Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Stifter

Stifter

, m.

auch latinisiert

I Gründer, Initiator, Erbauer (zB. einer Stadt); auch als finanzieller Unterstützer; offen zu II 
  • unserr universitet, der wir aufpringer und stifter sein
    1365 WienRQ. 166
  • alsus fur der herre von Safoy gan Bern, ... wolte ... stifter und ortfrumer sin der stat
    1420/30 Justinger 19
  • dat se yo bilker mer gunstiger unde vordeliker deme orden wezen schulden, wente ze medehulppere unde stichtere eres orden mit den van Bremen erstes gewest hadden
    1421 HanseRez. VII 222
  • welcher denn in der gesellschafft verarmet durch gefengniss, in haubtstreit u.s.w., dem will der stifter [der St. Hieronymus-Gesellschaft] sein lebtage bequeme notdurfft geben
    1450 Storn,Schwureinungen 319
  • vnser statt handueste, die vns von ... Berchtolden, herzogen zu Zeringen, wilend vnsern gnedigen hern stifter gegeben
    1503 FreiburgÜStB. 4
  • stiffter dieser loblichen gesellenzunfft unnd innung sein gewesen die erbare ... meistere G.T., H.N. und C.L., alle meister des kleinschmiedehandtwerkes unnd einwhoner der königlichen stadt R.
    1583 Stieda-Mettig 446
  • anfenger und styffter der statt
    16. Jh. ThurgauUB. II 78
  • zeit koͤnigs Woldemari, stifftern dieses lowbuchs
    1717 Blüting,Gl. I 5
II Geber einer Stiftung (II), Urheber einer Stiftung (III); auch: Nachfahre, Rechtsnachfolger eines solchen Stifters, dem wie dem Stifter best. Rechte und Pflichten, etwa hinsichtlich Präsentation (I) und Schirm (I 2) zukommen können
  • das sy wurden geheissen ... die furnemisten stiffter diss gotzhuss
    1194/1226 Urkundio II 2 S. 9
  • von der benne wegen, die si hand von dem stifter von alter, win ze schenken ze sant martins tag ... das wir da frúntlich vnd lieplich mit enander verricht vnd verainet sigint
    1267 Schaffhausen/CorpAltdtOrUrk. I 153
  • were aber nv daz, daz selbe kloster ieman biswarti alde einis andern ordens twingen wolte daz sol ich vnd min nachomen, deͥ stifter, heizent schirmen
    1294 Luzern/CorpAltdtOrUrk. III 167
  • wiͤr [abptessinn] ... verjehen an disem prief, daz wiͤr ... nach unser stiftaͤr rat einen halben weingarten ... dem beschaiden mann R. ... lazzen haben ze rechtem půrkrecht
    1303 SPöltenUB. I 211
  • nach vnserm tode schuellen si vnser ... pyschof ze B. gedenchen vnd gedechtnuͤzze haben jerleichen ie an dem tag, als wir verscheiden sein, mit vigilige vnz mit selmesse in aller der weise, als si die begent andern des selben gotzhaus stiftern 
    1334 OÖUB. VI 135
  • so suln wir [Konvent] alle jar ... begen seinen jartag mit messen ... alz wir die begehen unsern stifftern 
    1362 OÖUB. VIII 84
  • wär aber daz sie [pfarr ze S.] den iartag iärlich nicht begiengen so hat der stifter ... vollen gewalt das halb pfunt gelts ze geben armen lewten in der burger spital
    1401 MittSalzbLk. 13, 2 (1873) 4
  • wenn man der stiffter jartag begat ... als man die gotberat geyt in daz ober spital, alz denn sol man ouch dieselben spiz, trank und prot geben den brůdern, alz man dann den andern geyt
    1445 AugsbStR. S. 279
  • [de prestere der twier commenden schoͤlen vorplichtet syn] voͤr des ... stiffters, siner eldern ... selen treweliken to biddende
    1520 Staphorst,HambKG. I 2 S. 341
  • wo pfründen weren de iure patronatus ... und die stifter ... noch zur zeit die gnade nicht hetten, unser christlich furnemen zu verstehen und ihre lehen in gemeinem gotteskasten zu heben nicht gesinnet weren, wöllen wir noch ein zeitlang geschehen lassen ... auf das niemands gezwungen werde
