Tortur, f.

I Folter, peinliche (II) Befragung; insb. zur Geständniserzwingung im Strafverfahren
  • [fehlen Tatzeugen,] soe eest van noode dat men op hem [geaccuseerde] procedere bij questien ende torturen, om de warheyt te hebben
    1496 CoutBrab. II 1 S. 378
  • den juge beghint de torture an den ghuenen, daerof dat hem dinct, dat hy best de waerheyt weten zal, ende andenghuenen, die meest suspect es van den sticke, ende an den crancxsten
    1510 Wielant,InstrCrim. 67 Volltext
  • wann aber schwermißthaͤter vnd hauptlaster begangen, die an strenger marter nit erkündigt werden, so moͤgen alßdann die peinlichen tortur fürzůnemen sein
    1544 Perneder,Malef. 1v Volltext (und Faksimile)
  • es ist auch verbotten, daß niemand in oder mit peinlicher frage, tortur vnd marter vom leben zum todt gebracht werden soll
    1550 Gobler,Rsp. 170v Volltext (und Faksimile)
  • das in vielen orten inn vnserm fuͤrstenthumb zu peinlicher tortur geschritten wirdt, wann gleich die vbeltaht mit zeugen koͤndte erwisen vnd dargethan werden, so wollen vnnd ordnen wir hiemit, das keine oberkeit, den gefangnen peinlich vorhoͤren lasse, es sey dann zuuor die zeugnusse aufgenommen vnd vorsuchet, ob er durch furhaltung des beweises zu guttwilliger bekantnus zubringen
    1566 PommHofGO. 109r Volltext (und Faksimile)
  • zur tortur geschritten, worinnen sie ... mit schrauben, aufziehen und zerhauen probirt worden
    1629 Pollack,WestfHexproz. 17
  • ob die tortur ein bedienliches mittel seye, vmb die warheit zu erfahren?
    1647 Spee,Cautio 92
  • [Strafandrohung, wenn jemand] sich fuͤr einen herrn oder obrigkeit, die er nicht ist, aufwerfen, obrigkeitlicher gewalt mit verbothener privat-gefaͤngniß, tortur und dergleichen sich gebrauchen [würde]
    1650 EstRitterLR. 401 Faksimile
  • durch den landamman [sol] ... alles bis zu der peinlichen tortur erforderliches verrichtet werden
    nach 1650 Zehngerichtebund 160
  • daß ein richter vor allen dingen sehe, ... obs der thaͤter nach der tortur bestaͤttiget hat
    NÖLGO. 1656(CAustr.) 42 § 4 Faksimile
  • schwangere weibs-bilder [seind] der tortur zubefreyen
    1670 Blumblacher,CCCKomm. 128
  • einige [hencker] pflegen auch wohl den abend vor der tortur denen gefangenen unter das essen was zu mischen, davon sie gleichsam als im kopf verwirret werden, seltzame reden fuͤhren, uͤm dadurch dieselbe noch verdaͤchtiger zumachen
    1693 Döpler,Theatr. I 600 Faksimile
  • juden, zigeiner und dergleichen hartnaͤckige leuth, seynd in der tortur etwas schaͤrffer als andere anzugreiffen
    1704 CAustr. I 559 Faksimile
  • die tortur nur in denen jenigen faͤllen und missethaten, welche die lebens-straff nach sich ziehen, ordinariè gebrauchet wird
    1707 SudetenHGO. Art. 16 § 22 Faksimile
  • arrestirte bettel-juden ... sollen die beambte, ... wann sie auff zureden nicht bekennen wollen, auff die tortur bringen lassen
    1712 HessSamml. III 694 Faksimile
  • die tortur soll allemahl morgens fruͤhe gegen den tag, in beyseyn aller gerichts-personen vorgenommen, uno actu und nicht stuͤckweise vollfuͤhret, vielweniger des andern tages wiederhohlet, dem gefangenen auch zum wenigsten sechs stunden vorher keine speise gereichet werden
    1717 BrandenbKrimO. IX § 10 Faksimile (Abschnittsbeginn)
  • doctores und licentiati seynd von der tortur und marter-banck befreyet ..., indem sie denen edelleuten und soldaten g[l]eich geachtet sind
    1720 Zipffel,Händel I-III 131
  • ob die tortur oder peinliche frage in den gerichten dem natürlichen recht gemäß sei, wollen einige darum zweifeln, weil viele dieselbe ausstehen, ohne die wahrheit zu bekennen, andere aber die unwahrheit sagen, um die marter loszuwerden
    1757 RechtVerfMariaTher. 260
  • [Buchtitel: J.v. Sonnenfels,] ueber die abschaffung der tortur [Zürich 1775]
  • ein unterrichter kann ... nicht eigenmaͤchtig, sondern allererst nach geschehener befragung seiner oberhoͤfe oder der rechtsstuͤhle auf die tortur erkennen
    1783 Quistorp,GrundsPeinlR. 1381 Faksimile
  • die mehrere haͤrte der tortur beruhet auf der groͤsse des verbrechens
    1794 Quistorp,GrundsPeinlR.⁵ II 322
  • das gericht erinnerte sich ... der königlichen verordnung vom 7ten july 1806 betreffend der abschaffung der tortur und des gegen läugnende inquisiten zu beobachtenden verfahrens
    1811 v.Feuerbach,Crimrf. II 15
II wie Torturinstrument
  • vijff raedlude ... sunder ... orloff in ghincghen myne wanincghe vnde wedeme myt eren smeden, slupwachteren vnde bodelen vnde nemen dar uth den ... geuangenen mynschen mit den helden, iseren, torturen vnde sloten ... vnde vurden den mit sijck in ere gewald
    1446 LübUB. VIII 420 Faksimile