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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Stall

Stall

, m., n.


I Gebäude(teil) zur Unterbringung von Vieh, insb. Pferden; auch als Mietstall zur entgeltlichen Unterbringung von fremden Pferden usw.
  • [bezichtigt einer jn. fvͥr einen diep] vnd sprichet iener da wider, ob ez vihe ist, ... er habe ez gezogen in sinem stalle, der behebet ez mit bezzerem rehte
    um 1275 Schwsp.(L.) LR. Art. 317
  • we na desen daghe wel enen stal binnen user stat nies buen, dhe scal maken in gheweliker siden des stalles stenene muren
    1303/08 BremRQ. 50
  • lowfet aber das pferd vs dem stalle an dy strosze vnd byszet ymand, zo mus yener, des das pferd ist, dorvmme antwort geben
    um 1325 LeobschützRb. 197
  • sal eyn iczlich man sines selbist want habe an huse, an stallen und an schunen, wi di da steynwende habin miteynandir
    Ende 14. Jh. EisenachRB.(Rondi) III 11
  • sollent die hůber han bereitet eine truckene hůtte vnd einen beslutzigen stal dem vihe
    Anf. 15. Jh. Elsass/GrW. IV 199
  • biddet de ghemeyne rad vere vt deme rade vnde radsworen darto dat se dem marstalle vorstan, ... dat se vntfanghen dat ghelt dat de rad darto ghelecht hefft, vnde koͤpen ... haueren vnde voder den perden ... vppe den stal 
    1408 (Hs. 1. Hälfte 17. Jh.) BrschwUB. I 159
  • als er ... wulte heyme gene, do horte er eyne noit, do lieff er czu, stunde der stalle unde brente
    1421 Erler,Ingelh. III 75
  • kompt einer in ein schiff mit seiner habe oder in ein schenckstat oder stall, unnd verleürt etwas vonn seiner habe, würt im geholffen ... mit diser clage
    1436 (ed. 1516) Klagsp.(Brant) 32v
  • derselb C.R. habe oͮch vormals etwan dik das sin dar wellen triben, das si im allwegen gewert hetind und im das nie verwilligot; si hetind im das sin etwenn ingetaͮn und in staͤllen erfült, oͮch etwan an wirt gestelt
    1447 SGallenOffn. II 483
  • welicher peck, peckin, pfragner, pfragnerin oder anndere vor diser stat ein sweinstal haben wil, das er solichen stal funffzig schrit weit von den statgraben hindan, funffzig schrit von der strassen [baue]
    15. Jh. NürnbPolO. 283
  • wie yements huus, schuere, stal, scip of andere edificien, of ooc coorne, vruchten of ander goet verberrent, daerin tvier stekende by upsetten wille, werdt ghepungniert metten sweerde of metten viere
    1515/16 Wielant,InstrCrim. 233
  • es mag auch ain jeder gast oder lanndtman das mager viche ... an den ställen oder auf den märkhten wol khauffen, doch das derselb khauffer sölch vichs selbs waide
    SalzbLO. 1526 Bl. 111v
  • sy sollendt ouch allen dennen, so vych- oder roß stäl habendt, gebietten ..., das sy dhein lycht ohne ein laternen in dhein stal tragend
    1593 LuzernSTQ. IV 351
  • welcher fürhien einen bau furnimbt, es sey hauß, scheuren, oder stall ..., der soll denselben mit ziegel und keinem stro mehr decken
    1620 Heitersheim(Barz) 32
  • wann ainem viech zu schaden get, der soll das viech nit schlagen sonder haimb treiben in sein hoff oder staal und darnach nach dem schicken, des das viech ist
    1630 NÖsterr./ÖW. VII 256
  • der in die maiß ein khäser, stall oder hitten gesezt, ... der solle selbige fürderlich abzubrechen und ... 40 gulden straff zugeben verschaffen werden
    1659 SalzbWaldO.(FRAustr.) 148
  • das höchstschädliche gaißvieh und schaafvieh, ... [wird] eingeschränkt zu halten befohlen ..., daß keiner derley mehr, als er über winter beym stall zu fuedern vermögend ist, halten, und zu keiner diser zeit in einem wald mit niderhackung deren bäumen und grassach, ... wo ... schaden geschehen könte, außgelassen, mithin bis zu alpzeit beym stall zu hauß gefueder ... werden sollen
    1713 SalzbWaldO.(FRAustr.) 174
  • bey einem pferdekauff nennet man das trinckgeld, welches vor die halffter, oder eigentlich in den stall vor die bißherige pflege ... des gauls geschenckt wird, halfftergeld
    1769 Lennep,LandsiedelR. 254
II
Bez. für ein Gefängnis, das sich in einem Stall (I) befindet
  • vmme sines gudes willen schloch he ehn [prester] doet; darvmme moste he vp de ledder vnd moste darvp doet hungern, wente he wardt gesettet vp den stall; dar wardt he beschmedet
    vor 1577 StralsChr. I 175
III Position, Stelle; Sitz-, Stehplatz
