Strom, m.

I schiffbares Fließgewässer, Wasserstraße; auch: einer best. Herrschaft unterstehendes Gewässer; auch allg.: (insb. großer, breiter) Fluss, Flusslauf; ua. als Grenzgewässer, in Bau- und Fischereibestimmungen; meton. das Recht zur (freien) Gewässernutzung, insb. Schifffahrt
  • gif man orf befo, ⁊ man ofer stream hit tyman wylle, ðonne sette man inborh [wenn Vieh im Anfang gefasst wird und der (verklagte) Mann es über den Strom hin zur Gewähr schieben will, dann stelle er Sicherheit]
    Mitte 10. Jh. Liebermann,AgsG. Duns 8
  • dat de fursten ichteswelke der ryden, strame unde kulke, eyn del bynnen der stad unde eyn del buten der stad, dar to [Fischerei] nicht gheven, eghenen eder vrygen mochten
    nach 1397 BrschwChr. I 276
  • so den heer van V. dairoff den vryen stroem ghegeven ende verleent is
    Anf. 15. Jh. BrielRb. 153 Faksimile
  • dat enich coepman of haere knapen vorseid beroft off vormoort worden in onsen stroom, land off gebede
    1418 HanseRez. VI 569 Faksimile
  • wat guideren eenmaell vortollet sint, de scholen se fry voeren dorch unse lande und strome, der wy nhu mechtich synnen unde bekamen moegen
    1418 OstfriesUB. I 222 Faksimile
  • effte dar ein strom ginge, twischen tween gründen, unde deme enen toworpe und dem andern aff, weme denn de strome idt towerpet, de schall idt beholden
    1447 Westphalen,Mon. III 1735 Faksimile
  • wer im strom der Mossellen geenckert heldt und das schyff nyt ain landt enrurt oder ain eyn ander schyff gemerdt were, den mag auch niemands komeren vor scholt
    1462 LuxembW. 595 Faksimile
  • die mulen, die sy gemachet ... vnd darmite auch des riches strasze vnd strom verbuwet haben
    1489 MWirzib. VIII 110 Faksimile
  • wes myt anderen edder ock den borgeren to Bremen gehandelt oft belevet, ghift deme rade unde stadt Mynden in orer unde gemeynen stromes fryeheit neynen afbroke
    1511 HanseRez.³ VI 167
  • wo aber der fluß sinen natürlichen strom gantz verlassendt, wurde anfohen zů fliessen vff ein andre syt, so ist der vordrig strom deren, die by dem bach ire wonungen haben ... aber nüw strom foht an des rechten zů sin, des der fluß ist, dz ist gemeines volcks
    Murner,Inst. 1519 Bl. 28r Volltext (und Faksimile)
  • wie ind wulcher mate die struyme ind watere ... dairan sich die gemeyne manne ... to erneren plege, dagelix ... myt nyhen slechten ... toegepaelt ... werden
    1525 BeitrHaspe 7 (1935) 223
  • vorpfendet oder vorsetzet jemandt sein schiff vnd segelt gleichwol mit demselben anders wohin vnd vorkaufft es, so ist es kein pfandt. kompt er aber widerumb mit gemeltem schiff auff vnser stadt strome, so wird es widerumb pfandt
    1586 LübStat. III 4 § 6 Volltext (und Faksimile)
  • [ein seerauber, der kauffleute] auff freyen haven vnd stroͤmen gewaltsamer weise anfellt ... soll mit dem schwert gerichtet werden
    1603/05 HambGO. IV Art. 10 Faksimile (Abschnittsbeginn)
  • die besserung [der Trave] kan geschehen also, das ... der stromb von beiden seiten ... enger gefast und eingespannen werde
    1604 Rigafahrer 242 Faksimile
  • [etwas, das] der stadt privilegien, der niederlagen, landstrassen und strahms und anderer freyheit und gerechtigkeit zuewieder gewehsen
    1644 CCMarch. V 2 Sp. 17 Faksimile
  • mögen die kietzere und pichellstorffer mit den seeflöken uff dem strohmb sechß tage vor martini, biß die waßer mit eyß zuelegen, fischen
    1652 MärkForsch. 17 (1882) 107
  • [niemand soll] die stroͤhme, baͤche und fluͤsse dergestalt mit waͤhren von einem ufer zum andern ... zumachen, daß dem fische sein freyer gang und die allgemeine durchfahrt ... benommen werde, sondern es soll ... die navigable (befahrbare) stroͤhme auffs wenigste zwoͤlff ellen ... in der mitte offen [bleiben]
    1671 SammlLivlLR. II 585 Faksimile
  • wann ferners in gemeinen stroͤmen ein insul entsteht, so ist sie von natur der lands-oberkeit, deren der strom zusteht. scheidet die mitte deß stroms zwey souverainiteten oder lands-oberkeiten, so gehoͤrt die insul, wann sie in der mitte deß stroms gelegen, beiden souverainiteten zu
    1709 Mutach 43 Faksimile
  • soll ein jeder gehalten seyn, den antheil von seinem strohm zu reinigen
    1733 SchleswDorfO. 712
  • [verbieten wir] allen an den strömen wohnenden unterthanen bey strafe der festungs-arbeit keine bettler ... in unsere lande zu führen oder überzusetzen
    1748 Krüger,PreußManufakt. 606
  • wenn der strohm einen neuen lauf nimmt, [gehöret] das alte grundbette uns als landesherrn zu
    1774 Rabe,PreußG. I 6 S. 31
  • vermoͤg seines wasserregals kan der landesherr schleusen und syle am strohme anlegen und sich zu dem ende selbst des privateigenthums gegen entschaͤdigung bedienen
    1785 Fischer,KamPolR. III 13 Faksimile
  • [regalien:] in polizeysachen ... die aufsicht uͤber landstrassen, bruͤcken, fehren, stroͤhme, maaß, ellen und gewicht
    1786 Gadebusch,Staatskunde I 339 Faksimile
  • wer aber den ballast in den strom schiesset, soll 100 rthlr. strafe erlegen
    1798 RigaWillk. 153 Faksimile
  • landstraßen, stroͤme, fluͤsse, seehaͤfen und meeresufer heißen ein allgemeines oder oͤffentliches gut
    1811 ÖstABGB. § 287 Faksimile
II Strömung eines Gewässers; auch übtr.
  • thiu hagheste wapeldepene is thet: huuersa ma enne mon inna enne ebba ieftha inna enne uthaldne stram werpth [die schlimmste Wassertauche ist dies: wenn man einen Mann am Steuerruder über Bord ins Niedrigwasser oder in eine seewärts gerichtete Meeresströmung wirft]
    14. Jh. EmsigerR. 78 Textarchiv: EmsigerR. 78
  • es sol kein schiffer sein schiff recht in den strohm fuͤr dem syhl legen
    1670 Hackmann Mantissa 119 Faksimile
  • [daß der mensch] bey seinen wohl-bedaͤchtigen vorsatze ... bleibe; gleichwohl aber auch nicht widern strohm schwimme, sondern sich auf den fall eines widrigen ausganges zeitig gefasset hatte
    1691 Pufendorf,Sittenlehre 124
III heftiges Ausströmen (zB. von Blut)
  • [daz] uß ainem velsen ain strum bluotz geloffen und das bluot daselbs um geseschen worden wer ... und wolt man aber vermainen, diß were ain zaichen aines großen bluotvergießens
    1531 SchweizId. XI 2260 Faksimile