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Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): 1Kunde/2Kunde/3Kunde

1Kunde

, m.

ahd. kundo, as. cundo, mhd. kunde, mnd. kunde, mnl. conde; zur Etymologie vgl. DudenEtym. 377

I jem., den man gut kennt

I 1 Bekannter, Vertrauter, Freund, Liebhaber, Diener, Einheimischer hier oft in der Paarformel ,Kunde u. Fremder", "Kunde u. Gast" 
  • um 1000 Notker II 99
  • um 1000 Notker II 208
  • mine chunden mine discipulos
    um 1000 Notker II 362
  • friunt unde chúnneling unde chunden 
    um 1000 Notker II 365
  • dô er dô nieman nesach, / den sînen chunden er rach
    1120/30 Exod.(Papp) V. 290
  • den vremden und den kunden gab er ross und guot gewant
    um 1200 Nibelungenlied13 27 V. 4
  • ich wil iu doch die besten under kunden unde gesten sagen unde nennen
    um 1230 HeinrTürlinCrône V. 2281
  • ir megde unde ir kunden 
    nach 1300 HlElisabeth V. 6895
  • conde ende gaste vut vreemde lande
    1334/72 TijdschrTaalLk. 5 (1885) 20
  • die kunden und die geste
    1343 Würzburg/Lexer III Nachtr. 286
  • unterkeuffer ... uns darubir sweren sullen, daz syͤ armen und reichen, phaffen und leyen, geistlichen unn weltlichen, kunden und gesten, ane win, ane erbe, an eygen zu kouffen und zu verkouffen beholfen sin
    1376/97 WürzbPol. 96
  • 1376/97 WürzbPol. 100
  • 1376/97 WürzbPol. 102
  • H., die myns heren conde ende tailsman was geweest
    1389 G.v. Hasselt, Geldersch Maandwerk I (1807) 403
  • 1397 SaanenLschStat. 20
  • under mâgen under kunden 
    2. Hälfte 14. Jh. WSB. 47 (1864) 556
  • gebott der bischof seim schultheissen, niemand nit weder auswendig noch inwendig weder frembden noch kunden weder im stattgericht noch in der montatt keinem rechts zu helfen
    1433 BambChr. I 112
  • 1451 WürzbPol. 127
  • 1475 WürzbPol. 170
I 2 vom vor. ausgehend: Geschäftsfreund, regelmäßiger Käufer, Auftraggeber
  • auch ensal unsir keyner amannen bidden ... umb sine kunden 
    1352 FrankfZftUrk. I 501
  • auch insal kein meister ... dem andern sine konden abespannen
    1377 FrankfZftUrk. I 427
  • 15. Jh. uö. FreiburgZftO. 10
  • 1553 Meyer,Handelsmarke 24
  • dhain müller noch burger [soll] ainichen frömbden ußlendischen konden ... nichtzit kaufen ald von deß frömbden kaufherrn getraid ... nemen
    1564 ÜberlingenStR. 776 [ebd.ö.]
  • wellcher meister dem andern sein gesündt oder khunnd absetzet ... soll von ainem erbaren handtwerkh ... gestrafft werd[en]
