inquisiten deutlich vorgelesen und derselbe zugleich erinnert werden, darauf genau acht zu haben, um seine niedergeschriebenen aussagen entweder schlechterdings zu genehmigen, oder sich auch wegen des sinnes, in dem er diese oder jene genommen wissen wolle, naͤher zu erklaͤren1783 Quistorp,GrundsPeinlR. 1272 Faksimile
-
doch muß der sinn und inhalt der einwendungen in dem vertrage dergestalt ausgedrückt seyn, daß der entsagende deutlich hat einsehen können, worauf er eigentlich verzicht leiste1794 PreußALR. I 5 § 198
-
sache überhaupt heißt im sinne des gesetzes alles, was der gegenstand eines rechts oder einer verbindlichkeit seyn kann ... auch die handlungen der menschen, ingleichen ihre rechte, in so fern dieselben den gegenstand eines andern rechts ausmachen, sind unter der allgemeinen benennung von sachen begriffen1794 PreußALR. I 2 §§ 1-2
-
die nachsuchung um ... erlaͤuterung der urthel ist die an den richter gerichtete bitte, den wahren sinn eines dunklen, zweydeutigen ausspruches genau zu bestimmen1801 RepRecht VI 94 Faksimile
-
was die wirkungen der kriegsbefestigung betrifft, so entspringt aus ihr eine neue verbindlichkeit, welche die natur der erhobenen hauptklage nach manchen hinsichten aͤndert. ist sie vorausgegangen, so wird der streit im engeren sinne rechtshaͤngig genannt1802 RepRecht X 79 Faksimile
-
analogie des nutzbaren eigenthums (dominii utilis) im strengen sinne des lehenrechtes1806 Vahlkampf,Miszellen II 349 Faksimile
-
unerlaubte selbsthülfe im weitern sinne besteht in der anwendung des zwangs zur rache1808 Feuerbach,PeinlR.⁴ 164 Faksimile
-
eine doppelsinnige stelle hat den sinn, worinn sie einige wirkung hervorbringen kann; nicht den, worinn sie unwirksam bleiben würdeBadLR. 1809 Satz 1157 Faksimile
-
worte werden auch bey vermaͤchtnissen in ihrer gewoͤhnlichen bedeutung genommen; es muͤßte denn bewiesen werden, daß der erblasser mit gewissen ausdruͤcken einen ihm eigenen besondern sinn zu verbinden gewohnt gewesen ist; oder, daß das vermaͤchtniß sonst ohne wirkung waͤre1811 ÖstABGB. § 655 Faksimile
-
alles, was von der person unterschieden ist, und zum gebrauche der menschen dient, wird im rechtlichen sinne eine sache genannt1811 ÖstABGB. § 285 Faksimile
-
im sinne und nach vorschrift der kantons-verfassung1815 HdbSchweizStaatsR. 76 Faksimile