  • din hant ságeton sie, fersuánta ándere diète, unde in-iro stal, flanzotost dû siè [manus tua gentes disperdidit et plantisti eos] 
    um 900 (Hs. 12. Jh.) Hattemer II 151
  • [do der konig von Vngern] in das chor qwam vnd stund in seinem stalle, do stunden die hh. von Behmen vor em
    1469 UrkGeschBöhm. 582
IV mnl.: Verkaufsstand, -bank, -stätte; Marktbude; auch: Lager für Handelswaren
  • hen sal niemene georlouen teuerhurne stalle in scrauen markt
    um 1237 CorpMnlTekst. I 35
  • niemene mach hueren stalle ter marect no in straten
    1281 CoutBruges I 248
  • wanneer een viscoper sterft, dat dan dat stal, dat zijn was, comen sal andie outste ende andie naeste rechte erfnamen
    15. Jh. Fruin,Dordrecht I 227
V (guter) Zustand, Status
  • ðone stal ðæs rîces
    10./11. Jh. Bosw.-Toller 913
  • daß ... unser eydgnoßschaft g'meinlich und einhellig in einen stal und wesen komme und in künftigen zyten größerer unfall und uneinigkeit vermidten werden
    vor 1547 BernChr.(Anshelm) IV 455
VI Bestand, Rechtskraft
  • dat ordil moegen bihoeda ende dwaen tre riochteren ... soe mei des deda anne stall habba [das Urteil dürfen drei Richter ... veranlassen und fällen, dann darf diese Sache Rechtskraft erlangen] 
    1. Hälfte 13. Jh. (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 360
  • hweer soe di man iefta dio frouwe leith an da lesta eynde, hot so ma hiara toeaesketh ende sprecketh hia danne, dat hit wrgolden se, dat word moet staen ende haet soe hiae sprecket, dat moet habba anne stall [wenn ein Mann oder eine Frau in den letzten Zügen liegt, und sie dann, welche Forderung man auch gegen sie geltend macht, sagen, es sei bezahlt, so soll ihr Wort unangefochten bleiben, und was immer sie erklären, soll Rechtskraft haben] 
    1. Hälfte 13. Jh. (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 378
  • wye syn [des Knechts] guedt ... leent buyten syn monders off rechtes raedt, dat zall gheen stall hebben ende ghien recht daervan te doen
    BolswardStB. 1455 Kap. 112
  • dat aerste breef ende sigel aeg een stal ende een foerdgong
    1480/81 JurFris. I 86
  • wirt deer een testament maketh myt laesheed ende myt falscheed, dat aegh neen stal ende haet neen macht
    1480/81 JurFris. II 72
VII afries.: Stall in das Recht Recht vor Gericht aufzutreten
  • det een vrbond mon mei neen oenspreker wesa, huant hi heeth neen stal in da riuchte [dass ein im Banne befindlicher Mann kein Kläger sein darf, weil er nicht vor Gericht auftreten darf] 
    1457 (Hs.) EmsigerR. 234
VIII afries.: einen Stall stehen Stillstehen; als Kreuzprobe (Ordal zwischen zwei Kontrahenten, wer länger mit ausgestreckten Armen stehen bleiben kann)
  • dech wysda ma dir sone also langhe, dat ma hit op dae tweer koningen ioed, hoekra oerem oen stilla stalle wrstoed, dat hi dat land winnen hede [doch vermittelte man so lange eine Sühne, bis man es den beiden Königen auferlegte, daß, wer den anderen im Stillstehen überträfe, der hätte das Land gewonnen] 
    1464 (Hs.) WesterlauwersR. I 128
  • hoe coninck Kaerl ende Radboed een stal stoeden om Vrieslant [wie König Karl und Redbad um Friesland eine Kreuzprobe bestanden] 
    1464? WesterlauwersR. I 32
IX in Straßburg: für die Erhebung des Stallgelds (III) zuständige städt. Behörde, Stadtkämmerei (I) 
  • es soll ein yeder büttel ... yedes jars ... sich uf den stall zu dryen stallherrn und irem schreiber verfügen und ime die namen der personen, so uf dem stall schuldig und in den cleinen zusatz schuldig sin, abforderen
    1551 Schmoller,StraßbTucherZft. 206
  • welcher burgersson ... in ehelichen stant kompt oder ... für sich selbs hantierung treibe, den sollen die zünfte ... vermelden, damit er uf den stall beschickt und gerechtfertigt werden mög
    1558 Schmoller,StraßbTucherZft. 215
X wie Stallgeld (III) 
  • dass alle zunftbittel alle jor ... zu dem stallschriber gon, der ... burger, so inne den cleinen zusatz oder stall schuldig, namen von yme erforderen und alsdann dieselbige zu haus sůchen ... und gebieten sollen, den stall ... bey drey schilling pfening zu verniegen
    1551 Schmoller,StraßbTucherZft. 205
XI Straßenherberge
  • [der samaritan] satzte en ûf sin jochtir, her fůrte en in den stal und gap ime sine nerunge
    1343 Matthias v. Beheim 143
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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