    1566 WürtJb. 1875, 2 S. 204
  • 1586 FrankfZftUrk. I 486
  • 16. Jh. NKölnSprsch. II 116
  • 1613 BernStR. VII 1 S. 303
  • gebannete khunden [in e. Bannmühle]
    1619 [Ad.] Scheu, Ortschronik von Bitz OA. Balingen (1910) 17
  • 1676 Schirmer,KaufmWB. 114
  • 1701 MittHohenzollern 39/41 (1905/08) 63
  • kund ... eine person, die immer waaren bey einem nimmt
    1741 Frisch I 556
  • 1754 Ludovici,KfmLex.1 III 1010
  • 1756 SammlBadDurlach I 114
  • irrungen unter meistern und kunden 
    1769 BadHeimat 49 (1969) 74
  • [e. Handwerksmeister kann] die arbeit verweigern, z. e. wenn der kund den von der obrigkeit bestimmten ... lohn nicht geben will
    1780 Weisser,RHandw. 247
  • 1785 Hennig,PreußWB. 330
  • 1811 ÖstABGB. § 1430
  • 1824 Mittermaier,PrivR. 459
  • kunden ... handelsfreunde, handelsgenossen ... sind diejenigen personen, die mit einem kaufmanne dauerhafte handlungsgeschaͤfte treiben
    1832 Schlössing,KaufmWB. 197
II
auskunftgebende Person, Zeuge vor Gericht, bei einem Ortstermin, in sonstigen Auseinandersetzungen
  • testis chundeo 
    oJ. AhdGl. I 64
  • und sollen auch unser beyder frunde uff dem dage alde erber kunde, die nit von parthien ensyn, verhoren
    1409 Hontheim II 351
  • ende so sullen soeven scepen mitten konden gaen up dat erve ende die konde sal dan een uutsprake doen tusschen den parthyen
    1470 HarderwijkRbr. 20
  • waer een korffstal is, dat bewyslick is van den olden kunden 
    1470 Richth. 263
  • wisen nae inhalt des testaments ind nae den konden darop zo den heiligen verhoirt, dat ein guit testament is, dat die vurgenante S.v.R. gemaicht hat
    1474 AachenZ. 1 (1879) 173
  • 1481 ClarenbergUB. 288
  • do wijsden de zekers de kunde to den tughe, want em de sake best kundich is
    1490 Gratama 355
  • 15. Jh. TrierWQ. 25
  • 1500 LimbWijsd. 85
  • te N. dair sijn alle konden, die hoir konden voirs. mit hoeren eede voir richter ende scepen bewaert hebben, van weerden, glijckerwijs off sy mitten rechten dairtoe gedrongen woirden
    Anf. 16. Jh. NijmegenStR. 411
  • Anf. 16. Jh. NijmegenStR. 449
  • 1550 RhW. II 2 S. 107
  • 1631 Stallaert II 91
  • oJ. LimbWijsd. 203
  • sullicx te bewysen met goeden konden oft met synen eyde
    oJ. MnlWB. III 1754
III Wege- u. Ortskundiger
  • cunde. die die wege wyst
    1477 Schueren 62
unter Ausschluss der Schreibform(en):
unter Ausschluss der Schreibform(en):

