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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Sonne

Sonne

, f., m.

der Licht und Wärme spendende Himmelskörper; meton.: Tageslicht

I bei der Festlegung von Fristen und Terminen

I 1 zur Bez. eines Zeitraums zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang: bei/binnen/mit (der) Sonne, mit wachender/hoher Sonne, bei (er-)scheinender/sitzender Sonne, bei der Sonne Licht (ua.) tagsüber, solange der Tag währt, vor Anbruch der Nacht; bei Sonne aus und wiederum, bei einer Sonne hin und her (ua.) bei Tageslicht hin und zum Ausgangspunkt zurück, zB. bei der Heerfahrt (I), Nacheile (I) und an Frontagen (I 2) 
  • aldeer di fria fresa om clage toe hoeue ladeth wirt ende hi ... gretwird wrnimt ende hi dat mey riochte wert, alsoe lange als dio sonne schijnt, soe toer hi toe dae dei her wed iaen ner ban tiulda [wenn der freie Friese wegen einer Klage vor das Grafengericht geladen wird und er ... die Anklage hört und sie rechtsgemäß bestreitet, solange die Sonne scheint, so braucht er weder ein Rechtsversprechen zu geben noch ein richterliches Gebot zu erdulden] 
    2. Hälfte 11. Jh. (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 110
  • hweer so ma bi liachta dei ende bi schijnender senna tweer herefanan opriocht en tweer herekeddan mit en ofledena gaerlat, haet so ma aldeer wrfiochtet oen dulghem iefta oen daedem, dat hit al iechtande sie [wenn man am hellichten Tage und bei scheinender Sonne zwei Heerfahnen aufsteckt und zwei Heerhaufen zusammenführt, wobei sich die Anführer für jeden Schaden verbürgen, so soll alles, was man da an Verletzungen und Totschlägen verübt, unleugbar sein] 
    12. Jh. (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 200
  • sua die werschaph endi heit, wirt demi man bruch, die diz guit in giwalt undi giwerin heit, ... wil he sin lantrecht bihaldi, so sal he sueri ..., daz he daz guit gicopht habi, bi schonimi tagi undi bie schinigir sunnin 
    um 1230 MühlhsnRb.2 117
  • dat nyemant den burgeren van A. tot ennyge dienste dwijngen en sall vorder te wanderen dan dat sy desselven daiges, alse sy by claeren lichte van oeren huyse gaen, by schynender sonnen wederom komen moegen
    1314 NijmegenStR. 501
  • die sall die scholt bynnen vierthien nacht by sittenden sonnen betalen
    1349 (Hs. 16. Jh.) ZWestf. 59, 1 (1901) 232
  • icklich man, de an des keysers stat siczcet, ... sal wissen, das he ... dem clager dag sal machen van dem morgen bis das dy sonne iren schin verluset
    um 1350 KlKaiserr.(Hs. Corvey) III 19
  • J. was ghebannen uten lande van V. c jaer: te rumene de cuere binder zonne 
    1351 AardenburgRbr. 260
  • men sal hoem ... gebieden die vriheit vander stat te rumen mitter zonnen 
    1380 CoutMaestricht 96
  • soe wat poorter enigherhande goet coept jeghen enighen vremden man, hij moet hem betalen bi der sonnen licht met panden als ghereden penninghen
    Ende 14. Jh. BredaRbr. 6
  • men sal eynen ... man, der zcu burgerrechte siczet, zcu rechter zceit laden, das ist bey scheynender sonne 
    1435/54 DanzigSchB. 29
  • off eynich vploip, kyff ader slachtich in tauernen off buten geschege, sal der honne ... des nesten sondags myt sonnen den hern an brengen
    1454 ÜrdingenW. 44
  • yst dat der saeke hem mijdt rechte overgaedt und schege hem daer en unrecht doem, die mach hie in die naeste zijlvesten mijdt der sonnen beroepen, in die ander daernaest unde ock in die daerde
