A. Publikation zum Vortrag:

Als der böse Wolf noch böse war - Eine (Rechts-)Geschichte der Wölfe in Deutschland und rund um Heidelberg

Am 26. Juni 2019 hielt Prof. Andreas Deutsch im Hause der Akademie einen Vortrag über den Wolf in der Rechtsgeschichte. Jetzt ist hierzu in "damals" ein Aufsatz erschienen.

Einer der größten Feinde des Menschen war über die Jahrhunderte hinweg der Wolf. Märchen wie „Rotkäppchen“ oder „Die sieben Geißlein“ zeugen von der großen Angst der Menschen früherer Jahrhunderte vor dem gefräßigen Raubtier. Nicht ohne Grund. Gab es doch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein zahlreiche Wölfe – auch in Deutschland und Mitteleuropa. In kalten Wintern drangen sie zum Teil selbst in größere Städte ein. Rund um Dörfer und Gehöfte suchten sie ihre Nahrung; oft wurden dann wehrlose Kinder zu blutigen Opfern. Im schweren Winter 1814/15 kamen allein in der Region Posen 28 Kinder durch Wölfe zu Tode. 1865/66 rissen Wölfe rund um Heidelberg über hundert Tiere. Die Verfolgung der Wölfe war schon im Mittelalter obrigkeitliche Aufgabe. Vor allem in der Frühneuzeit wurde die Bevölkerung zu Treibjagden zwangsverpflichtet. Man baute aufwändige Wolfsgruben und Wolfsfänge. Besonders im 17. Jahrhundert vermutete man hinter den Wolfsplagen indes auch Hexenzauber – und manch ein argloser Bürger wurde als vermeintlicher Werwolf enthauptet oder verbrannt.

https://www.wissenschaft.de/magazin/weitere-themen/als-der-wolf-noch-boese-war/


B. Abgeschlossene Tagung

Stadtrechte und Stadtrechtsreformationen“ vom 3. bis 5. April 2019

Vom 3. bis 5. April 2019 fand die Interdisziplinäre Tagung „Stadtrechte und Stadtrechtsreformationen“ der Forschungsstelle Deutsches Rechtswörterbuch an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften statt. Mehr als 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden hierzu den Weg in das „Großherzogliche Palais“ (Heidelberger Akademie der Wissenschaften) am Heidelberger Karlsplatz. Gäste kamen aus Japan, Tschechien, Italien, Frankreich, Belgien, Österreich und der Schweiz.

Die Tagung befasste sich mit den Stadtrechten ausgewählter Städte, die oft wie Vorläufer unserer heutigen Gesetze wirken: Sie regelten nicht nur die Organisation des städtischen öffentlichen Lebens samt Strafrecht und Prozess, sondern auch die Belange der Bürger, etwa im Handel, Familien- und Erbrecht. Die ersten Stadtrechte entstanden vor rund 900 Jahren (z.B. 1114 Valenciennes, 1120 Freiburg) in lateinischer Sprache, erste deutschsprachige Texte folgten ein Jahrhundert später. Für Mittel- und Ostdeutschland sowie weite Teile Europas spielte das Magdeburger Recht eine besondere Rolle, das an viele hundert Städte bis in die heutige Ukraine und nach Weißrussland weitergegeben wurde.

Im Zentrum der Tagung standen – vermutlich erstmals in dieser Form – die sogenannten „Stadtrechtsreformationen“. Diese Stadtrechte aus der Wendeepoche zwischen Mittelalter und Neuzeit galten bislang als vom römischen Recht durchdrungen – fällt in diese Phase des Zeitenumschwungs doch auch die Rezeption (Übernahme) des römischen Rechts in Deutschland. Wie sich auf der Tagung zeigte, behandeln die Stadtrechtsreformationen sehr viel weniger römisches Recht als bislang vermutet. Dennoch darf die Rezeption als ein Motor bei der Entstehung der Stadtrechtsreformationen gelten. Die Verfasser dieser Stadtrechtstexte waren fast durchweg im römischen Recht gebildet, hatten zum großen Teil z.B. in Italien studiert. Das römische Recht mit seiner unübertroffenen Systematik, wie sie durch die italienischen Rechtswissenschaftler des Mittelalters ausgefächert wurde, diente den Stadtrechtsredaktoren daher als Grundlage bei der Revision, Systematisierung und Ergänzung des hergebrachten städtischen Rechts. Die Stadtrechtsreformationen bewirkten zugleich eine sprachliche Modernisierung. Der aufblühende Buchdruck ermöglichte ihre Verbreitung in oft aufwändigen Ausgaben mit kunstvollen Titelholzschnitten namhafter Künstler.

