Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Steil/steil

Steil

, m., Stiel, m.


I Gerichtspfahl, Gerichtssäule; insb. als Ort für die Ausbietung von Pfändern und für die gerichtliche (Zwangs-)Versteigerung; am Steil verkaufen zwangsversteigern; sonder Stock und Steil ohne formelles Verfahren
  • das keiner den andern noitdrengen solt, phendt von im nemen in bekanter schuldt, die salle er halten vnuerlustig echt tag, salle sie dan mit gewiss zweien scheffen am steil verkeuffen
    1315 Untermosel/GrW. II 327
  • J. yst kommen vour uns scheffen ... und hait den egen. pant verhout und verdaget und gancze veritczien dage gehalden, und ist darnae kommen ain den stijle zuo R., und hait denselben pant ain dem stijle verkoufft umb die vorg. somme gulden
    1399 PublLux. 55 (1908) 41
  • das er H. eine teillunge thun sulle an den guden, die er an dem stile geloist oder kauft hette
    1442 Loersch,Ingelh. 154
  • haben die scheffen auch geweist, dass die hochgerichtshern mögen vur ihre gulth ... gelehnten fruicht sonder stoeck vnnd steill pfenden, vnnd die pfendt sonder stoeck vnnd steill verhanndtlen
    1450 Tholey/GrW. III 761
  • ist der scheffen beladen, so einer den hern vur renth vnnd gulth versprochen hette, ob er auch macht hette, sulchen zu pfenden vnnd die pfenndt sonder stock vnnd steil zuuerhanndtlen
    1450 Tholey/GrW. III 764
  • wan ein büsse am style fellig ist, da der schöffen vberwyset, die ist halb myns gn. junckern, das ander halpteyl der schöffen
    1505 Hochwald/GrW. II 128
  • sall der botte v. O. den mystedigen ... bynden an den steyll, dae sollent die herren ire hoegericht besytzen ... vnd dae saill man voir lesen dem mystedigen menschen syne myssdaedt
    1506 Untermosel/GrW. II 332
  • so erveschafften am style vor scholt, in gebrech mubelguter, verkaufft werden
    1532 LuxembW. 27
  • wanne mubelgut am styll verkaufft wirt, nement die scheffen yeklich zwen gros und der budel vor die verkundigung echt pennick
    1532 LuxembW. 27
  • der bot ... ruefft dem man drymale sein gut henge am steill, will er es beschuten, soll vnd müge er es thun, wie recht
    1561 Untermosel/GrW. II 340
  • wirdt ... dem schuldner zu wissen gethan werden, sich uff dem keesmarck ahm steil finden zu lassen, alda sein haus sehen undt hören subhastiren undt verkauffen
    1588 LuxembW. 470
  • es sollen ... die auff der glaubiger begern vmbgeschlagene guͤter, damit sie jnen zur bezahlung vberlieffert, nicht durch gericht geschetzet, sonder auff anhalten ernennter creditorn ... am steil verkaufft vnd gesteigert werden
    1599 LothrLbr. XVII 18
  • wann ein gut um herrn zins, fiscalische oder andere schulden am steil verkaufft wird, dieweil solches offenbahrlich vor gericht beschehet, kann der abtrieb nicht platz haben
    1713 TrierLR. XX § 35
  • [wenn] sich ein burger in der freyheit nit könte erhalten ..., vnd wüste ein ander orth, da er sich besser daucht zu ernehren ..., soll er sechs wochen vnd drey tag vor vnd ehe er hinweg zeucht ... drey mahl an den steull gahn, ... mit lauter stimme drey mahl ruffen: wer mir schuldig vnd ich ime, soll er mich bezahlen, so soll ich ihn dan auch bezahlen
    oJ. Prüm/GrW. II 564
II Pfahl (I 2 u. 3) zur Strafvollstreckung, ua. zum Aufstecken des Rads (II); Galgenpfosten
  • were ess, dass jemandt begriffen würdte mit falschem gelde, ... die brent man an dem hoegericht an einem stile 
    1399? Kröv/GrW. II 381
  • der boedt vss der grafschaft V. brengt den kamp, die schere vnd bessem vnd hinkt is vf den steil in den warf
    1400 Bernkastel/GrW. IV 749
  • so furht man den [mistedigen] auss ... vff den berg ..., alda sall eyn styll staen myt eym armen, dan soll dye gemeyn dem mistedigen den slop in den hals thun ... vnd das seyll ... zu samen vberzehn, vnd dat seyl vmb den paell wynden
