Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Stempel

Stempel

, m., Stempfel, m.

glossiert pilum AhdGlWB. 591

I Typar, Siegelstempel, Punze mit eingraviertem Bildmotiv, Schrift- oder Zahlzeichen

I 1 Typar für den Nachweis entrichteter Zahlungen an den Fiskus
  • [die Fassinhalte soll der vmbgelter] vberschlagen vnnd mit wachs vnnd einem stempffel die boͤden ... verzeichnen, auch ... kein wuͤrth ausser einichem faß, es seie dann zuuor also bezeichnet, nicht schencken
    1592 Reyscher,Ges. XVII 1 S. 87
  • wann unter-bediente sterben, muͤssen die accise-einnehmer die denenselben anvertrauete staͤmpel und siegel so gleich, zu verhuͤtung des mißbrauchs, zuruͤck fordern
    1736 CCMarch. IV 3 Sp. 458
  • die auf den nichtgebrauch ... des stempels bestimmten strafen sind auch auf den karten- ... stempel ... zu verstehen
    1784 HdbchÖstGes. VII2 700
  • die kapitalaufkündigungs-gegenstände, somit auch die dießfälligen amtsberichte haben dem gebrauche des stempels ... zu unterliegen
    1803 Kropatschek,KKGes. XVII 133
  • vom gebrauch des stempels sind ausgenommen: alle das allgemeine staatswohl und unser hoͤchstes landesherrliche interesse angehende sachen
    1805 Reyscher,Ges. XVII 1 S. 706
I 2 Typar für die amtl. Bestätigung einer vorgeschriebenen Qualität
  • ein wardin zu S. sol ... die von denen goldschmiden ... verferdigte arbeit fecken und probieren, ob selbe auf 13 lod haltend gearbeitet, und auf befinden mit dem jhme behändigten stämpfel bezeichnen
    1593 LuzernSTQ. IV 393
  • daß hienfuͤro keine silber für gut vnnd gerecht sollen ... allhie verkaufft werden, sie seyen dann der allhiesigen prob vnd dem new auffgesetzten vnd approbirten stämpfel wegen der dreyzehen loͤtigen silber, so neben anderen nunmehr im reich fuͤr paßierlich gehalten vnd verkaufft werden, in allem gleich- vnd der gestalt, just vnd gut befunden
    1628 StraßbPolO. 75
  • daß alle wahren, ... auf dem pack-hause besichtiget und eine jedwede art, nachdeme es fein, ins mittel oder grob ist, mit besonderen dazu verordneten stempeln bemaͤrckt werden sollen
    1669 SammlLivlLR. II 510
  • [bei silber-waaren soll] was die 12. loͤthige probe nicht haͤlt, mit einen besondern stempel und der numer, wie viel loͤthig es ist, bemercket werden
    1721 AltenburgSamml. I 248
I 3 Typar zum Eichen von 1Maßen (I) und Messgeräten
  • wir hand och der statt staͤmpfel vnd brenn zeychen. dz alles hand die vaͤchter in iren handen
    1505 BruggStR. 111
I 4 Typar für die Unterscheidung zwischen legaler und illegaler Ware
  • sollen die weißgerber mit den haͤuten und zetteln sich bei dem magistrat ihres orts anmelden, und die haͤute mit einem gewissen stempel ... bemerken lassen
    1743 HalberstProvR. 221
  • daß aller tabak unseres pächters, ehe ... derselbe aus deßen magazin kommt, mit einem gewissen bley oder siegel bezeichnet, und ... ein stempel oder pettschaft davon zu dem ende deponirt werden solle, damit man solchergestalt den unterscheid des erlaubten und verbothenen tabaks ... ausfündig machen ... möge
    1752 Gerhard,SaarbrSteuerw. 192
I 5 Typar für den Nachweis des Eigentums an einer Sache
II mit einem Stempel (I) hergestellter Abdruck

II 1 Stempelabdruck zum Nachweis entrichteter Gebühren und Abgaben; unterschiedliche Stempel zeigen die jeweilige Höhe der Zahlung an