Wenngleich in anderer Form kam es zu einer Erneuerung des Stadtrechts auch in Städten und Rechtsräumen, die keine sog. Stadtrechtsreformationen kannten. Auch dort entstanden die Erneuerungen nicht zuletzt unter dem Einfluss des römisch-italienischen Rechts.

Die Tagung setzte sich unter anderem mit der Frage auseinander, warum es zu der Welle der Stadtrechtsreformationen kam. Der allgemeine Wandel um die Wende zur Neuzeit und aufgrund der sogenannten Reichsreform am Ende des Mittelalters kann dafür als Erklärung nicht genügen, da ja nur einzelne Städte eine Stadtrechtsreformation hervorgebracht haben. Zahlreiche Referate verwiesen aber auf innerstädtische Krisen, die Anlass zur Redaktion eines neuen Stadtrechts gaben, etwa ein Konflikt zwischen Stadtherr und Bürgerschaft oder zwischen Kirche und Bürgerschaft. Zumeist erließen Bürgermeister und Rat die Stadtrechtsreformationen kraft eigener Macht – und nutzten oft genug ein bestehendes Machtvakuum, um so die rechtliche Stellung der Stadt oder auch die eigene Position als Stadtregierung abzusichern oder auszuweiten.

Das Programm der Tagung finden Sie hier (pdf).


C. Abgeschlossene Abendveranstaltung im Rahmen der Tagung

Musik und „Mandate wider das Zutrinken“

Als Rahmenprogramm der Tagung fand am 3. April um 19 Uhr eine musikalische Abendveranstaltung zu städtischen „Mandaten wider das Zutrinken“ statt. Die oft kuriosen städtischen Mandate, die beispielsweise das Zutrinken, Glücksspielen, Lärmen und Tanzen untersagten, wurden präsentiert von Prof. Dr. Thomas Wilhelmi und Dr. Max Graff. Sie stellten zudem historische Trink- und Tanzlieder vor. Die passende historische Musik bot das Ensemble für Alte Musik „I Ciarlatani" unter der Leitung von Johannes Vogt. Geboten wurden ferner Tänze des Spätmittelalters in historischen Kostümen. Christina Kimmel-Schröder und Christof Nikolaus Schröder trugen Trinklieder vor und animierten das begeisterte Publikum zum Mitsingen. Die Veranstaltung wurde freundlicherweise unterstützt durch den Verein zur Förderung der Heidelberger Akademie der Wissenschaften e.V. Hierfür danken wir herzlich.


Musikalische Abendveranstaltung im Rahmen der DRW-Tagung zu den Stadtrechten im Saal der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
mit dem Ensemble für Alte Musik „I Ciarlatani" und den beiden Referenten (links sitzend) Thomas Wilhelmi und Max Graff.
Rechtes Bild: Trinklieder im Treppenhaus der Akademie mit
Christina Kimmel-Schröder und Christof Nikolaus Schröder.

 
Ein Straßburger Mandat mit Ergänzungen in der persönlichen Handschrift von Stadtschreiber Sebastian Brant:
"Verbot des lystlis Spiel und Schwüre, Gotslesterung, ouch des Zudrincken."
Stadtarchiv Straßburg: Série IV/68, Nr. 133; Matthias Schürer, nicht vor 14. April 1516.
Vgl. Brant-Bibliographie Knape/Wilhelmi: D 159 und A 153.1.


