Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): Stoß

Stoß

, m.


I Hieb, Schlag (I) gegen eine Person; auch die hierdurch zugefügte Körperverletzung
  • de stimulo impetuose armis seu manibus violentis in alium aliquem facto quod vulgo dicitur stuet 
    1175 CartSTrond I 125 [hierher?]
  • geschit ein urhap in dem wicbilde zu V. von besezzenen luten, daz sich di werren mit einander mit worten, mit stozene, mit hantslane ... welcher alrest kumit zume richtere unde klagit ... der beheldet di ere clage
    um 1300 FreibergStR. VIII § 1
  • begriffet man keynen man in eynes mannes huisz by syme elichen wibe an der waren schulde ... an den sal des wibes man keyn arg legen mit schlegen ader mit stoissen 
    um 1350 KlKaiserr.(Hs. Corvey) II 22
  • ane vleischwunde mach ok en man den anderen doden oder lemen mit slegen oder mit stoten oder mit werpene ... dar he sine hant oder sinen lif an verboret
    1369 (Hs.) SspLR. I 68 § 4
  • verwundet en user borghere anderen mit kampordighen wunden oder belemet he ene mit sleghen oder mit stoten, so scal de rat den vredebrekere vervesten laten to twintich iaren
    Ende 14. Jh. GoslarStR. II 1 § 142 e
  • worde he vorvluchtich umme desse vorscrevenen sleghe, stote edder worpe, men scal ene vredelos leggen
    1433 BremRQ. 225
  • senter slecan iefta stetan twischa tha lithe iefta vr tha lithe on tha erme, sa scrift ma tha lessa lemet bi xxiiij scillingum [gibt es Hiebe oder Stöße zwischen die Glieder oder über die Glieder des Armes, so verzeichnet man für die geringere Lähmung eine Buße zu 24 Schillingen] 
    1. Hälfte 15. Jh. FivelgoR. 98
  • G. ist vmb ain sichtigen stoß, so er dem C. ... zu ainem aug zugefuͤgt, gestrafft
    1549 Peetz,VwStud. 358
  • [an die zent gehört] gefährliche schläg, stöß, wurf, hieb, stich und tritt
    17. Jh. MainfrJb. 13 (1961) 104
  • der fähnrich naht sich mit der fahne ... giebt dem supplikanten drei stöße auf das hinterteil des kopfes [zum Zeichen der Ehrlichmachung]
    1753 ArchKulturg. 5 (1907) 206
  • sie war ... der schläge, stöße und mißhandlungen ihres ausschweifenden mannes überdrüssig
    1795 BambBer. 99 (1963) 338
II Hieb, Schlag (VI) auf einen Gegenstand
  • da mit stiez er einen stoz / der porte daz sie gar zerbrast
    nach 1243 Ulr.v.Türheim,Rennewart V. 10718
  • es soll ainer ... vnder an den zaun, mitten in den zaun vnd oben auf den zaun jedes mal ain stoß, vnd also in suma drey stoß thuen. stost als dan der in solchen dreuer stössen khain loch darein, so ist der zaun fridbar
    16. Jh. MittSalzbLk. 54 (1914) 132
III Streit (I), Zwist; Streitigkeit, Uneinigkeit; auch: Streitfall, Rechtsstreit, meton.: Streitgegenstand, streitgegenständliches Grundstück
  • brief von der stöss wegen, so wir mit dem erwirdigen in got abt E. ... gehebt habind
    1267 SchrBodensee 13 (1884) 83
  • swas stoses, krieges oder iersami an disem koͮf beschaehe, ... das si daz beschaiden und verrihten son bi ir aide
    1282 SchrBodensee 34 (1905) 80
  • wer aber, daz die schidelüte deheinen stöz hetten, den svlent si ziehen an den oberman, der sol daz slichten
    1291 RappoltsteinUB. I 142
  • wrd aber dehein stos umbe dis sazzunge, daruber hoͤret enkein ander beredunge wand dirre selbe brief
    1297 ZürichUB. VII 11
  • der stos, der enswischan dem gozhuse von P. ... und ... des vorgenanten gozhuses voggete ze R. [was, ist gschlichtet]
    1299 Mohr,Cod. II 153
  • und geben in auch ze vnserm tail, mit disem brief, alle die stözze vnd aufläuffe ... ze richten
    1330 Kurz,AlbrLahm. 340
  • were aber keine stat zwischent in, die in disem bunde ist, so soͤnt sie den stos bringen vuͥr die nehste stat bi in, die oͧch in disem bunde ist
    1365 BaselUB. IV 264
  • daz sy ... gentzlich bericht wärint vmb alle die stöß vnd ansprach wegen, so sy mit inen gehept hand
    1380 FürstenbUB. II 316
  • ungern sehen [wir] kriege, stosse und zweyunge ... in dem riche
    1384 WormsUB. II 562