    1464 Gierke,DeichR. II 660
  • an dem pharhof [als Freiung] soll offen sten das tüedel von aufgang der sonnen unz an undergang der sonnen 
    1486 NÖsterr./ÖW. IX 231
  • de schuldiged werd were siik mit twelff mannen eeden edder bynnen der sunnen scholen dre laghedaghe tegen em gheholden werden
    15. Jh. ApenradeSkra Art. 37
  • die en slachtich duet die broeck sal he betalen by der sonnen 
    15. Jh. ZBergGesch. 4 (1867) 66
  • ob auch unter yn [beim Heeresaufgebot] ymant were, der ein sesswochnern daheim hat, den sol man auch bei scheinender sonne heim gan lassen, dass dieselbige keinen schaden neme
    1506 (Hs. 1748) Hessen/GrW. III 376
  • welcher unser ainer des hofmaisters ... bedürfend ist, so soll er mit ime reiten und raisen bei ainer sunnen auf sein seelbs zerung
    1518 NÖsterr./ÖW. IX 222
  • des drudden dages na dem panddage mot men se [pande] lösen bi schinender sonnen 
    vor 1531 RügenLR. Kap. 51 § 2
  • sullen die havesluide ... geboirlichen [Fron-]dienst doin ... die ghoene, die perde hebben, mitten perden, ind die ghein perde hebben, mitten lyve, ind allet by eyner sonnen uith ind weder in to komen
    1533 Hartmann,HausRhade 202
  • eyn kommer sall geschehen myt der sonnen, idt en were dan sache, dat eyner [land-] ruymich were aider ouch myt guederen neyt gesessen en were
    1537 JülichLRO. 111
  • weist der hübener, ob einer nit hie wehre, der hie sein sall, der hat verbrochen 3 sester weins, kompt er im gedings, so ist ers schuldig, kompt er mit wachender sonnen, so ist er halb
    1539 Hunsrück/GrW. II 173
  • das perckrecht ist ein jeder seinem herrn pflichtig vnd schuldig zu fuͤren, als fehr er aines tags bey der sonnen schein gefarn mag
    1543 SteirBergr. a iijv
  • op denselven dag sal den boede uytroepen voor de banck offt eenighe maege offt naepachter weren, dat sy ... taelen metter sonnen [die hoofftsomme bei Pfändung]
    1550 LimbWijsd. 38
  • ackerleute ... sollen mit der sonnen aufgang und niedergang an- und ausspannen, und ... an die arbeit an- und abgehen
    1551 CAug. III 96
  • men scholle en [dem flüchtigen Friedlosen] folgen bin der sonne upgangk und neddergangk
    1553 Engelke,GogerichtDesum 61
  • soll di ganz gmain ... auf sein und den daigen [flüchtigen Straftäter] helfen bringen an den galgen bei ainer sun hin und her. wär aber das es lenger weret, so soll er in uberwinten ôn der gmein mue
    1555 NÖsterr./ÖW. IX 23
  • soll vnser jeder fischer bey sonnen vf den see vnd darab fahren
    1559 UlmOberschw.2 6 (1874) 15
  • das dorff von E. ist ihren thwingherren verbunden, wenn er reyßen muss, den reißwagen zefüren, by sonnen uß unnd by sonnen wiederumb heimbd
    1563 Argovia 64 (1952) 99
  • dem abt müssen etliche dienste bei sonnen auß und wiederumb geleistet werden
    1569 Rive,Bauerng. 469
  • ist es ... das er [Mieter eines Hauses] vnzuͤchtig vnd vnredtlich haus hielte, oder vnzuͤchtige vnd vnredtliche leute hegete, so mag er bey scheinender sonne mit des gerichts erlaubnus außgewiesen werden
    1586 LübStat. II 8 § 2
  • dat der meyer ... maenen sal den ceyns metter sonnen te brengen
    16. Jh. (Hs.) CoutLooz I 54
  • wir weißen auch dem herrn commenthur dritthalbhundert schaf ins Roder feldt, bey wachender sonne dreyn ... und bei wachender sonne abends ... wieder aus dem feldt
    1602 ArchUFrk. 23 (1875/76) 173
