Heidelberger Hypertext-Server (HDHS)


HDHS wird getragen von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (HAW),
der Universität Heidelberg – Germanistisches Seminar (Uni HD – GS)
und der Universitätsbibliothek Heidelberg (UB HD)
und gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)

Es ist ein Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Rechtwörterbuchs (DRW),

des Frühneuhochdeutschen Wörterbuchs (FWB)
und der Universitätsbibliothek Heidelberg (UB HD)

Informationssystem zur mitteleuropäischen Kulturtradition

Historische Bedeutungswörterbücher, welche die Allgemeinsprache dokumentieren oder zur Allgemeinsprache hin offen sind, bieten einen breiten Zugriff auf das sprachlich verfaßte kulturelle Wissen einer Gesellschaft. Ein sowohl zielgerichteter als auch sinnvoll strukturierter und umfassender Zugriff auf diese Schätze, der sich über die nachgeschlagenen Lemmata hinaus auf die zugrundeliegenden Kulturtraditionen erstreckt, sollte auch die Quellentexte und ihre sprachlichen und historischen Kontext erschließen. Ein entsprechendes Informationssystem müßte die betreffenden Texte nicht nur in ihren maßgeblichen kritischen Editionen anbieten, möglicherweise bereits als digitale Volltexte, sondern auch zu ihrer formalen und inhaltlichen Erschließung beitragen: Wer schrieb einen bestimmten Text wann und wo mit welcher Absicht? Auf welche konkreten Vorlagen oder konzeptionellen Anregungen griff der Autor dabei zurück, wer rezipierte warum seinen Text wann, wie und wo? Welche materiellen oder bildlichen Überlieferungen situieren relevante Begriffe, Konzepte, Ereignisse oder literarischen Motive in ihren jeweiligen kulturellen Kontexten? Welche wem gewidmeten, wo und wann geschriebenen Handschriften oder Drucke bilden die Basis für den wissenschaftlichen Umgang mit den Texten? Wo werden die Handschriften heute aufbewahrt, wo gibt es Handschriftenbeschreibungen, Faksimila oder gar im Internet bereits verfügbare Digitalisate?

Heidelberger Hypertext-Server

Die Mitarbeiter des Heidelberger Hypertext-Servers haben sich zum Ziel gesetzt, die mitteleuropäische Kulturtraditionen mittels der Lemmata und der ihnen zugrundeliegenden rund 8500 Quellentexte des Deutschen Rechtswörterbuches (DRW) sowie der rund 500 Quellentexte des Frühneuhochdeutschen Wörterbuches (FWB) zu erschließen. Die Texte werden von Germanisten, Historikern und Rechtshistorikern nach bestimmten Gesichtspunkten wie Raum, Zeit, Sprachstufe, Textsorte etc. klassifiziert. Es werden relevante Angaben zu Textgenese und Rezeptionsgeschichte gesammelt und datenbankgerecht modelliert. Die derart gewonnenen Angaben können schließlich durch bidirektionale Verweise miteinander verknüpft und auf komplexe Weise im Retrieval-Datenbanksystem FAUST verwaltet werden. Basis sind jedoch nicht nur die Quellentexte der Wörterbücher und ihre bereits vorhandenen digitalen Ressourcen, sondern über Verlinkungen auch die im Internet bereits jetzt und auch zukünftig verfügbaren Informationen (d.h. maschinenlesbare Quellentexte, gescannte Handschriften und Frühdrucke; Handschriften-Datenbanken, Bilder, Karten etc.). Voraussichtlich in Zusammenarbeit mit dem von Prof. Manfred Thaller (Institut für Historisch-Kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung (HKI), Universität Köln) entwickelten spezifisch kulturwisssenschaftlichen C(ommon)G(ateway)I(nterface)-Server KLEIO wird die derart entstandene dynamische Datenbank über das Internet allen Interessierten zugänglich gemacht werden. Durch die Kombination verschiedener Suchkriterien können dann auch recht komplexe Recherchewünsche befriedigt werden. Dadurch unterscheidet sich die Datenbank erheblich von konventionellen gedruckten Nachschlagewerken jeder Art, wahrscheinlich wird sie auch erheblich komplexer (und damit für die Wissenschaft wertvoller) als bisher im Internet verfügbare Datenbanken sein.

»Knoten im Netz«

Ein wichtiges Anliegen des HDHS-Projektes besteht darin, zu einem »Knoten im Netz« zu werden. Das bedeutet zunächst, die eigenen Daten in der beschriebenen Weise zu modellieren, darauf bezogene WWW-Informationen sehr heterogener Art (Quellen, Bilddokumente, Karten usw.) zu suchen, auf ihre Validität zu prüfen, um sie dann sinnvoll mit den eigenen Daten zu verknüpfen und dem Nutzer mit differenzierten Suchwerkzeugen zur Verfügung zu stellen. Das bedeutet langfristig aber auch, zu einer Art Clearingstelle für alle diejenigen werden zu können, die an der digitalen Aufbereitung von Handschriften, Bildern, Texten etc. beteiligt sind.


2002-09-05