  • das wir üns genczleich vericht haben ... umb all die misshelung, chrieg, stozz und zuspruich die wir zu der egenanter stat ... gehabt habn
    1389 CDPatr. IV 225
  • viel hier enighen stoet in, dat houden die segghers tot hoire verclaringhe
    nach 1390 LeidenRbr. 28
  • overmits alderhande stoot, die inder baeliuusschep valt van pantkeringe teghens schepenen brieven
    1401 Fruin,Dordrecht I 59
  • das alle zwitracht, spen, stosse, krige und orlewge, auch aller kristen leute blutvorgissen sein königlich hertze grosz und swerlich betrübte
    1428 HanseRez. VIII 268
  • ob duͥ person, die abgangen ist und von ir erb der stozz ist, hetti verlaussen kind ald kinds kind ... die giengent fuͥr menglich an dem erb
    1430/35 IsnyStR. 196
  • zuo semlichen stössen die herren sollend zwen man geben vnd der verkoufer ouch zwen mann ..., vnd ob die vier nit eins werend, so sönd sy ein fünften nemen vnd soll die sach aber stan by irem erkanntnisse
    1457 Wettingen 234
  • möcht vier mann auf die stöß füehren und lassen besechen marckheden und alle sachen nach der khundtschafft sag
    1459 VorarlbAgrU. 79
  • daß desselben unsers gnedigen herren und der stat von T. frunde sich des gemelten stoeßes ... vertragen und vereyniget haint
    1460 TrierWQ. 419
  • wo ein geystlicher und ein weltlicher in stöss kämend, so sond beyt teyl, fryd und trostung nämen und gäben
    1524 GraubdnRQ. I 273
  • wo sich denn ein stoss macht zwüschen den gütern so in den hoff gehorent, den sollent der huober syben so in den hoff gehörend scheiden
    1532 Burckhardt,Hofr. 203
  • wann sich ... der alme wegen stöss und span zutragen, also das die inhaber der zinsbaren gütern wyter dann ir zil und march auf die almend gryffen wurden, ... mogind zwen oder dry unparteiisch ... landlüt darumb zügen und es bi der march, so si bezügen werden, beliben one widersprechen
    1560 JaunLR. 22
  • war der stois principalich, das sich die hoitmecher beclagten, die snider verkeuften etlichn kremeren und fremden die geregtigkeit des stofferens der hoede
    1586 BuchWeinsberg III 341
  • off hier ennich stoot in viell, dat sall staen ter claringen der burgemeisteren, schepenen ind raitz
    16. Jh. NijmegenStR. 382
  • welcher zů einem stoß, gestüchel oder mißhäll gath ... wan es sich ... erfunde, das er parthyisch gescheyden hette, so soll er zächen pfund pfennig zebůß gäben
    1620/21 BruggStR. 218
  • welche person ein stoss anfahet ... mit worten oder werken, solche person soll frefel verfallen sein und gestraft werden
    1711 OberhalbsteinLB. 148
IV
Schubs, Wegschieben einer Person; insb. im Rahmen einer Ausweisung
  • [Übergabe eines Gefangenen an einer Grenze:] habend etwan 2 schritt darvon des Hessen band aufgelösst und mit einem stoss auf den ruggen selbigen übergeben
    1717 SchweizId. VI 781
  • [wegen holz- und fisch-stehlen ist S. relegirt] und ihme der gewöhnliche stoss über die hohe jurisdictions-marck hinaus gegeben worden
    1768 SchrBodensee 28 (1899) Anh. 432
  • ist A. ... nach ihren angewohnten schand- und lasterthaten ... eine halbe stund offentlich fürgestellt, und endlichden nach abgeschworener urphed der herrschaft B. auf ewig verwiesen und mitten auf der Hartbrugg mit gewohnlichem stoss verbannisiret worden
    1768 SchrBodensee 28 (1899) Anh. 435
  • der torwärtl schließt ihnen [suspecte personen] die eisen ab und giebt denen personen gegen dem landgerichte einen stoß und sodann übernimmt sie der landgerichtsdiener
    18. Jh. Steiermark/ÖW. X 168
V bei der Strafe des Räderns: Schleudern des Rades (II) auf den Verurteilten
  • wan man ein mörder redern wil, so stoszt man im alle seine glider ab, ... darnach legt man in vff den buch vnd stoszt im den rücken entzwei ... der stosz heiszt ein gesellen stosz
    1522 Pauli,Schimpf 273
  • de ander, de is mit dem rade 37 stote gestot vnd darna darup gelecht
    16. Jh. HambChr. 127
  • [Scharfrichterlohn:] so man mit dem raad gericht von jedem stoß ... 20 kr.