  • dieweil die sonne scheinet über bäume, berg und tal, gras und laub, so möget ihr wohl hegen und halten eine freie morgensprache
    1690 Wissell,Hdw. I 273
  • alle diejenige, so korn ... auf diesen hof gelden, sollen solches lieberen mit der sonnen 
    17. Jh. (Hs.) RhW. II 1 S. 162
  • welcher aber auf seinem guet ainen verzückten gelddienst hat und selbigen erscheinenter sonnen nit entrichtet, verfahlet zum wandl 5 fl. 2 ß
    1. Hälfte 18. Jh. OÖsterr./ÖW. XIII 33
  • kunden sie [gehoffner] daß haw abgemehen mit hoher sonnen 
    oJ. Eifel/GrW. II 527
  • want disser hoiff ein fryhoiff ys, sullen die poirtzen offen stain van der sonnen upganck bys zo der sonnen underganck, dairumb dat yederman der fryheit gebruchen mach
    oJ. Niederrhein/GrW. IV 778
I 2
zur Bez. eines Zeitraums von 24 Stunden: zwischen zwei Sonnen, zwischen zweier Sonnen Aufgang (ua.) innerhalb eines Tages und einer Nacht; von einer Sonne zur anderen einen Tag und eine Nacht lang; so oft die Sonne auf und niedergeht jeden Tag, täglich
  • sall die richter myt den geswaren baede kondich doen den ghoenen den is dat besatte guet, of hijt oen kan laeten weten tusschen tween sonnen, dat hie komme en neysten richtz dach ind verantwort dat guet
    1390/1401 KalkarStR.(Flink) Art. 53
  • alse doch wonheyt vnd recht is dat sik en jewelik bederuͮe man an dem anderen bewaren schal io van ener sunnen to der anderen, vnd nicht dar en bynnen beschedeghen
    1396 BrschwHzgUB. VIII 158
  • [Regelung des Fehdewesens:] de enschal nicht ... ienigen schaden doen, he enwerde vor sin vigend mit synem openen besegelden brefe von eyner sunnen to der anderen, also dat eyn ganz dach und eyn nacht vorgan sin, eyr he om ienigen schaden do
    1408 HHalberstUB. IV 512
  • oft daer een zijlrechter worde dootgeslagen in de uthreysse ofte in de reysse toe huyss, van der enen sonnen uptocht went tot den anderen, welck rechter daer uthgetogen weer um warff toe holden ... den sal men betalen met tsestich olde schilden
    1425 VerslOudeR. 4 (1903) 135
  • worde yemant doet gheslaghen in dyckrechten ofte in zylrechten ... ofte op den weghe wt ofte to huus tusschen twyer sonnen upganck, dat salmen betalen myt dubbelder bote ende broke
    1448 (Hs. 1532) GroningenLR. 321
  • jdeng lathath ma twiska twa sunna and endath ma binna etmele [zum beschleunigten Verfahren ladet man zwischen zwei Sonnenaufgängen und man schließt es binnen 24 Stunden] 
    1. Hälfte 15. Jh. FivelgoR. 158
  • sall die baide gebieden ruyminge des guetz bynnen dry voll sonnen 
    1. Hälfte 15. Jh. NrhAnn. 24 (1872) 167
  • da sie [die hofhorigen] ihr hofgelt zur rechten zeit nicht bezalen, verwirken sie dardurch ihr hofrecht und sol das hofgelt, so oft die sonne auff und nidergeit, dubeleren
    oJ. Westfalen/GrW. III 129
I 3 zur Bez. des Tagesanbruchs und Vormittags: bei reisender/klimmender Sonne (ua.) bei steigender Sonne, am Vormittag; als Termin für Gerichtsversammlungen; vor dem Aufgang der Sonne des anderen Tages vor Sonnenaufgang des Folgetags, hier: als Frist zum Vortag zählend
  • gerichtes solen warden alle die dingpflichtich sint van des dat die sunne upgat wente to middage, of die richtere dar is
    1224/35 (Hs. 1369) SspLR. III 61 § 4
  • wen einer gesclagen vnd wunth wirth, vnnd er den schuldigenn vor dem auffgang der szonne des andern tages nicht offenbarth noch beschuldigkt, der mag vorbas mer in der szach keinen beschuldigenn