    1498 Untermosel/GrW. II 334
  • wan der nachrichter eynen rädert, von dem steil zu setzen ein daller
    1590 LuxembW.(Majerus) III 164
  • wo von nötten were ein feltgericht, galgen, leytter, steil, holtz etc., das sol das gethiehen machen und dar schaffen auff iren kosten
    16. Jh. Pfalz/Wasserschleben,RQ. 262
  • vmb solche freiheit soln diesse dorfe zu dem halsgericht schuldig sein zu diehnen, nemlichen die leidtern zum galgen, den steil vnd dz radt, auch dz holtz, so man einen verbrennen soll, darzu fuhren
    16. Jh.? Hunsrück/GrW. III 768
III (Gebäude-)Pfeiler; Pfosten, senkrecht aufgerichtete Stange
  • [wen das pfahrhauss verbrendt,] ist die gantz pfahr schuldigh, das hauss auffzubawen mit vier wenden ... vnd ein steill in das hauss, da der kirchherr sein pferdt anbindt
    1401 Obermosel/GrW. II 264
  • ez sy ein jarmerckt ... da quemen linweder dar und stehen by ein ander, und rechte die eine frauwe einen stiel uff und lente darwidder eine stucke duchs czu eime underscheide czusschen ir unde der andern frauwe
    1415 Erler,Ingelh. II 254
  • soe en zel niement den anderen onredeliken voer-toenen mit hanghenden werc ... hy selt hanghen buten aen sinen style ende niet voerder
    1417 UtrechtGilden II 330
  • datmen een mate ende voete vanden glasen maken ende hangen sall an den stijll opter sale byden anderen, dat een ... yegelick glaesmaker sijn glase dairna make
    1456 Fruin,Dordrecht I 311
  • dinckhauss ..., welchs hauss stain soll vff seinen vier stielen ohne wende, doch woll gedeckt
    1544 Eifel/GrW. II 730
  • soll ein dinckhauss ... stehen auff vier steillen und soll haben zwo gefallen thüren und zwo gefallen fenstern, die sollen dienen auff stock und steilen, darinnen sollen sitzen die vierzehen scheffen dess gerichts
    1561 Untermosel/GrW. II 413
  • ob ein botte einen faehen wolte, und derselb hieltte sich an einen stiele oder anders nicht volgen wollte: Ix sch.
    nach 1588 LuxembW. 471
  • taubhaͤusser auff steyler oder pfeyler auffzurichten ... seindt gemeinlich den hochgerichts herrn zugehoͤrig
    1599 LothrLbr. VI 5
  • wirdt S. dass gericht vnd ein hauss vff vier steyllen, so hoch, dass man mit einem wagen hew hindurch fahren kann, zuegeweiset
    1609 Untermosel/GrW. II 440
  • ein man, der bauwen will, der sall gehen zu dess hern meyer vnndt sall begehren zu steuwr seines bauwes ein first, ein padt vnndt ein steill 
    1653 Obermosel/GrW. II 272
  • [von zäunen, planken und scheidewänden:] kann nicht ausgemittelt werden, wer der eigenthümer einer solchen scheidung sey, so wird bey planken derjenige, gegen dessen grund die stiele, ständer oder pfosten derselben stehen, für den eigenthümer geachtet
    1794 PreußALR. I 8 § 154
IV Grenzpfahl
  • das bey dem obersten Ilßborn ein steill ... darumb ist gesetzt worden, daßß sowoll die von R. als F. doselbst ihr vieh zu trencken befugt sein sollen
    1585/88 PfälzWB. VI 497
  • wäre nöthig, daß ein stein oder steyl gesetzet werde
    1756 PfälzWB. VI 497
unter Ausschluss der Schreibform(en):
unter Ausschluss der Schreibform(en):

steil

, adj.

stark ansteigend (vom Gelände)
  • sollen hinkuͤnfftig ... die teiche von obenwerts, auff und an beeden seiten, ... in guter proportionirlicher flaͤche, nicht aber holl oder zu steil verfertiget ... werden
    1693 BremPolO. 75
  • kommt ein wagen von einem berge oder von einer steilen anhöhe herunter, und ein anderer wagen fährt hinauf: so ist der letztere jederzeit zum ausweichen verbunden
    1794 PreußALR. II 15 § 31
unter Ausschluss der Schreibform(en):
unter Ausschluss der Schreibform(en):