2Kunde

, f.

ae. cŷdde, afries. keed, kede, kethene, ahd. chundí (vgl. dazu unchundí bei Graff IV 419), mhd. kunde, künde, mnd. kunde, mnl. conde 

I Kenntnis (I), bestimmtes Wissen, Bekanntheit, sichere Nachricht
  • manslagan ⁊ mánswaran, hâdbrecan ⁊ æwbrecan gebugan ⁊ gebétan, oððe of cyððe mid synnan gewítan
    1027/34 Liebermann,AgsG. 312
  • scham tilget menge sivnde e daz si kam zekvnde vnd si dem rihter werde gesagt so hat si scham vor gote veriagt
    1293 Langenstein,Martina 49
  • so wor en man wat coft vnde de ghene det vor coft sprecht hie ne hebbe iuwer nene kunde 
    Ende 13. Jh. LübMndStR. 152
  • suam notitiam, videlicet yr kunde 
    1393 Ennen,QKöln VI 145
  • 1399 MnlWB. III 1752
  • chlagt iener nicht umb chunt und umb gewissen, so spricht man chain urtail darumb, wann man auch chlagt hintz einem umb chunt und umb gewissen, und gehilt iener dem anchlager nicht, so nymmt er sich mit sein ains ayd davon und wirt von im ledig
    wohl 14. Jh. RegensbStat. 48
  • ind hâint vort gebeden den vurgenant R., dat he zô konden der wôirheit deser sachen ... sin segel mit an desen brîef hâit gehangen
    1411 Aachen/Loersch-Schröder 204
  • 1411 MnlWB. III 1751
  • 1433 MnlWB. III 1751
  • 1438/52 NÖsterr./ÖW. VIII 13
  • 1457 HanseRez.2 IV 397
  • 1480 Westfalen/GrW. III 87
  • dat men godis ordil nich dune ne scole, me ne cunne anderes der warheit in cunne nicht comen
    15. Jh. SspLR. Glosse zu III 21 § 2
  • 1510 GörlitzRatsAnn. I/II 21
  • 1520 BeitrNRh. 4 (1889) 100
  • in vnserm landtrecht zwingt der richter niemand, das die zu gezeug komen, die in seinem gericht nicht gegenwertig sein. es ensey denn, das man der warheit anders inn keine kunde kommen moͤcht als hie
    1553 SspGl.(Dresden 1553) p. 185v (zu LdR. III 21 § 2)
  • 1620 ArchGDBuchh. 13 (1890) 166
  • 1691 Stieler 951
  • 1741 Frisch I 556
II von 2Kunde (I) ausgehend u. davon tw. schwer zu trennen: das auf 2Kunde (I) beruhende Zeugnis, Beweis
  • van eenre conde ende waerheyt van den rechte, dat dese stat heeft in den lande van H.
    1360 Stallaert II 91
  • dye vorgnant kunde gevraget ... und getueget wart
    1392 Kleve/DRWArch.
  • dat ic R., scoutheit ..., eenrehande conde, waerheyt ende ghetugenisse gehoort hebbe
    1407 MnlWB. III 1753
  • sollen von beyden herrn iglicher sine undersassen ... uff ihre eyde dun bevelen, ware kond na ihren besten sinnen zu sagen
    1409 Hontheim II 351
  • 1411 MGroning. IV 758
  • 1417 Haltaus 1142
  • 1448 KaiserswerthUB. 452
  • conden te doene met sinen meyer ende scepenen ... over de gebreke van chijse ende anders
    1449 CartSTrond II 279
  • een konde, wairheit ende onderscheit
    1453 Nijhoff,Ged. IV 262
  • so wie van eerfnisse ter konden gewijst wurt, dair sullen de scepen toe nemen xii of xiii personen, die dairby geëerft siin, ende die willen die scepen dairup eden
    1470 HarderwijkRbr. 20
  • versoicht ons richtlich, dat wir konde ind woirheit darover verhoiren ind irvaren wulden, of't ein guit testament were of neit, ind ir darop ein ordel ind recht geven
    1474 AachenZ. 1 (1879) 173
  • clage ... ane kunde und beweißunge
    1476 FreibergUB. II 306 Anm. 4 c
  • manigherhanda wys mey ma sprecka to jenst dat instrument jeffta breeff. in't arst, to jenst dyn keed, to jenst da hand dat is scrift
    1480/81 JurFris. I 126
  • 1482 Gratama 349
  • inhalts yrer briefe ader ander redelichen kund 
    1483 WeimarRotB. 137
  • von kunde. etzliche stellen vor, wer sich nit in siner schuldige kunde beruffe unde dan mit in tzihe, der en sul ir sich namals nit gebruchen geyn en. geistlich ader werntlich keyßers ader lantrecht settzt deß nicht. wanthe mirglich ist, wer kunde in siner clage in tzuhit, das man dem kein nein zu wiß, unde die kunde bilche vorgehet. darumbe hait der cleiger noch macht namals ym das neyn zu brechen. jener hait oich macht, ob he mag, die kunde ym zu verwerffin ader mit andirer kunde die stummeln; so settzin die rechte mit namen Justinianus in institutis