    1370 (Hs. 1545) ZipsR. I 236
  • men sal hem [Totschläger] een dach van rechte legghen mit tsaterdaghes ban op des dinxdaghes voirder noenen by rysender sonnen 
    Anf. 15. Jh. BrielRb. 186
  • diingstellig sol man die leute machen, von der zeit, als die sonne auffgehet, vnd er sich der tag vnd nacht scheidet
    1408 (ed. 1574) Ekhardi,MagdebR. IV 5, 1
  • want ick richter ... te voirmiddage by klymmender sonnen ter gueder tyt dair weer, die voirscreven waerheit te besitten ende te doen, als recht weer
    1466 Grafenthal UB. 242
  • ob einer ... begert zu kommen uff den hoff, so sal ein schultheisz ... den armen uffnehmen ... und alsbalde sinem herrn kunt dun, dem er entpharen ist, und denselben man über nacht behalten; kompt ... sin herr ... des morgins vor sonnenschein, und fordrid yne wieder, so sule men yme den widder lassen, blybe er aber unerfordert bysz yn dye sonne überschynet, so ist er dem herrn entgangen mit rechte, und ist sint eyn hoffmann
    1475 Hessen/GrW. I 826
  • die droste sal des richters doeme verklaren tho W. by klemmender sonnen voer middage
    1565 Richth. 281
  • wann ... ainer die rod hat und kann auf seinen rodtag nit fertig werden, mag er das wasser die ganze nacht brauchen, hinzt den anderen tag die sonne aufgeet
    17. Jh. Tirol/ÖW. III 57
  • offer iemant waer, die een dach van rechten beteyckent waer ... ende nyet en quame by climmende sonnen ende staender vierschaer
    oJ. Fruin,KlSteden II 379
I 4 zur Bez. der Tagesmitte: wante de sunne neder ga bis die Sonne sich zu neigen beginnt, dh. bis zur Mittagszeit; als Fristende
  • swen he driddewarve wert geeschet, unde nicht vore ne kumt, [al]so [dicke] vrage de herre, wat dar rechtes umme si. so vinde men to rechte, dat he sin warden scole, wante de sunne neder ga, dat is to middage
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)Lehnr. Art. 65 § 16
  • swem man vor gerihte gvͥlte wettet, der sol ir warten ... vntz an den ahtdoden tag. vnde git er im denne nvͥt, so dvͥ svnne vnder gat, so sol im der rihter ein phant geben vor tercie zit
    um 1275 Schwsp.(L.) LR. Art. 304c
I 5 zur Bez. des Nachmittags bis zum Einbruch der Dunkelheit: bei (nieder)fallender Sonne/als die Sonne sinkend ist am Nachmittag; bis die Sonne untergeht/zu Sedel geht/als die Sonne in Gold geht (ua.) bis zum Sonnenuntergang; insb. als Zahltermin, Fristende für Gerichtsversammlungen, Ende von Arbeitszeit, Marktfrieden und Alkoholausschank
  • als dio sonne sigande js ... soe ne toer di fria Fresa efterdam an da strijde withstaen des deis, omdat hij eer gret ne was [wenn die Sonne sinkt ... so braucht sich der freie Friese danach an dem Tage nicht vor Gericht zu verantworten, weil er nicht eher darauf angesprochen war] 
    2. Hälfte 11. Jh. (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 86
  • alse de sunne under geit unde de dach ende nimt, so n'is de man nicht mer plichtich sime herren to lenrechte to stande, noch sine man ordel to vindene
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)Lehnr. Art. 65 § 14
  • sweme man icht gelden sal, die mut is warden wente die sunne under gat in sines selven hus oder in'me nesten hus des richters, dar dat gelt gewunnen is
    1224/35 (Hs. 1369) SspLR. III 40 § 1
  • ein iegelih tac in dem der man bi sinen truwin gelobit hat, der endit, swenne man geprůvin mac daz du sunne zo sedele ga