    1536 Hannover/Sehling,EvKO. VI 2 S. 1002
  • wan sich solche lehn durch absterben der itzigen inhaber und priester vorleddigen ... [sollen] solcher lehn und gestifte aufkomen nit zu der stifter oder ihrer erben nutzungen, sunder zu weiter enhaltung der kirchendiener, studenten und armen leuten hinfurt gereicht werden
    1542 Wolfenbüttel/Sehling,EvKO. VI 1 S. 16
  • gůde... die deme clostere zu S., da mide daz ez gestifft wart, gegeben unnd im auch bestidiget sint von irn alden stiftern, als die briefe haldint
    1556 DOrdHessenUB. II 616
  • wann ein ... geistlicher ein verstift guet ... zu verkhauffen willens, solle er daßelbe des stifters negsten bluetsfreünden anfailen
    1599 NÖLREntw. II 3 § 1
  • also ist ... ein ieder selbst und stuͤfter eines gottshauß oder benificii, alß lang er sich damit anderstwohin nit anvogt, solcheß seineß stuͤfts rechter erbvogt
    1599 NÖLREntw. V 159
  • die intention derer stiffter solcher stipendiorum ... dahin ... abgezielet, daß die studirende arme, aber mit besondern ... fähigen ingeniis versehene jugend aufgemuntert ... werden solle, etwas tüchtiges und rechtschaffenes zu erlernen
    1722 HannovGBl. 8 (1905) 224
  • der stifter [machte] den stipendiaten noch verbindlich, nach absolvirten studien eine theologische disputation selbst auszuarbeiten und zu vertheidigen
    1786 Gadebusch,Staatskunde I 126
  • hat aber der stifter in allgemeinen ausdrücken, zum besten seiner verwandten ... verordnet: so nehmen auch verwandte weiblichen geschlechts, und die durch selbige zu der familie gehören, an der stiftung theil
    1794 PreußALR. II 4 § 37
  • wenn der stifter einen religionstheil allein beguͤnstigen wollte ... [muß] genau nach seinem willen gelebt werden
    1806 Roman,BadKirchR. 5
III
Ahnherr, Stammherr (I) 
  • der dritte [Sohn] ... ist der stifter der simmerisch- und zweibruͤkischen linien
    1784 Bachmann,PfalzZwbrStaatsR. 111
  • in primogenituren gelangt zufoͤrderst der erstgebohrne sohn des stifters, mit ausschließung aller seiner nachgebohrnen bruͤder, zum besitz des fideicommisses
    1793 Pütter,ErörtStaatsR. I 323
  • vermöge dieses rechts auf selbstgesetzgebung sind bestimmungen, welche entweder vom stifter oder vom ersten erwerber ... gemacht wurden, auch für die nachkommen so lange verbindlich, bis daran durch den übereinstimmenden willen jener, welche in einem gegebenen zeitpunkte die familie ausmachen ... etwas anderes festgesetzt wird
    1804 Gönner,StaatsR. 454
  • hat ... der stifter ausdruͤcklich verordnet, daß nach erloͤschung des mannsstammes das fideicommiß auf die weiblichen linien uͤbergehen soll; so geschieht dieses nach der fuͤr die maͤnnliche geschlechtsfolge vorgeschriebenen ordnung
    1811 ÖstABGB. § 626
IV Anstifter, Aufwiegler, Rädelsführer
  • daz die svnden gifter / vnd dez meines stifter / bekennen also verre
    1293 Langenstein,Martina 105 V. 44
  • das ... die von Zürich des houptsächer vnd stiffter mer dann wir gewesen sint
    1444 EidgAbsch. II 176
  • [schmeschrifft:] der schryfft stiffters vnde dichters belangende
    1546 MLiv. IV 29
  • welcher ... ainen anfaͤnnger oder stiffter der aufruren vnd empoͤrungen, oder dergleichen haimlicher boͤser conspirationen, vnns ... anzaigen ... wurde, dem [werden] ... dreyhundert guldin bezalt
    TirolLO. 1573 IX 17