D. Neuer DRW-Band liegt vor:

Band 13 „Schwefel - Stegrecht“ ist abgeschlossen

Der dreizehnte Band des Deutschen Rechtwörterbuchs konnte im Sommer 2018 abgeschlossen werden. Die letzte der fünf Doppellieferungen des Bandes reicht von "Stadtkanzler" bis "Stegrecht". Sie ist inzwischen gedruckt und wurde zusammen mit dem Vorwort des Bandes und (sofern gewünscht) den entsprechenden Einbanddecken ausgeliefert.
Mit dem vorliegenden DRW-Band sind nun über 97.000 Wortartikel auf über 20.000 Spalten gedruckt. Sie reichen in alphabetischer Folge von "Aachenfahrt" bis "Stegrecht". Die Artikel enthalten mehr als 500.000 Belegzitate bzw. Belegstellenangaben mit insgesamt über 5 ½ Millionen Wörtern. Allein der neue Band enthält über 5600 Wortartikel. Viele davon umfassen nur wenige Zeilen, andere, besonders zentrale und komplexe Wörter erforderten mehrspaltige Artikel. So enthält der Band mehrere allgemeinsprachliche Verben, die in der Sphäre des Rechts ein äußerst ausdifferenziertes semantisches Spektrum entfalten. Neben "sein" und "sollen" (mit bewusst kurz gehaltenen Artikeln unter Ausklammerung der Hilfsverbfunktion) sind dies namentlich "setzen" (mit 39 Hauptbedeutungspunkten), "sitzen" (mit 24 Hauptbedeutungspunkten) und "sprechen" (mit 32 Hauptbedeutungspunkten). Das Zahlwort "sieben" bekam 29 Gliederungspunkte. Noch umfänglichere Auffächerungen haben einzelne Substantive erhalten, so allen voran der nicht zuletzt als Rechtssymbol sehr bedeutsame "Stab" (mit 51 Haupt- und Unterpunkten), dicht gefolgt von "Stadt/Statt/Stätte" (mit 48 Haupt- und Unterpunkten).
Die "Stadt" mit ihren Komposita prägt den hinteren Teil des Bandes – insgesamt beginnen rund 800 Wortartikel mit "Stadt-", womit es sich um eine der umfänglichsten Kompositareihen des ganzen Wörterbuchs handelt. Hinzu kommen die Komposita von "Statt" und "Stätte". Hiervon in den historischen Schreibformen oft nur schwer unterscheidbar sind ferner die (in moderner Schreibung) mit "Stad-" (Ufer) und "Staat-" (Status, Staat) beginnenden Wörter. Das Simplex "Staat" erhielt 19 Hauptbedeutungspunkte, zur "Staat"-Strecke zählen 125 Wortartikel. Ähnlich umfangreich waren im Band noch die Artikelstrecken "Sonder-" (86 Artikel) und "Spezial-" (118 Artikel). Ob "Spezialhypothek", "Spezialkontributionsanlage" oder "Spezialsuperintendent" – der Band erläutert im Übrigen auch eine große Anzahl heute oft unbekannter rechtlich relevanter Fremdwörter, so auch diese auf den ersten Blick kaum unterscheidbaren Termini: "Skortation", "Skotation", "Skotion", "Skossion" und "Skussion".


E. Neuester Sammelband

„Das Tier in der Rechtsgeschichte“


Sammelband Das Tier in der RechtsgeschichteIm Sommer 2017 erschien der neueste Sammelband in der Schriftenreihe des Deutschen Rechtswörterbuchs: Das Tier in der Rechtsgeschichte. Der 673 Seiten starke Band mit zirka 70 Abbildungen wurde von Andreas Deutsch und Peter König herausgegeben. Er geht auf eine Akademiekonferenz im Jahre 2014 zurück, an welcher rund hundert Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und interessierte Gäste aus sechs europäischen Staaten und sieben unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen teilgenommen hatten. Die Ergebnisse der Tagung wurden in vielfältiger Weise ergänzt, sodass das Buch den Anspruch eines Handbuchs zum Thema erheben kann.

Seit es Menschen gibt, müssen sie sich in ihrem Verhältnis zu den Tieren definieren – und dies nicht zuletzt mit Mitteln des Rechts. Der interdisziplinär ausgerichtete Band bietet neben einer Gesamtschau auf die Geschichte des Tiers im Recht vertiefende Beiträge zu zentralen Einzelfragen, etwa zur Tierquälerei, zur Entstehung des Tierschutzes und zur Rolle der Tiere in ausgewählten Rechtsquellen. In einem breiten Bogen werden Fragen der Tierethik ebenso behandelt wie beispielsweise die Bedeutung der Tiere in der Heraldik, die Tierhalterhaftung sowie der Umgang mit den Tieren als Wirtschaftsgut, sei es bei der Jagd, der Weidehaltung oder als (oft lebendige) Naturalabgabe. Die rechtliche Dimension der Tier-Mensch-Beziehung wird zudem aus Sicht der Kunstgeschichte, Literatur- und Sprachwissenschaft beleuchtet. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Behandlung der Tiere im Strafrecht, etwa bei Tierstrafen und Inquisitionsprozessen gegen Tiere.