    Anf. 14. Jh. GörlitzLR. Kap. 44 § 3
  • das nyemant sall faren in der wilthube tzuschen sant lamprechts tage und sant remigius tag vor das die sonne offkomet, vnd nach der tzyt als die sonne in golt geet
    1338 Hessen/GrW. I 501
  • wem man was gelden sol, der mus es warten, bis das die sonne vntergehet, in seines selbs hause
    1408 (ed. 1574) Ekhardi,MagdebR. V 2, 9
  • des wekes mercketvrede die sal ingaen des manendages, als die clock twee slaet, ende sal dueren des dinxedages al den dach totter sonnen ondergangh
    1456 SneekStB. Art. 174
  • [bei Nichtbezahlung einer Schuld] so balde dan die sonne vndergegangen ist, so solde es van stont zwene gulden syn, vnd solde alles also fort wetten, van vffgange der sonnen vnd van nydergain der sonnen 
    1506 Arnoldi,Beitr. 114
  • wem man ichtes gelden schal, de moth ydt warten, wenn de sonne vndergheit in synes suͤluen hus, dar dat gelt gewunnen ys
    1537 SammlLivlLR. I 266
  • nach sant michaels tag biß auff sant gregorien tag sollen ... handwerchßleut vnd tagloͤner mit dem tagliecht an die arbait vnnd mit der sonnen nidergang wider dauon geen
    BairLO. 1553 V 13, 5
  • als die sonne vntergehet, vnd der tag sein ende nimpt, sol man nicht mehr gerichte halten noch sitzen
    1574 Pölmann,Hdb. D ijr
  • daß vnser amptleute in vnseren stetten ... ein fleißigs vfsehens haben sollen, daß alle wein vnd bierheuser, sontags ... mit der sonnen abents ... geschlossen werden
    1596 KölnErzstiftPolLO. 8
  • offt sik de tit verleipe ... so mogen gi richten sowoll bi klemmer als bi vallender sonnen 
    2. Hälfte 16. Jh. WestfLR. 145
  • [Hegungsfrage:] ob der richter ... macht habe, bei niederfallender sonne nachmittags zu richten in diesem peinlichen gericht
    1605 Wigand,Beitr. 170
  • darauf dan ein jeder schuldiger zinsman bei vorbestimbten faahr- und lieberungstag alle seine fällige zinsen ... vor der sonnen untergang ... zu lieberen schuldig sein [soll]
    vor 1714 RhW. II 1 S. 237
  • solle ein jeder inwohner ... schuldig seyn [Verstöße gegen die Ordnung] ... dem bauer-meistern ... alsbald und noch vor untergang der sonnen anzuzeigen
    1730 MainfrJb. 14 (1962) 274
  • welche seinen zins bei sonnenschein nicht gibt, ehe die sonne zu gnaden geht, so bricht er 7 sch. pf. und mag ihme als dann der meiger das gut verbieten
    oJ. Unterelsass/GrW. I 744
I 6
zur Bez. der Nacht; after/nach der Sonne nach Anbruch der Dunkelheit; zwischen zwei Sonnen in der Dunkelheit; (weder) vor noch nach der Sonne in der Nacht; als Zeitraum mit bes. Friedensschutz und dem Verbot von best. Rechtshandlungen
  • werso komt schadelicken des nachtes tusschen twen sonnen mit medehulpers, toe eenes anderen mans huese ... en rovet des guedes
    Langewold 1282(R.) 371
  • fuert ain man kamerguet auf ainem wegsel und wirt beraubt auf der strass bei sunnenschein und bewaret er das ... der gilt das kamerguet nicht, wann es dem hertzogen verloren ist, der frid schaffen sol in seinem lande. verleust er aber das guet, ee die sunn aufget, des margens, und des abentz, darnach und sie underkumbt, der mues das guet zu recht selber gelten, wann sich niemant verfruen noch verspaten sol mit kainem guet auf der strass
    um 1300 WienStRb. Art. 37
  • men mach ok nicht lenrichte hebben na der sunnen 
    2. Hälfte 14. Jh. RichtstLehnr. 5