  • sall der bergman niet dae van geven, dan unsern g. hern synen gepurlichen zienden, als van 20 ziender eynen, und [soll beim Wiegen] van jedem ziender dem hern ain dem stempel, so auf dat bley geslagen, einen albus zukommen
    1567 ZBergr. 17 (1876) 350
  • da sich ... einer understunde, einen solchen stempel [auf Spielkarten] nachzumachen ... der soll noch absonderlich an leib und gut als ein falsarius gestrafft werden
    1692 CAustr. I 110
  • daß jedes spiel tarroc-karten à 12 kr. und das spiel derer uͤbrigen karten à 6 kr. fuͤr den staͤmpfel taxirt werde
    1757 SammlBadDurlach II 31
  • [dass] der staͤmpfel zu respective 12 und 6 kr. mit schwarzer drucker-farbe auf die rechte seite der [Spiel-]karte ... abgedrukt ... werde
    1757 SammlBadDurlach II 31
  • hat dann der stempel zu 2 f., 1 f., 15 kr. und 3 kr. seinen anfang genohmen, dann vorher keine andere als zu einem process gehörige instrumenta, und diese nur bloss zu 3 kr. haben gestempelt sein därffen
    1762 SteirGBl. 5 (1884) 162
  • alle assecuranzen muͤssen auf einer police, durch einen stempel von sechszehen groschen gestempelt, gezeichnet werden
    1765 PreußSeeR. Beil. S. 221
  • urkunden, bei welchen die bestimmung der klasse des stempels aus dem werthe des gegenstandes fließt, worüber sie außgestellet werden
    1784 HdbchÖstGes. VII 591
  • juden, die sich verheirathen, ohne den trauschein mit dem vorgeschriebenen stempel gelöset zu haben
    1794 PreußALR. II 20 § 272
  • wenn der vasall bloß einfach adelig ist, muß ein staͤmpel von 4 fl., fuͤr den fall, daß derselbe sich im ritterstande befindet von 7 fl. ... zu den lehenbriefen, lehen-indulten und reversen genommen werden
    1811 Heinke,NÖLehenR. I 149
  • die ehemals verbotene einfuhr fremder spiel-charten ist gegen die aufdruckung des stempels ... erlaubt
    1815 WirtRealIndex I 242
II 2
Stempelabdruck als individuelles Handwerkerzeichen, auch Herkunfts- oder Herstellerzeichen auf einer Ware
  • soll ein jeder meister alhie seine wahren von klarem zinne oder manguete gut machen, als ... ihre prob eines stuck zins mit eines jeden itzigen meistern stempel bezeichnet auf die cämerey hinderlegt ist worden
    1597 LünebZftU. 120
  • so haben wir [Kurmärkische Kammer] ... an die hiesige accise-direction rescribiret ... der judenschaft ihre waren mit besiegelung eines besonderen stempels zu verschonen
    1748 Stern,PreußJuden III 2 S. 204
  • daß ... ein jeder goldschmied schuldig seyn soll, sowohl der stadt als seinen eignen stempel, auch seinen namen auf seinen arbeiten zu setzen
    1788 Gadebusch,Staatskunde II 88
  • [hat] auch ein jeder ... fabricant seine nach Baiern versendete waaren ... mit seinem eigenen signet oder stempel zu bezeichnen
    1788 KurpfSamml. IV 1057
  • inlaͤndische zeugwaaren sind, nebst den gewoͤhnlichen bleyernen zeichen, noch mit einem besondern runden stempel in siegellack zu bezeichnen
    1794 Schwarz,LausWB. V 189
II 3 Stempelabdruck als Prüf- und Gütezeichen einer amtl. Qualitätskontrolle von Handwerkserzeugnissen
  • belangede die breide der boemsiedenn ... so jenige stucke, ore rechte breide nicht hieltenn, sall mann die copieren vnnd schlaenn darup denn stempell tho small, vnnd van dat stuck tho brocke tho geuen 1 schilling
    1588 Crone,GildenCoesfeld 66
  • eine mit dem naͤmlichen stempel signirte leinwand
    1755 SammlKKGes. III 199
  • ein jedes verfertigtes stuͤck ... tuch muß ... von den beeidigten schaumeistern besehen ... werden, ob es der vorschrift gemaͤß ... gearbeitet sey, worauf es mit dem stempel versehen wird