Weitere Informationen beim Verlag

Tagungsbericht bei HSozKult ist hier abrufbar.

Hier finden Sie das Inhaltsverzeichnis des Bandes und einen Handzettel mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Informationen.


F. Sammelband

Der „Ungläubige“ in der Rechts- und Kulturgeschichte des 18. JahrhundertsCover Sammelband "Der ,Ungläubige´ in der Rechts-
            und Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts

Im Oktober 2015 erschien der Sammelband "Der „Ungläubige“ in der Rechts- und Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts", hrsg. von Ulrich Kronauer und Andreas Deutsch im Auftrag der Heidelberger Akademie der Wissenschaften - ein weiterer Band in der Schriftenreihe des Deutschen Rechtswörterbuchs beim Universitätsverlag Winter (Heidelberg). Das knapp 500-seitige Werk (mit Abbildungen und Registern) sucht nach den Wurzeln der modernen Toleranzdebatte in den gerade im 18. Jahrhundert zwischen Konservativen und Aufklärern oft erbittert geführten Auseinandersetzungen um Andersgläubige.

Aus der Verlagsankündigung:

Die Frage nach „Glaube“ und „Unglaube“ hat bis heute Brisanz. Während andernorts Menschen für ihren Glauben morden, muss in Europa die Toleranzdiskussion seit der Aufklärung stetig aufs Neue geführt werden. Der interdisziplinär ausgerichtete Band lenkt den Blick auf das 18. Jahrhundert, in dem traditionelle und modernisierende Kräfte zum Teil erbittert um Glaubenswahrheiten und Toleranzräume rangen. Wesentliche Positionen der Debatte wirken bis in unsere Tage nach. Nicht nur Atheisten, sondern auch Andersgläubige, etwa Muslime, Angehörige von Naturreligionen oder Sekten, galten für viele Christen des 18. Jahrhunderts als „ungläubig“ – und sollten entweder bekehrt und missioniert oder aber verfolgt und bestraft werden. Befürworter eines toleranten Umgangs setzten sich dem Verdacht aus, selbst ungläubig zu sein. Die Rolle des „Ungläubigen“ markiert somit einen spannenden Ausschnitt der komplexen Beziehung zwischen Aufklärung, Theologie und Recht (nicht nur) im 18. Jahrhundert. Der Band versucht eine exemplarische Annäherung mit historischen, rechtshistorischen, philosophischen, literaturwissenschaftlichen und theologischen Beiträgen.

Mehr Infos zum Band erhalten Sie hier als pdf.

Mehr zur Schriftenreihe des Deutschen Rechtswörterbuchs finden Sie direkt beim Verlag.


G. Sammelband

Historische Rechtssprache des Deutschen


In der Schriftenreihe des Deutschen Rechtswörterbuchs ist Ende 2013 der Sammelband "Historische Rechtssprache des Deutschen", hrsg. von Andreas Deutsch im Auftrag der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, im Universitätsverlag Winter (Heidelberg) erschienen. Das knapp 500-seitige Werk mit zahlreichen Abbildungen beginnt mit einem Geleitwort des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Paul Kirchhof über die Rolle von Sprache im Recht (vgl. den Vortrag unter "Stimmen zum DRW").

Aus der Verlagsankündigung:

Manche halten die Rechtssprache für eine der ältesten Fachsprachen überhaupt, andere bestreiten, dass es eine Fachsprache des Rechts gibt. Dieser Band möchte die Geschichte der Rechtssprache des Deutschen in ihren vielen Facetten von den Anfängen bis in neuere Zeit beleuchten und hierbei einige Besonderheiten der Rechtssprache herausarbeiten, etwa die Möglichkeit der Sprachregulierung durch den Gesetzgeber. Neben einen historischen Abriss zur Entwicklung der deutschen Rechtssprache und grundlegende, handbuchartige Beiträge zum Charakter der Rechtssprache treten vertiefende Studien, etwa zum Bedeutungswandel von Rechtswörtern, zum Verhältnis von Bild und Sprache, zur Metapher im Recht, zu Reformversuchen der Rechts- und Verwaltungssprache, zum Problem der Allgemeinverständlichkeit von Gesetzen, zum Einfluss anderer Fachsprachen auf die Rechtssprache und zum Rechtswortschatz in der Literatur.

Mehr Infos zum Band erhalten Sie hier als pdf.

Mehr zur Schriftenreihe des Deutschen Rechtswörterbuchs finden Sie direkt beim Verlag.