  • hwae soe en man daed slacht wr sette soen ..., di scel di ban betha mith vj merkum, hit en sie dat hij ... bewysa moghe, dat hij, deer slayn js, hem rede efter der sonna oen zijn lyf ende ledena ende oen zijn gued [wer einen Mann entgegen einer abgeschlossenen Sühne ... erschlägt, der soll eine Bannbuße von sechs Mark zahlen, es sei denn, er könne ... beweisen, dass der, der erschlagen ist, nach Sonnenuntergang einen Anschlag auf seinen Leib und seine Glieder und sein Gut versucht ... hat] 
    1404 WesterlauwersR. I 606
  • allen iuden ist allzeit verboten, das sie auff kein vihe noch pferde soͤllen leihen, denn bey tage, vnd nicht vor dem auffgang der sonne, vnd nach dem vntergang
    1408 (ed. 1574) Ekhardi,MagdebR. IX 15, 27
  • dat niement zwynen ringhe voor de zonne noch achter de zonne 
    1428 AnnFlandre 24 (1872) 421
  • soll der waldt friden han von der sonne nidergang biss vff iren vffgang
    1457 Hessen/GrW. IV 540
  • waer dan die gast der saecke anden raet niet wold verblijuen, so sall die gast onse stat ... nae der sonnen schouwen
    3. Viertel 16. Jh. KampenStROntw. 439
I 7 Sonne und Mond Tag und Nacht
  • schal de vaget ... alle jar up s. martens dach by sunnenschin den köningtins entfangen, und de den nicht utgift by den sunnenschin, den schal de tins dubbelt upslahen, so vaken de klocke sleyt, de hane kreyt, de wind weit, sunne und mand, ebbe und flot up und dale geyt
    1259 (Hs. Ende 16. Jh.) BremUB. I 339
  • [Geächteten] sint alle recht benomen, ire weibir witwen, ire kinder weisen geteilet, sonne und monde, lob und gras, wege und stege vorsagit, genomen ihren frunden, gegebin iren findin
    1458 SchlesDorfU. 65
II bei der Beschreibung einer (Himmels-)Richtung

II 1 gegen die Sonne/in den Anblick der Sonne in Richtung der Sonne; ua. als Position des Schwörenden bei der Eidablegung; bei der Scheinbuße für Geschädigte, die einer ordnungsgemäßen Buße nicht würdig sind (Belege 1224/35, 1408)
  • kempen unde iren kinderen, den gift man to bute den blik von eme kampscilde jegen die sunne 
    1224/35 (Hs. 1369) SspLR. III 45 § 9
  • [beim gerichtlichen Zweikampf] mac der kempfe ... sich denne setcen in dem creize unde na der sunnen, wo he wil oder wi he wil
    um 1300 FreibergStR. 27 § 16
  • habe ich ... gesworen eynen eyt mit czwen gerakten vyngern ken der sunne und orfey getan
    1389 CDPruss. IV 77
  • so sweren sy [neu gewählte Stadträte] alle mit eynem eyde ghein der sonnen mit uffgeracten vingern [den Amtseid]
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 355
  • kempffern vnd jren kindern gibt man zu busse den blick von einem kampff schilde, gegen der sonnen gekart, das ist darumb, das sie sich vnd jre kinder mit solchen boͤsen anmechten ernehren
    1408 (ed. 1574) Ekhardi,MagdebR. IV 4, 12
  • [der kleger sol, wenn der Gegner des gerichtlichen Zweikampfs ausbleibt,] zwene schlege vnd einen stich gegen der sonne thun oder gegen dem winde, damit so hat er jhn vberwunden
    1408 (ed. 1574) Ekhardi,MagdebR. VI 26, 6
  • wir wollen dir mit uffgereckten fingern zu den heilgen gein der sonnen sweren
    1424 MWormat. 294
  • so wurdent die herren in stöck geschlagen vnd in den anblick der sunnen gestelt
    15. Jh. FreibDiözArch. 10 (1876) 62
II 2 mit der Sonne in der Richtung des Sonnenlaufs, im Uhrzeigersinn
vgl. Solschift
  • dat de M. een rocht ahnsetten sall als landtrecht is ende bewijzen met vii buren met der sonnen omme, dat he noch sijn vader nie gheen landt tho E. hebben gehadt, dar sie mit rechte ... tende van schuldich sint tho geuenn