    1786 Gadebusch,Staatskunde I 64
II 4 Stempelabdruck als Eichzeichen
  • sollen ... auf die gerechten wag, mass vnd ellen seiner furstlichen genaden stempfl oder zaichen und der stat zaichen miteinannder geschlagen werden
    1506 MittSalzbLk. 5 (1865) 237
  • alle kannen von 3 pegelen, so der stadt stempel nit haben, sein confiscirt und verfallen
    um 1700 JbOldenb. 17 (1909) 216
III mit einem gebührenpflichtigen Stempel (II) versehenes Papier für die Ausstellung best. Dokumente
  • daß einem jeden zugelassen seyn soll, groͤssern stempel zu gebrauchen, wo es die sache erfordert, aber keinen geringern
    1686 SammlLivlLR. II 1017
  • wenn jemand eines geringern stempels sich gebrauchet, als nach obbedeutetem reglement sich gebuͤhret, derselbe soll viermahl so viel buͤssen
    1690 BremPolO.(1732) 289
  • dem gerichts-aktuario wird vierteljährig ein ... vorschuß aus der sportel-casse gereichet, wofuͤr er das bey dem gerichte noͤthige stempelpapier liefern, und bey schluß jeden quartals das verzeichnis der in diesem quartal verbrauchten stempel einreichen muß
    1796 Terlinden,Registraturwiss. 166
IV Prägeeisen zum Aufdrücken des Münzbilds auf einen Münzrohling
  • solliche falsche muncze, als geslagen ist uff unsers herren des herczugen muͤncze der pfennige, daz er dar an ein rechter anheber und ein houpt gewesen ist und hat auch den stempell zu P. důn graben
    1421 MWormat. 347
  • alle de tyd, dat gy suluen iuwen pennynk vppe deme stempel nicht vorergeren, so en is nen kopman, de iwen pennynk myt bate kan wech voren vnde vmmesmelten
    nach 1424 LübUB. VI 754
  • so en nemet gy van dem penning vp dem stempel nene bate, alle dat gewin, dat gy van der munte nemen, de kumet vt juwes sulues gude
    nach 1424 LübUB. VI 755
  • ein wardin, so die stempffel hātt, sol schweren, die stempffel und jsen hinder jme ze beheben und dera tru̍wlichen ze wartten
    1490 LuzernSTQ. IV 494
V Münzbild, mittels eines Stempels (IV) hergestelltes Gepräge auf einer Münze
  • alsz de van Luneborch ... bynnen Lubeke under deme lubeschen stempel lubesche gulden to ereme behoff wol hadden munten laten
    1494 HanseRez.3 III 188
  • wer aber unter landesherrlichem oder einem andern im lande gesetzmäßig cursirenden stempel ... eigenmächtig münzen prägt oder gießt, ... hat vier- bis zehnjährige festungsstrafe verwirkt
    1794 PreußALR. II 20 § 254
  • bloßen betrug gegen den staat ... begehen diejenigen, welche unter oͤffentlichem stempel muͤnzen schlagen, welche sie nicht schlagen duͤrfen
    1798 Grolman,KrimRWiss. 314
VI ein pommerischer Doppelschilling; wegen Münzverschlechterung mit einem Gegenstempel versehen und im Wert herabgesetzt
Sachhinweis: Schrötter,MünzWB. 660
  • staͤmpel ist eine pommerische silbermuͤnze, der 30 auf einen rthlr. gehen
    1757 Estor,RGel. I 1144
VII Holzeisen, Schlagwerkzeug zum Kennzeichnen der Bäume für den Holzeinschlag
  • vor den stempell, wohmit die waldt- oder wahrzeichen geschlagen und daß darzu erforderte bley 2 rthlr. 21 gr.
    1700 GJagdSauerland 37
VIII Druckstempel zum Aufdrucken von Farbmotiven; in der Tapetenmanufaktur
  • stempel: ... kleine formen, womit jede farbe und schattirung in die umrisse der stempelformen abgedruckt wird ... so vielerley farben in einer figur vorhanden sind, ebenso viele stempel mussen auch vorhanden seyn, indem jede schattirung besonders hintereinander eingedruckt wird