    1493 Schmincke II 737
  • ihr ... vvolt bei eurem eid ... beteuren ..., daß der bericht und die khund, so ir gegeben, vvarhafftig ... sei
    1494 Senckenb.,Sel. II 457
  • 15. Jh. CleveStR./ZRG. 9 (1870) 426
  • 1500 LimbWijsd. 84
  • Anf. 16. Jh. NijmegenStR. 409f.
  • geloeven ich [Schöffe] ..., honne archste te warnen ende hon beste voertz te stellen, alle conden ende heymelicken raet, dye ich helpe hoeren, heelen ende heymelicken halden totter tyt tou dat aldt genoech is
    1528 LimbWijsd. 79
  • 1554 WiesbadenGB. 54
  • soe hierbevorens tott desen dage toe alhyer in den gericht gewonnt ... ijs, dat men tegen konden, handtschrifften ende eigen segele hefft moegen sweren ende mijt ede toe annihiliren, twelck doch tegen gott, keyserlick ende geestelick rechten ijs
    nach 1558 NijmegenStR. 322
  • der heisscher mach voer den eydt eine konden begeren ende bewysen. item der schuldener mach ouch einer konden begeren sinen eydt te staeden
    1571 LimbWijsd. 7
  • 16. Jh. UtrechtRBr. II 141
  • van brieflycke schyn ende bescheyt ende liggende konde [urkundl. Zeugnis]
    1619 GeldernLR. 901
  • 1766 BelgMus. 5 (1841) 433
III
Vorladung, Einberufung, öffentliche Bekanntmachung, Abkündung (I), (Urteils-)Verkündung
  • hwasa thene thruchthingath let, sa resze hi tha liudem tua merc and tha sithum ene halwe; thi, ther tha kethene nauwet ne halt, alsa stor
    Ende 13. Jh. BrokmerR. 74
  • van der stadt rechten te halden, van konden ende bevelen. oft enighe bevelen bij der stadt boden gedaen werden, ende die boede gestoende hij den schulder ofte sijnre huijsvrouwe die conde mondelijck gedaen hebbe, op seven scillingen, als dat gewoenlijck is te gescijen
    1502 Stallaert II 91
  • aengaende van der konde te doen van den daghemente, soo observeren wij, sooverre die erffmann van den gronden binnen B. woonachtich sijn, dat men die konde doet aen heuren persoon; ende sooverre sij buijten den lande woonachtich zijn van B., soo doet men die konde aen de klocke, ofte aen den helder van den gronden
    1546 Stallaert II 91
  • 1548 CoutLooz I 10
  • alle intimatien van mandaten, citatien ende conden op sondaegen ende heylige daegen gedain en syn niet volstandich
    oJ. Stallaert II 91
IV Weinprüfung durch den Kunder (II) 
  • sal der tranck und dass vass vor der konde von den kondern besichtiget werden, und so das vass voll ist, alsdan soln sy dass kiesen und setzen
    1506 Hessen/GrW. III 377
V Lebenskreis, Ort, wo jemand aufgewachsen und bekannt ist (Heimat II und III)
  • ja muget ir michel gerner sin in vremede ein richiu künigin, dan in der künde arm unde swach
    um 1210 GottfrStraßb.(Weber) V. 11595
  • beduncket aber H.v.M., das im darann vnrecht gescheen sy, darumb mag er den schultheißen zu S. ... mit gerichte vnd recht in der künde anlangen
    1447 RheinfeldenStR.(SchweizRQ.) 84
  • der wolde ûz dem lande, wan er mit schande in siner künde lebte
    oJ. Lexer I 1771
unter Ausschluss der Schreibform(en):
unter Ausschluss der Schreibform(en):

3Kunde

, f. (u. n.?)

wie Künne, aber mit Dentalsuffix z. idg. Wz. *gn- "erzeugen gebildet, vgl. IEW. 373f.

I Verwandtschaft
  • habent mir ir mâge getân vil der leide. swaz ich hân her geweinet, daz was ir kunden bestin ougen weide
    Mitte 13. Jh. Kudrun V. 1481
  • oft yemant van buten in onse stat queme metter wone met wyve oft met kunde [od. als kinde zu lesen? vgl. MnlWB. III 1755] ofte bi hem selver allene, die solde des ghelikes doen ende zweren alse voerscr. steet
    1377 VerslOudeR. 2 (1892) 519
  • ze kunde rechenen [s. Verwandtschaft gegenseitig dartun]
    oJ. Lexer I 1771
II Geschlecht, Abstammung
III (männl., weibl.) Geschlecht
IV Geschlechtsteil
  • die zenuwen van sinen manliker kunden sijn vermoeyt
    1477 MnlWB. III 1755
  • eens mans kunde, die niet besneden en wort, zijn siel sal verloren werden van sinen volcke
    oJ. MnlWB. III 1755
unter Ausschluss der Schreibform(en):
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