    1446 DrentheOrdB. 26
  • dat recht sal vallen en ommegaan in elcke kluft uth dat osten in dat westen van heerdt to heerdt metter sonnen in de regell
    1491 Swart,FriesAgr. 92
  • [Bürgermeisterwahl:] waert datter gheen burghemeyster in die rijcdoem waer, soe sal men loten van wat eynde van der stede dat ment beghinnen sal, ende dan voert mitter sonne ommegaen
    Ende 15. Jh. VerslOudeR. 3 (1898) 140
II 3 beim gerichtlichen Zweikampf: die Sonne gleich teilen die Kämpfer so positionieren, dass keiner stärker von der Sonne geblendet wird als der andere
  • de sunnen scal man ene [Zweikämpfern] gelike delen
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. I 63 § 4
  • so sol man in [Zweikämpfern] in dem creize dy sunne glich teilen, wenn sy erste czusamne woln gen
    1357/87 MeißenRB.(Oppitz) IV 22 Dist. 14
II 4 Aufgang der Sonne Osten; Niedergang der Sonne Westen; gegen der Sonnen zur Sonnenseite hin, in südlicher Richtung
  • wes her [Beschuldigter] lewkent, dovor swert her zuhant mit seynes selbes hant uffgerackt keigen der sonnen uffgang
    um 1400 LiegnitzStRb. 55
  • 1 mammat wiss vor dem hus gelegen, stost gen der sunnen ufgang an den gemainen weg
    1411 SchweizId. VII 1093
  • ain wis ob dem hus ... stost uf gen der sunnen an den gemeinen weg
    1411 SchweizId. VII 1093
  • [soll der Richter den Fronboten] heisen offheben czwene finger kegen dem offgange der sonnen vnd sal sprechen: ich holde
    15. Jh. SspExtrav. 248
  • so viel aber die alten beume belangt, was derselben in weyngaͤrten gegen auffgang der sonnen, auff dritthalb viertheyl einer ruhten, vnd gegen nidergang der sonnen, auff ein halbe ruhten ... von den steinen oder furchen stehen, die sollen ... abzutreyben nicht gestattet werden
    FrankfRef. 1578 IX 5 § 3
  • solle der richter ... sich nach gesprochener acht mit plossem haubt gein auffgang der sonnen kehren, seinen stab vff die erden stellen [und die Acht bestätigen]
    16. Jh. FrkZentb. 184
  • was in dem kraiß gegen der sunnen ist, ist des gotshauß ... freis aigen, grund und poden
    17. Jh. (Hs.) Salzburg/ÖW. I 246
III
beim Sonnenlehen 
  • off Schonauwen verkocht würde ... jnd als man dat goet guedinge ind genoech dein soulde, dat soulde men tegen die heilige sonne dein, jnd men en helt die guede van nyemande, dan van onsen herren gode ind syner lieuer moder
    Anf. 15. Jh. Rheinland/GrW. IV 802
  • das das haus und herrschaeft Rycholt niemand lehnrurich, sondern eyn frey herrschaefft, und wort das lehn ahn der sonnen ontfangen, haet auch mit keine schatzingen, türkenstuir oder mit niemants tzu schaffen, wert richerecht dahe gehalten
    1469 GrW. III 865
  • [daß der edle und veste hr. A.] ihrer edl. l. lehen ihres hauses und herrlichkeit Schoͤnauen ... von gott dem allmaͤchtigen und dem herrlichen element der sonnen ... empfangen habe
    1665 Buder 1198
  • es hat aber solches [uhralt eigenthum] senior gegen der sonnen aufgang mit harnisch und bloßen schwerdt anreitend und ein creutzstrich der sonnen-strahlen schlagend ... recognosciret
    L.A. Schoppe, Tractatus feudalis de allodiis (Halle 1673) 7
IV bei Größenangaben; auch bildhaft verwendet
  • er slahet suͥ das duͥ svnne dvrch suͥ schine
    1. Viertel 14. Jh. Diutiska I 105
  • stött he em ein holl also grot an de wand, dat de sunne da dorch schinen mag, so brickt he ii olde mark