    1784 Jacobsson,TechnWB. IV 286bf.
IX in Stampfmühlen: senkrechter Stoßbalken zum Zerstoßen des jeweiligen Materials
  • verkauft seine papiermühlin zue A. ... mit redern, prunnen und stämpflen 
    1597 SchwäbWB. V 1628
  • eine ... grosse muͤhl mit vielen laͤuffen (oder gaͤngen) und staͤmpffeln 
    1689 Valvasor,Krain I 608
  • es ist unß ... der papirer geleidet worden, daß er an den sontagen in währendem predigen die stempfel gehen lasse
    1698 SchweizId. XI 486
X Stößel, Mörserkeule
  • wo einer wieder auß solchem amt ziehet ... so soll der haben vnd fueren vff seinem wagen ein hawen, ein wanner, ein stempfel, ein sester
    1507 Alsatia 1854/55 S. 80
  • wann er [bullfferstampffer] ettwas unässigs stoßt ... sol er die mörsel und stempffel allwegen wider ußweschen und sübern
    um 1600 LuzernSTQ. IV 281
XI Traubenstampfer
  • grosse bodingen, ... darein werden die trauben ... mit hoͤltzernen staͤmpfeln gemostelt
    1682 Hohberg,GCA. I 351
XII ein Werkzeug der Steinsetzer, mit dem die Pflastersteine eingepasst und festgedrückt werden
  • sollen die pflaͤsterer ... niemal ohne stempfel auf die arbeit gehen
    1768 Reyscher,Ges. XIV 835
XIII
Ladestock einer Feuerwaffe zum Festdrücken des Pulvers
  • geschos: ... 1 grose steynbuchse. item an buchsensteynen und an stempeln 1 gute notdurfft
    1435 DOrdGrÄmterb. 663
  • dre stempele, darme de bussen mede ladet
    1466 HildeshUB. VII 661
  • vor twe olde radbende vor dat iserwerk, dat quam to der nigen karbussen, dar de 10 bussen uppe sin, vor 4 hemere to den bussen unde vor 3 stempel unde vor 4 lutke stempel to den hakelbussen ... 7 p. 6 s.
    1478 HildeshUB. VII 690
  • es soll auch jeder schütz sein bichsen also laden, daß er die kuglen richtig von freyer handt ohne kurze stämpfel hinab stoßen möge
    1722 SchweizId. XI 486
XIV im Bergbau: Grenzzeichen zwischen Grubenfeldern 
  • mon sol den selbenn stempel [dh. marschafft stempell] czaichnen mit einem creucz
    1492 KremnitzStBR. 50
XV im Bergbau: Stützpfosten, Ständer zur Sicherung einer Grube (II 1) gegen Einsturz
  • ist aber ein paw, daz stempel vnd ioch hat vnd nicht kluft, pawt er [Inhaber des Berglehens] daz nicht in dreyen vierczechen tagen, hat er sein recht verloren
    1336 Zeiring/SteirGBl. 2 (1881) 170
  • wer ainen newfund verveht mit seinen rechten ... dieweil er nit joch und stempel geseczt hat in seine paw, der hat nit lenger frid ... wenn drei tag
    1. Hälfte 14. Jh. Salzburg/ÖW. I 197
  • das auch das perkhho[l]z ... in rechter groͤß und leng ordentlich gemacht, und ... ainem jeden nach gelegenhait seiner pew, an pfaͤln, stempeln, stengeln ... eingegeben ... werde
    1532 SalzbBergO.(Lori) 222
  • ein offner neuschurff ... hat nicht laͤnger dann viertzehen tag frey-recht, darnach soll der ... mit joch und stempel ... verfangen und eingenommen werden
    1553 FerdBO. Art. 23
  • stempffel palus
    1557 Agricola Glossar
  • stempel: starcke hoͤltzer uff beyden seiten tieff eingeschnitten, so zwischen die wandruten und anfaͤlle getrieben werden
    1693 Schönberg,Berginformation Anh. 91
XVI Stütze, Bein, Fuß an einem Möbelstück
  • stympel, stoll, pes, pedis
    1477 Schueren 260a
  • ist aber [für die curmuth] kein rintviehe, geysz, bock, schaaff oder schwein vorhanden ... undt wehren nur zween stuhl im haus, einer mit vier stempelen, der ander mit drey stembel, sollen sie macht han, den vierstemplichen zu nehmen
    1669 LuxembW. 504
XVII Halm
  • stipula ... stempffel 
    1466 DiefenbNovGl. 349a
  • was idt so ein dröge sommer ... dadt ... dat sommerkorne vorwelde vp dem stemmel 
    1615/64 Sierk,BauernChr. 69
unter Ausschluss der Schreibform(en):