  • der raht ... ließe etliche von den stiftern mit dem schwert richten und ward der aufruhr gestilt
    Ende 16. Jh. MagdebChr. II 103
V wie Stiftsherr (III); auch: Vertreter des Stiftsherrn, der stiftet (XIV) und abstiftet (I), das Stiftteiding leitet; formelhaft: Stifter und Störer Inhaber des Rechts zu stiften und abzustiften
  • daz wir [chloster] ouf dem selben gůt schulen sein recht stifter vnd storer, so mit beschaidner rede, daz wir daz dienst iærchleihen schuln abnemen ze den vorgesprochen tagen vnd in anturten vnz an ir beder leibes ende
    1296 NÖsterr./CorpAltdtOrUrk. III 534
  • ipsi domini de N. erunt iusti tutores et destitutores, quod vulgariter stifter vnd storer dicitur
    1301 KlosterneubStiftUB. I 74
  • dis ist die offnung vnd twingsrecht zuo W. als vnser stifter graf H.v.R. koft hat vmb sechshundert vnd lx mark silbers von graf H.v.T. mit aller zuogehörd ... mit lechen, mit lüt und guot
    15. Jh. Argovia 4 (1864/65) 252
  • aber fragt der stiffter, was recht hintz den sey, die ir nachpawrn nit rüegen, die da schlaipfige vnd vnpawliche güter haben? die selben sind meinem herrn schuldig den schaden ab ze tůn, vnd güter wider pawlich legen
    15. Jh. Tirol/GrW. III 728
  • wann ain erb von dem landt geriett vnd das vrbär nit stifftlich hinder im liess, da mit der herr des dinst dar ab bechömen möcht, so mag der stiffter oder der herr das vrbär mit ainem andern pawman wol bestifften
    15. Jh. Tirol/GrW. III 728
  • die amptleut oder stifter die schüllen melden: welcher nicht nüzleich oder peuleich sei zu haus oder zu veld oder nicht gehorsam sein, pei der pen der erstattung
    15./16. Jh. Steiermark/ÖW. VI 223
  • wann einer ein vogthei zweiunddreissig jahr in ruhiger possess oder gebrauch gehabt, ob er schon darumben das es ein erbvogthei seie nichts schriftliches fürzuweisen, so soll es doch für ein erbvogthei gehalten werden; es wäre dan, das der grundherr oder stifter mit brieflichen urkhunden oder in andere weeg genugsamb beweisen oder darthuen möchte, das es allein ein bettvogthei seie
    1654 NÖLO. V 2, b § 4
  • wem in unserem burgfriet ein haus ... ân brief umb geltschuld versetzt wirdt, der soll jährlich auf sein pfant rügen vor dem stüfter und stärer, anderst das pfant wirdt dem rechten ledig
    17./18. Jh. NÖsterr./ÖW. VIII 609
VI wie Stiftsmann (II); auch: Pächter, Entleiher
  • zwischen G. 17 mansi, styftarius habet vnum
    1220/30 SteirUrb. 12
  • wan einer ... zur stift ainen stifter stellt ... so mag er frei ziehen
    1580 Steiermark/ÖW. X 140
  • es soll die stiftzeit [der bierzapfler-real-gerechtigkeiten] nicht uͤber 12 oder mehr jahr andauren, auch das stiftgeld ... sich nicht ... uͤber 12 bis 18 fl. erstrecken, damit der stifter nicht ursach habe, das uͤbermaaß zu præjudiz des churfuͤrstl. interesse mit verfaͤlschung des biers wiederum zu erholen
    1737 KurpfSamml. IV 606
  • locatio, conductio heißt, da man etwas um ... lohn zum gebrauch verleihet ... und pflegt derjenige ..., welcher den gebrauch hierum hat, conductor oder dinger, stifter ... genannt zu werden
    1756 CMax. IV 6 § 1
VII Arbeiter in einem Steinbergwerk, der Löcher in das Gestein bohrt zur Abspaltung von größeren Abbrüchen
  • es soll ... ieder stiffter oder beräumer, so in diesem grunde [Steinbruch] arbeiten will, gantze innung geben
    1660 CAug. II 346
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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