    nach 1426 Richth. 565
  • rett N., stüende er mitt im nit in stallung, er hüwe inn, daz die sun durch inn schin
    1450 SchweizId. VII 1094
  • ich haw dich mit der plotzen, daß die sunnen durch dich muß scheinen
    1554 Hans Sachs/BiblLitV. 181 S. 181
V bei der Zeitmessung
  • haben die postmeister ... wegen der uhren ... aller orten bey dem magistrat oder obrigkeit zu urgiren, damit solche nach der sonnen gestellet werden moͤgen
    1712 CCMarch. IV 1 Sp. 1004
VI bei der Beschreibung unspez. Örtlichkeiten und Gegenstände
  • hörent in denselben kelhof gericht, zwing vnd penn, die als weit begryffen seindt, alss das etter vnd dass dorff gandt, der taw falt vnd die sun beschynt
    1475 Thurgau/GrW. I 260
  • [Schöffeneid: recht ordell] en sall ich niet laeten vmb lieff noch vmb leit ... vmb golt noch vmb siluer noch vmb alle dat ghene, dat die sonne beschynen vnd die erde bedecken mach
    16. Jh. NrhAnn. 5 (1857) 22
  • so erkenne ich [Prokurator] zu recht, dieweil es an gueter tag zeit, die sun himmel und erd und das ganz römisch reich überscheint, kein ... verpotner tag über das bluet zesitzen, das ir herr richter den gerichts stab sollt zu hand nemen, und ... richten was streng malefitz rechtens recht ist
    16. Jh. StraubingStR. 335
VII beim Verkauf unter freiem Himmel
  • so vnsir kouffman mit synem heringhe, den er kegn K. brenget ..., vnder keyn dagh legen mag, sunder do offenbar uff dem markte jn dem sney vnde reyne vnd zonne legen mus
    15. Jh. Danzig(Hirsch) 187
VIII im Baurecht: in Bezug auf den Einfall des Tageslichts
  • der ist mir schuldig, der mir den sonnenschein irrt, das er nit in mein hauß moͤge, vnnd ich bedarff der sonnen schein
    1436 (ed. 1516) Klagsp.(Brant) 57r
  • so iemandts einen seruitut hat, daß jm sein nachbaur das liecht, außsehen, oder die sonn nit verbawen soll
    1553 Gobler,StatB. 110r
IX im Münzbild; Krone mit der Sonne wie Sonnenkrone 
  • die nüwen frankricher kronen mit der sunnen gut an gold vnd an gewicht eine für fünffzig schilling
    1487 Geschfrd. der 5 Orte 21 (1866) 298
  • hierna volght den prys ende evaluatie van den gouden penningen ... de croone mitter zonnen, van seventich in 't merck, zes s. een d. grooten
    1516 OrdonnPaysBas I 529
X in bildhafter Verwendung; ua. zum Ausdruck von Offensichtlichkeit, Klarheit, auch für den Ausgangs- und Mittelpunkt von etwas (Beleg 1300); (wie der Bauer) an der Sonne liegen offensichtlich sein
  • nû heln unt steln! doch breit ichz an die sunnen 
    2. Viertel 13. Jh. Reinmar v. Zweter Nr. 128 V. 12
  • der bâbest bezeichent uns die sunne, von dem geistliches rehtes wunne schînen sol
    1300 Hugo v.Trimberg(Ehrismann) I Vers 9009
  • wir wellen dir die warheit an die sonnen legen
    Anf. 15. Jh. AckermBöhm.(Jungbluth) 24, 5
  • woͤlcher den andern wil verclagen, der sol sehen das er sein beweysung bereit hab, vnd die sol sein clar vnd claͤrer dann die sonne 
    1436 (ed. 1516) Klagsp.(Brant) 120v
  • es ligt am tag als der pawr ann der sonnenn, wie die ... spitalherren sich selbs verratten
    1521 Eberlin v.Günzburg I 178
  • ligt aber an der sonnen ... dass ir sy [concilia] nit halten wellend
    1524 SchweizId. VII 1095
  • iez kumpt din laster alls an dsunnen 
    1529? Keller,Fastnsp. II 866
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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