    1693 Schuhmann,Scharfrichter 138
  • [der landes-verraͤter] kriegte ... mehr als 14 biß 15 stoͤsse, ... weil es ein unerfahrner scharff-richter war
    1720 Lünig,TheatrCerem. II 1434
VI Almanteil; Einheit für den Ertragswert einer Alm; entspricht der Weidefläche, die eine ausgewachsene Kuh während der Sömmerung (I) benötigt
  • nach abrächnung der winterig uf die gmeinen alpen zu den vorgenampten zwei und drissig stössen ... ze faren und ze senntnen
    1594 GasterLsch. 384
  • es sol auch ein zyt haupt für einen stoß, zwey mäß haupt einen stoß, vier kalber ... für einen stoß geachtet ... werden; es sollend auch fünf stöß einen tagman haben
    16. Jh. SGallenOffn. II 448
  • matten, wiesen und weyden, welche alpen genennen werden, ... werden in dem glarner-land gewohnlich eingetheilet in sogenannte stoͤsse, und fuͤr einen stoß eintweder eine kuh oder zwey junge rinder oder siben schaaf ... gerechnet
    1728 Leu,EidgR. II 101
VII (Geld-)Rate, (einzelner) Zahlungsvorgang; insb. bei einer Ratenzahlung
  • du habest von mir geseit, min swager habe N. in zwey stossen vierunddrissig pfund abgewonnen
    1486 SchweizVk. 38 (1948) 78
  • daß villen lütthen von khöuffen wegen ligender stucken, so dieser oder jhener umb bestimpte stöß und bezalungen an sich bringt, und aber dann ... in erleggung eines oder meer stössen sümig ist, grosse unträgliche beschwärtd, schaden und verlurst uffwachst
    1569 BernStR. VII 1 S. 697
  • wo einer erbguot auf einer matten oder guot zu fordern hat, vnd kein anbedingte abloßung darumben verschriben, solcheß erbguoth [solte] ... mit parem gelt in zweyen stössen ablößlich sein solte
    1717 SchwyzLB. 190
  • soll hier niemand an gält gestrafft werden, es soll auch von einer pärsohn auf einmahl in pfunden nicht mehr bezogen werden dan zehen pfund, und in stösen oder züggen nicht mehr dan acht
    1767 SchweizArchVk. 36 (1937/38) 45
VIII Stapel (XII), aufgeschichteter Haufen (best. Größe); auch als Mengenmaß für Holz
  • sol ihr volgen alle das getreyde in dem hause, keins ausgenommen, und daczu zweene stösse holz, und daran sol sich die obgenante frawe B. lassen genugen
    1434 SchlesDorfU. 52
  • die, so mit holtz vmbgehn ... die sollen das also setzen, das ein halber stoß furderlich an der lenng 15 statt schueg soll haben
    1497 Will,Altdorf 354
  • wer forthin holz in stössen aussezzen lassen wil, sol also gesetzt werden, dass man hinten und vorne um die stösse gehen und die besichtigen kan; ... und sol niemand stossholz verkaufen, es sei denn mit der stadt zeichen gemerket, ... durch die geschworne stossmesser gemessen und gezeichnet
    1510 ScrRSiles. III 212
  • das sich der schulmeister und collaboratores selbst bekosten, ausgenommen drei stosse holz, die sollen vor yde schule auf aller heiligen ... gefurt werden
    1528 Schlesien/Sehling,EvKO. III 397
  • [fuhrlohn:] von einem stoß, so sechs klafftern haͤlt, hart floͤßholtz, zu Z. vom anger in die stadt zu fuͤhren 14 groschen
    1623 CAug. II 868
  • die sämmtlichen robotsamen bauern sind schuldig, wöchentlich 1 stoss holz zum hochf. stift anzufahren
    1743 SchlesDorfU. 291
  • ueber die ordentlichen proceßsachen aber ist ein besonderes protocoll zu jedem stoße der manualacten in der form eines judicialprotocolls abzufassen
    1790 Thomas,FuldPrR. III 278
IX ein Raummaß (für Stein)
  • kalk-steine ... sind verkauft worden ... 3 stoß, 3 vtl. mens. mart. 1728
    1732 CAug. Forts. I 3 Sp. 105
  • in K. wird das brechen [des kalksteins] an einen steinbrecher nach stössen verdungen ... ein stos hat fünf ellen ins gevierte und ist drittehalb ellen hoch
    N.G. Leske, Reise durch Sachsen (Leipzig 1785) 218
  • zu O wird der kalk in kleinen oefen, deren jeder einen viertel stos fasset, gebrant. jeder ofen giebt 16 bis 17 viertel gebranten kalk
    N.G. Leske, Reise durch Sachsen I (Leipzig 1785) 220
  • preis des basalts: der stos steine ... hat sechs ellen und ist anderthalb ellen hoch; er kostet auf der stelle 2 taler
    N.G. Leske, Reise durch Sachsen I (Leipzig 1785) 338
X bergm.: seitliche Begrenzungsfläche, Seitenwand eines Schachts (III) 
vgl. Sohle (II)
  • [der bergkmeister soll] vom mittel des rennbaums dem finder ... 14 lachter in dem obern stoss, vnnd 14 lachter in dem vndern stoss, alles nach der leng, geben
    1564 PreußBergO. 125
  • wenn man einen schacht oder gesencke niedersincket, und verspuͤret ertz in einem stoß, so faͤhrt man in schacht oder gesencke uff solcher spur ein ort anzutreiben; und dieses heist ein laͤngort
    1693 Schönberg,Berginformation Anh. 61
XI wie Stoßeis 
  • ob ain stös in die Tůnaw kömen wolt und der vërig besarget der scheffart, wolt er dann die schëf ausziehen und rüeft di nachtpawrn an ze hilf, man sol im berait sein als oft im des not ist
    um 1440 NÖsterr./ÖW. IX 346
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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